Kollweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Amerikaner in der Westpfalz Wurzeln schlug

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Er wollte eigentlich gar nicht lange in Deutschland bleiben und sie wollte eigentlich nie einen Amerikaner als Mann: Trotzdem kamen Vera und Tony Lesnioski zusammen und sind auch nach 15 gemeinsamen Jahren noch immer ein Herz und eine Seele.

Die Amerikaner und wir: Schon nach dem Krieg kamen die „German Frolleins“ bei den amerikanischen Soldaten gut an. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Deutsche und Amerikaner finden noch immer zusammen. Seit elf Jahren ein glückliches Paar sind Vera und Tony Lesnioski aus Kollweiler. Dabei startete ihre Ehe unter denkbar ungünstigen Vorzeichen.

„Wenige Tage nach der Hochzeit hat Tony seinen Ehering verloren – und zwar irgendwo im Grünschnitt“, erinnert sich Vera an das Missgeschick, das sie selbst prompt als „ganz schlechtes Omen“ für die junge Ehe wertete. Das frisch getraute Paar hatte bei Veras Mutter den Garten aufgeräumt und die Hecken danach zur Sammelstelle nach Schwedelbach gebracht. „Die war brechend voll. Und als Tony die Zweige auf den Haufen warf, muss es wohl passiert sein.“ Der Ring war weg – tagelanges suchen vergebens. „Ich war sehr traurig, denn das war kein guter Beginn für uns.“ Aber dann – nach einigen Tagen – geschah das Wunder: „Der Gemeindearbeiter, den wir informiert hatten, fand doch tatsächlich in diesem ganzen Berg Grünschnitt den Ring! Es war einfach unglaublich“, erzählt Vera noch heute ergriffen mit feuchten Augen vom Happy End der Geschichte.

Missgeschick mit Happy End

Das letztlich gute Omen von damals hat sich bewahrheitet: Vera (59) und Tony Lesnioski (66) sind noch immer ein Herz und eine Seele. Dass sie auf einer Wellenlänge liegen, war schnell klar, als sich die beiden vor 15 Jahren über eine Datingplattform im Internet kennenlernten: Sport, Wandern, Musik, die Liebe zu Hunde – nicht nur die Interessen waren dieselben, sondern auch der Humor passte. „Hallo schöne Lady!“ waren die ersten Worte, die Tony damals an Vera richtete. „Als ich hörte, dass er Deutsch sprach, wusste ich: Der ist anders. Denn ich wollte eigentlich nie einen Ami“, bekennt die gebürtige Kaiserslauterin und erzählt lachend, dass sie als junges Mädchen zwar mal im US-Offiziersclub gekellnert, Avancen der dortigen Gäste aber immer ignoriert habe.

Später verdiente sie ihren Lebensunterhalt viele Jahre lang als medizinische Fußpflegerin, hatte eine eigene Praxis in ihrem Haus in Kollweiler. In der Nachbarschaft leben neben Tony noch andere Amerikaner, ab und an gibt es ein American Barbecue, aber ansonsten ist der Freundeskreis der Lesnioskis „Fifty - Fifty“. Tony ist auf der Air Base als ziviler Logistikmanager bei der Air Mobility Command beschäftigt. „Ich arbeite dort auch mit Deutschen zusammen“, sagt der 66-Jährige. Mit deutscher Familie, deutschen Freunden und deutschen Kollegen ist er voll integriert. „Und zuhause schaue ich auch nur deutsches Fernsehen“, fügt er an und kommt zu dem Schluss: „Nach über 40 Jahren in Deutschland fühle ich mich eher als Deutscher denn als Amerikaner.“

„Wollte die Welt sehen“

Ursprünglich stammt Lesnioski aus Neuengland. Dort in Massachusetts im Osten der USA sollte Tony, dessen Familie polnische Wurzeln hat, eigentlich die Baumschule seines Onkels übernehmen. „Aber ich wollte lieber die Welt sehen und bin deshalb zum Militär.“ So kam der junge Soldat 1974 im zarten Alter von 18 Jahren nach Deutschland. „Ich wäre gern nach München gegangen, schon wegen des Oktoberfests, aber auch wegen der Nähe zu den Alpen. Doch es wurde Mannheim, dann Ramstein und Bann“, berichtet er lachend. Dass es ihn statt ins Land der Bajuwaren in deren einstige Provinz jenseits des Rheins verschlagen hat, daran hat er sich nicht lange gestört, denn in der Westpfalz fand er schnell Anschluss sowie den sicheren Job auf dem Flugplatz – die eigentlich geplante Rückkehr nach Massachusetts war damit bald passé. „Meine Mutter war darüber sehr traurig“, denkt er mit ein wenig Wehmut zurück.

Lesnioski baute sich in Germany ein Leben auf und richtete sich ein. Als „Bännjer Ami“ bekannt, kickte Tony, der daheim in den USA begeisterter Eishockey-Spieler gewesen war, nun das runde Leder bei der Olympia Ramstein. Als einziger Amerikaner in der Truppe lernte er dabei schnell Deutsch. Und er entdeckte seine Liebe zu den pfälzischen Frauen. Bald war er zum ersten Mal verheiratet und wurde Vater: Seine Tochter Jasmin, deren Mutter aus Ramstein stammt, ist inzwischen längst erwachsen, hat Politikwissenschaften in Trier studiert und ihre Heimat verlassen. „Sie lebt heute in Saarbrücken und arbeitet für Bündnis 90/Die Grünen, organisiert Parteitage und andere Veranstaltungen“, erzählt der Vater stolz und freut sich, dass der Kontakt nach wie vor eng ist. „Wir fahren regelmäßig zusammen nach Zweibrücken, um dort in der ehemaligen Eishalle der Kanadier Schlittschuh zu laufen. Oder wir gehen auf Eishockey-Spiele der Adler nach Mannheim in die SAP-Arena.“

Bereit für ein neues Kapitel

Mit seiner Frau Vera, die als Kind bei den Naturfreunden im Finsterbrunnertal großgeworden ist, verbindet ihn dagegen die Liebe zum Wandern und zu Hunden: „Als wir uns kennenlernten, war er gleich ganz lieb zu meinem Jack-Russel-Terrier Bernhard – und hat damit ordentlich Pluspunkte bei mir gesammelt“, erzählt sie schmunzelnd, während er verschmitzt grinst. Auch wenn Bernhard nicht mehr lebt, die Freude an langen Touren bei Wind und Wetter durch die Natur ist beiden geblieben. Für die hat das Paar bald mehr Zeit, denn nach 42 Jahren Dienst auf der Air Base geht Tony im Sommer in Rente und auch seine Frau befindet sich inzwischen im „Unruhestand“, wie sie es nennt. „Ich freue mich, gemeinsam mit Vera das nächste Kapitel unseres Lebens aufzuschlagen“, sagt er und hat dabei nicht zuletzt auch die übernächste Generation im Sinn: Marcel und Nancy, Veras Sohn aus einer früheren Ehe und dessen Frau, haben die 59-Jährige gerade erst zur Großmutter gemacht. Auch wenn es nicht sein leiblicher Enkel ist: Tony freut sich ebenso an dem kleinen Wonneproppen Leo wie Vera: „Er ist so ein süßes Knoddelchen und ich fühle mich ganz glückselig als Opa.“

Die Amerikaner und wir

Die RHEINPFALZ-Lokalredaktion Kaiserslautern widmet sich in diesen Tagen dem Thema Amerikaner in und um Kaiserslautern.

Bisher sind in der Serie erschienen:

Wie eine amerikanische Familie Weihnachten feiert

Die historische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Ein Stück Amerika entsteht“

Einrichtungen des US-Militärs in der Region Kaiserslautern: „Wo die Amis überall sind“

Der Trugschluss der Kulturen

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