Kreis Kaiserslautern
Viele Stare überwintern in der Westpfalz
Der Rodenbacher Alfred Klein ist verwundert, dass sich trotz des anhaltenden Frostes derzeit sehr viele Stare in der Westpfalz aufhalten. Das Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) vermutet, dass es sich dabei vielfach um Wintergäste aus der Eifel und dem Hunsrück handelt, aber auch aus Polen und dem Baltikum. Am 14. Dezember habe er am Rodenbacher Bruch rund 2750 Exemplare beobachtet, zwei Tage später nahe Stockborn sogar 3800, als sie jeweils am späten Nachmittag in großen Schwärmen ihre Schlafquartiere aufsuchten.
Riesige Schwärme
Bevor die Stare zum Schlafen im dichten Schilf verschwinden, sammeln sie sich zumeist auf nahe gelegenen Stromleitungen und Hochspannungsgittermasten. Hier seien sie gut zu zählen, sagt Klein. Sitzen zum Beispiel auf der Traverse (Querbalken) eines Hochspannungsgittermastes etwa 500 Vögel, könne man diese Menge mit der Anzahl der besetzten Traversen und Masten multiplizieren und erhalte so die ungefähre Gesamtmenge. In ähnlicher Weise sei die Anzahl der Stare auf den Leitungsdrähten zu ermitteln. Auch bei den direkt in den Schlafplätzen einfallenden Vögeln sei es möglich, anhand der Schwarmgröße die ungefähre Anzahl der Tiere zu erfassen. Mit etwas Geduld können die Rechen- und Schätzergebnisse mit Fotos zu Hause leicht überprüft werden.
Klein bekennt, dass ihn das großartige Naturschauspiel der in riesigen Schwärmen an ihren Schlafplätzen einfallenden Stare immer wieder aufs Neue fasziniert. Dass hier so nebenbei ein junger Wanderfalke – gelegentlich auch ein Habicht oder ein Sperber – auf Beute wartet, gehöre eben dazu. Die Überlebenschance des einzelnen Vogels in der Masse der wolkenartigen Flugformationen der Stare sei allerdings recht hoch. Andererseits sollte nicht übersehen werden, dass der Star mittlerweile als „gefährdet“ eingestuft ist. Offiziellen Schätzungen zufolge gab es 2007 in Deutschland etwa drei Millionen Brutpaare, Tendenz abnehmend.
Einen Star singen hören
In der Regel flögen die Vogelschwärme das Stockborner Bruch aus nordöstlicher Richtung an – insbesondere von Mehlbach und Schallodenbach her, berichtet Klein von seinen persönlichen Beobachtungen. Offensichtlich finden die Stare dort in der etwas höher gelegenen Landschaft Beeren aller Art und nicht geerntetes Obst, insbesondere Äpfel. Diejenigen Vögel hingegen, die im Rodenbacher Bruch übernachten, fliegen aus Richtung Ramstein von den im Westen liegenden Moorniederungen her ein. An zahlreichen „Quellenhorizonten“ können die Stare dort im nicht knochenhart gefrorenen Boden nach Nahrung suchen. Zum Nachtisch machen sich die gefräßigen Vögel gerne grüppchenweise über die Futterhäuschen im urbanen Bereich her. Oft bleibt dann für Meisen, Finken und Sperlinge nur noch wenig übrig. Für die in der Vorderpfalz überwinternden Stare gibt es in den Weinbergen besonders begehrte Leckerbissen: Trauben, die für die Lese des Eisweins zumeist bis in den Januar hinein an den Rebstöcken hängen bleiben.
Gelegentlich habe er in den vergangenen Tagen einen regelmäßig an seinem Haus nistenden Star schon singen hören, verrät Klein. Eigentlich sei das ein Zeichen des beginnenden Frühlings. Aber bei den infolge des Klimawandels immer milder werdenden Wintern verschafften sich die hier gebliebenen Stare einen Vorteil: Sie besetzen zeitig die besten Reviere und Nistgelegenheiten. Sobald ab Ende Dezember die Tage allmählich wieder länger werden, springe das Verhalten der Vögel in den Balzmodus um.
Glücksfall Sonnenblumenfeld
Klein gibt auch einen Tipp für die Fütterung von Staren im Hausgarten: Eine Mischung aus Erdnüssen, Sonnenblumenkernen, Haferflocken und ein paar Rosinen, gut verrührt mit Frittieröl und garniert mit ein paar Apfelstückchen. Entscheidend für das Überwintern von Staren in der Region seien aber nicht die Futtergaben der Menschen, sondern die Verfügbarkeit geeigneter und ausreichender Nahrung in der umgebenden Landschaft. Besonders vorteilhaft sei die extensive Nutzung und Beweidung landwirtschaftlicher Flächen, wie zum Beispiel beim Kühbörncheshof und auf einigen Feldern von Bernd Schellhaas in Weilerbach. Daneben erweise sich der noch nicht umgepflügte Teil des ehemaligen Sonnenblumenfeldes am Nordrand von Otterbach als Glücksfall – außer Tauben suchen hier täglich zahlreiche Singvogelarten, unter ihnen viele Stare, nach den beim Dreschen ausgefallenen Körnern.