Gerhardsbrunn
Gerhardsbrunn erinnert an Adam Müller
Tatsächlich setzte sich der Sozialreformer von der Sickinger Höhe mit großem Nachdruck für die (Aus-) Bildung des Bauernstands ein. Schon seine Eltern waren, wie die Quellen eigens vermerken, „gebildete Landwirte“, die ihrem einzigen Sohn ein Studium in Lothringen ermöglichten. Er sprach fließend Französisch, spielte mehrere Musikinstrumente und besaß eine breite, auch musische Allgemeinbildung.
Weil er sich zeitlebens für die Volksbildung und das landwirtschaftliche Schulwesen einsetzte, gaben ihm seine Zeitgenossen den Beinamen „Bauern-Pestalozzi“. „Von überall her“, so schreibt der Regionalhistoriker Viktor Carl, „kamen die Bauernsöhne und ließen sich von Adam Müller unterrichten“. Er betrieb Studien für einen besseren Anbau der Feldfrüchte, versuchte die Viehzucht zu fördern, hob die „Wiesenkultur“ und unterstützte die Entwicklung neuer Maschinen – allesamt weitsichtige Aktivitäten lange vor Beginn der Industrialisierung und chemischen Düngerproduktion.
Den Hof der Schwiegereltern übernommen
Im heimatlichen Gerhardsbrunn übernahm er den Hof der Schwiegereltern, den er zusammen mit seiner Frau Maria zu einer Art Lehrbetrieb für Jungbauern machte. Außerdem bekleidete er – wie schon sein Vater – das Amt des Bürgermeisters. Nach Beiträgen für Fachzeitschriften veröffentlichte er anno 1845 ein „Handbuch für die praktische Landwirtschaft“, das ihn deutschlandweit berühmt machte und mehrere Neuauflagen erlebte. Außerdem war er Redakteur der „Rheinischen Zeitschrift für Landwirtschaft“.
Obwohl er nach eigener Aussage „nie die Absicht hatte, eine politische Rolle zu spielen“, war er 15 Jahre lang Abgeordneter des bayerischen Landtags in München.
Dort lernte er unter anderem den Chemiker und Erfinder Justus von Liebig kennen, der ihn als Generalsekretär des Landwirtschaftlichen Vereins von Bayern vorschlug. Für die Weltausstellungen von Paris (1867) und Wien (1873) organisierte er die Landwirtschaftsschauen, außerdem war er Dozent am Münchner Polytechnikum.
Grab noch heute auf dem Dorffriedhof
Nach Worten des Historikers Roland Paul wirkte dieses breite Engagement „anregend und befruchtend auf die breite Öffentlichkeit“. Müller „vertrat die Ansicht, dass nur ein gut und in den unterschiedlichsten Bereichen ausgebildeter Landwirt auch ein erfolgreicher Bauer sein kann“.
Sein Landtagsmandat gab er erst auf, als er 1864 Lehrer in der Landwirtschaftsklasse der Lauterer Gewerbeschule wurde. Während einer Typhusepidemie starb er 64-jährig am 20. Mai 1879 in München. Sein Grab befindet sich bis heute auf dem Dorffriedhof von Gerhardsbrunn. Der Verein der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen vergibt eine nach ihm benannte Medaille, außerdem erinnert eine Gedenktafel an der Lauterer Maxschule an Adam Müller.