Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Steigende Spritpreise machen Pendlern Sorgen

Schon jetzt machen die Spritpreise vielen Menschen zu schaffen. Etliche befürchten, dass sie sogar noch deutlich höher steigen w
Schon jetzt machen die Spritpreise vielen Menschen zu schaffen. Etliche befürchten, dass sie sogar noch deutlich höher steigen werden.

Der Krieg in der Ukraine, enorme Verteuerung von Gas und Strom sowie Benzinpreise, die die Zwei-Euro-Grenze deutlich überschreiten, bestimmen in diesen Tagen den Alltag. Die RHEINPFALZ hat mit Menschen gesprochen, die täglich als Pendler unterwegs und auf den teuren Sprit angewiesen sind.

Die derzeit extrem hohen Benzinpreise stoßen vielen bitter auf. Das zeigt sich auch bei unserer Umfrage. Mittwochnachmittag am Parkplatz der Straßenmeisterei in Landstuhl. Ab 15.30 Uhr herrscht ein stetes Kommen und Gehen auf dem Gelände nahe der A6. Sabine Metzger aus Ramstein kommt mit ihrem Chef von einer Einkaufsfahrt zurück und wechselt das Fahrzeug. Sie arbeitet in einem mobilen Verkaufsstand. „Die starke Benzinpreiserhöhung, die ich momentan nur als unwirkliche Erscheinung wahrnehme, müssen wir zwangsläufig an unsere Kunden weitergeben. Aber auch diese müssen sparen und werden öfter dabei auf einen Donut oder eine Tasse Kaffee verzichten. Ich hoffe, dass mein Arbeitsplatz dabei nicht verloren geht“, sagt die Verkäuferin, die nachdenklich anfügt: „Ich bin trotzdem zufrieden über eine warme Wohnung und ein Leben ohne Bomben und Leid.“

„60 bis 70 Euro mehr“

Sharifi Amann (21) steigt nach einem harten Arbeitstag vom Firmenfahrzeug in seinen kleinen, gebrauchten Privatwagen um. „Die Preiserhöhung hat mich, bei meinem Verdienst als Malergeselle, hart getroffen. Der Führerschein war schon teuer und die Haltung des Fahrzeugs sowieso. Sollte es noch teurer werden, muss ich mein Auto wieder abmelden und über Sommer die vier Kilometer hoch zur Atzel und zurück zu Fuß gehen“, meint der 21-Jährige.

Ähnlich geht es Georg Hollfinger (60). Auch er kann auf dem Mitfahrerparkplatz in den Firmenwagen umsteigen. „Ich arbeite häufig auf Montage und kann wegen der unterschiedlichen Arbeitszeit nicht auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Für die Heimfahrt mit meinem Auto werden wohl bei steigenden Benzinpreisen 60 bis 70 Euro Mehrkosten monatlich anfallen“, berichtet Hollfinger nachdenklich.

Fahrgemeinschaft gebildet

Mit einem großen Audi Avant biegen zwei junge Männer, 29 und 33 Jahre, auf den Parkplatz ein. Beide arbeiten für ein großes IT Unternehmen. „Da wir unsere Fahrzeuge auch privat nutzen können, trifft uns persönlich die starke Erhöhung noch nicht“, meint der 29-Jährige gelassen. „Trotzdem machen wir uns Gedanken und haben heute mal nur mit einem Fahrzeug zusammen unsere Kunden besucht. Ich steige jetzt in meinen Firmenwagen für den Nachhauseweg um. Eigentlich hat unsere Firma schon letztes Jahr Hybridfahrzeuge bestellt, jedoch wird es wohl noch Monate dauern, bis die Fahrzeuge ausgeliefert werden. Ob dann auch überall Ladestationen zur Verfügung stehen, ist eine andere Geschichte“, ergänzt der 33-Jährige Kollege.

An dem Mitfahrerparkplatz „Hahnensteig“ Richtung Hauptstuhl herrscht ebenfalls reger Fahrzeugverkehr. Ein Kombi mit fünf Personen besetzt hält mit laufendem Motor. Zwei Männer mit Rucksäcken verlassen das Fahrzeug, das dann direkt weiterfährt. Christopher (30) aus Ramstein steigt fast täglich mit seinem Kollegen hier um. „Wir haben zusammen eine Fünfer-Fahrgemeinschaft gebildet – von unserem Arbeitsplatz in Enkenbach in Richtung Heimat. Mit meinem Kleinwagen muss ich deshalb nur alle drei Wochen tanken. Vor kurzem musste ich noch täglich nach Mainz fahren. Bei den momentanen Preisen ein Alptraum. Ich bin überzeugt, dass Benzin noch teurer wird und gehe von einem Preis zwischen 2,50 und 2,80 Euro aus. Schlimm für junge Familien, die gerade ein altes Haus renovieren und durch wahnsinnig steigende Gas-, Strom- und Materialpreise an ihre Belastbarkeitsgrenze stoßen“, meint der junge Ramsteiner.

Hybridfahrzeug gekauft

Ein Ehepaar aus Henschtal hat sich heute hier zum Einkaufen verabredet. Der Ehemann fährt täglich nach Pirmasens, was mit 80 Kilometern zu Buche schlägt, seine Frau muss zur Arbeit nach Homburg. „An eine Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist dabei nicht zu denken. Für uns Beide eine monatliche Mehrbelastung von 150 Euro an Benzinkosten. Der Gedanke, auf ein E-Fahrzeug umzusteigen, ist für uns keine Alternative. Die negativen ökologischen Auswirkungen bei der Rohstoffgewinnung und aufwendigen Herstellung der Batterien möchten wir nicht mittragen – und wo soll letztendlich der Strom erzeugt werden, wenn alle elektrisch fahren sollen“, so der 39-Jährige aus Henschtal.

Aus einer anderen Perspektive sieht es Tobias Wahl (34) aus Landstuhl. „Ich fahre täglich zur Arbeit nach Homburg. Schon letztes Jahr habe ich mich für den Kauf eines Hybridfahrzeugs entschlossen. Zeitgleich auch über KFW einen Antrag für eine Wallbox gestellt. Inzwischen ist die Wallbox installiert und ich kann täglich die Hinfahrt zum Arbeitsplatz elektrisch bewältigen. Die horrend steigenden Benzinpreise wurden somit für mich und meine Familie ein wenig abgemildert. Leider fehlen überall Ladestationen und oft sind die Wenigen, die da sind, nicht alle betriebsbereit. Schlimm finde ich, dass in Deutschland das Bestreben nach Unabhängigkeit im Energiesektor völlig verschlafen wurde und der kleine Bürger nun die Zeche zahlen muss“, sagt Wahl.

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