Wochenendkolumne
Kommunen sollten beim Sortiment des Outlet Centers Zweibrücken genau hinsehen
Es liegt schon ein paar Jahre zurück, aber ich kann mich noch gut an meine Elternzeiten erinnern, als die Kinder klein waren. Weil mein Mann und ich uns die Familienkutsche teilten, hatte ich nicht immer jeden Tag ein Auto zur Verfügung. Den Einkauf, Behördengänge und Arztbesuche erledigte ich dann zu Fuß mit dem Kinderwagen oder mit dem Fahrrad. Ich muss zugeben: In dieser Zeit habe ich die Läden im Dorf wiederentdeckt. Lange Zeit berufstätig in der Vorderpfalz, und erst abends zuhause, hatte ich nicht mehr auf dem Schirm, wie groß das Angebot vor Ort doch noch ist. Nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung, Bücher, Schreibwaren, Schrauben, Blumen, Deko und Haushaltswaren gibt es. Viele Artikel bestellen die Geschäftsinhaber auch gern, man muss nur nachfragen. Ich habe es schätzen gelernt, dass ich Kleider vor dem Kauf im Laden anprobieren kann, oder eine ordentliche Beratung bekomme, wenn ich mir ein paar neue Laufschuhe kaufe. Für meine Kinder war es, als sie klein waren, toll, dass sie ihr Kaugummi mit ihrem Taschengeld selbst im Laden bezahlen konnten. Für sie war es ein Schritt zum Selbstständig werden. Aber das geht natürlich nur dann, wenn es noch Geschäfte vor Ort gibt. Viele Kommunen kämpfen gegen das Ladensterben an und entwickeln Konzepte, wie die Stadt Ramstein-Miesenbach, die mit ihrem Bebauungsplan „Vitalisierung der Innenstadt“ das Geschäftsleben fördern will.
Randsortimente sind ein Problem
Aber die Konkurrenz durch den Online-Handel ist groß, daneben hängt aktuell die geplante Erweiterung des Outlet Centers Zweibrücken wie eine drohende schwarze Wolke über den Kommunen in der Pfalz. Immer mehr Nachbarstädte, jetzt Ramstein-Miesenbach, zuvor schon Kaiserslautern und Pirmasens wehren sich gegen die geplante Erweiterung der Verkaufsfläche von 21.000 auf 29.500 Quadratmeter. Bis zu 50 weitere Geschäfte sollen dort entstehen, die Artikel im Luxussegment anbieten. Dies dürfte den Einzelhändler in Ramstein, Weilerbach oder Enkenbach weniger stören, wenn dort wirklich nur die teuren Designerstücke verkauft werden, die er nicht im Sortiment hat. Doch ist das wirklich so? Zu Recht fordert die Stadt Ramstein-Miesenbach, den Begriff des „Luxussortiments“ zu definieren. Ein Weiteres ist den Verantwortlichen ein Dorn im Auge: Nämlich, dass auf der neuen Verkaufsfläche künftig auch sogenannte Randsortimente wie Bücher, Süßwaren und Körperpflegeprodukte angeboten werden sollen. Das hat mit dem ursprüngliche Gedanken des Fabrikverkaufs, bei dem Waren aus nicht mehr aktuellen Kollektionen zu günstigeren Preisen angeboten werden, nun rein gar nichts mehr zu tun. Kunden, die eine 90-minütige Autofahrt zum Outlet auf sich nehmen, um eine Designerhandtasche zu kaufen, werden die Gelegenheit nutzen: Warum noch mal am Wohnort in die Drogerie oder in den Buchladen gehen, wenn man die Hautcreme oder das Buch auch dort gleich mitnehmen kann? Das ist es dann, was den Handel vor Ort trifft.