Kreis Kaiserslautern
Gästeführerin Monika Stiller berichtet Interessierten von der Ortsgeschichte Lindens
„Matschig und modrig“ war das Steinalbtal von jeher. Vom harten und entbehrungsreichen Leben früherer Generationen, der Historie der „Gelleriebe“ – wie der Uzname der „Linnener“ lautet – und von engen Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Ortschaft und den umliegenden Gemeinden: Davon wusste die gebürtige Lindenerin und Gästeführerin Monika Stiller am Samstagnachmittag bei einem Ortsrundgang zu berichten.
„Ur-Lindener Familien existieren nicht“, so viel ist klar. Monika Stiller blickt zurück. „1629 lebten 59 Einwohner im Dorf. 1646 waren es null.“ Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Gegend beinahe ausgestorben. Ein Franziskaner-Pater bemerkte einstmals: „Die Leute sind so arm wie Tiere. Schlimmer geht nicht mehr.“
Groß war die Not nach den verheerenden Kriegsjahren von 1608 bis 1648. Aufrufe zur Wiederbesiedlung in die Schweiz, Frankreich und bis nach Südtirol wurden gestartet. Die heutigen Lindener stammen großteils von ehemaligen Glaubensflüchtlingen ab.
Die Linde galt als „weibliches Pendant zur Eiche“
Die Gästeführerin, die auch in der Stadt und Burg Landstuhl tätig ist, hat knapp 25 Interessierte zur Führung durch ihren Heimatort gelockt. Natürlich stammt der Name Linden von den gleichnamigen Bäumen, die in früheren Zeiten Versammlungs- und Gerichtsorte markierten. Lindenblütentee, leicht zu bearbeitendes Holz, Seile aus den Baumfasern – unbestritten ist die Nützlichkeit des als „weibliches Pendant zur Eiche“ geschätzten Baumes.
Pirmannsleute waren es, Glaubensboten des Heiligen Pirminius aus dem Kloster Hornbach, die sich 1364 im angrenzenden Queidersbach niederließen. Von diesen stammen die ersten, urkundlich bekannten Erwähnungen von Lynden, Linde, Lindenn, Lindemer Banns, Linne, und seit dem Jahr 1828 schließlich das heutige Linden.
Über 80 Schulkinder zählte die Gemeinde um das Jahr 1900. Der Neubau des Schulhauses mit zwei Lehrerwohnungen und einem, außerhalb des Gebäudes gelegenen Aborts, wurde in Angriff genommen und 1904 vollendet. 1913 wurde Linden an die öffentliche Wasserversorgung und 1925 an das Stromnetz angeschlossen. Karbidlampen oder Kerzen spendeten bis dato Licht.
Das Fachwerkhaus an der Ecke Berg- und Flürchenstraße ist das älteste Gebäude im Ort
Das älteste Haus in Linden ist das von Forstmeister Mang für seinen Sohn erbaute Fachwerkhaus an der Ecke Berg- und Flürchenstraße, aus dem Jahr 1702. Über Generationen diente es der Schreinerfamilie Baque als Wohn- und Arbeitsplatz. Die Vorfahren von Alexander Peifer und seiner Frau Monika lebten in diesem Haus.
Peifers und viele andere lauschen am Samstag mit großem Interesse den Worten der Gästeführerin. Hans Knoblauch aus der Kreuzdell erzählt von seiner Familie, in der viele Männer als Maurer ihren Unterhalt verdienten. Jutta Gundacker, geborene Utzinger, hat ebenfalls Lindener Wurzeln. „Ich interessiere mich sehr für Geschichte“, sagt sie.
Zwei Kriegsdenkmäler leistet sich der heute rund 1100 Einwohner zählende Ort. Ein katholisches und ein evangelisches Denkmal mit über 24 namentlich erwähnten Gefallenen des Ersten Weltkriegs. „Was der Verlust so vieler Männer für das kleine Dorf wohl bedeutet hat?“, fragen sich Peifers nachdenklich. Namen wie Vollmer, Leis, und immer wieder Baque tauchen in vielen Geschichten auf. Monika Stiller bezieht viele ihrer Anekdoten aus der „Linnemer Fotobroschüre“ von Paul Wagner und einer Dorfchronik, die zur 650-Jahrfeier 2014 erstellt wurde.
Die wechselvolle Geschichte von Linden basiert auch auf der Herrschaft der Sickinger. Glaubensfreiheit war nicht möglich. „Wie der Herr, so’s Gescherr“, lautete die Devise, nach der die Einwohner sich der Konfession des Landesherren zu unterwerfen hatten. So wurde im Laufe der Jahrhunderte häufig zwischen Katholizismus und Protestantismus hin und her gewechselt.
Details wie das Lehrerinnenzölibat kommen zur Sprache
Viele historisch und menschlich interessante Details kommen zur Sprache. Die Verstecke vor den Luftangriffen des Zweiten Weltkriegs in den beiden Stollen der Hauptstraße, das Streitthema der Namensgebung für den Queidersbach, der Bau der evangelischen Kirche, das Lehrerinnenzölibat und der Waschbrunnen am ehemaligen Milchhäuschen lassen Geschichte lebendig werden.
Die designierte Ortsbürgermeisterin Nicole Meier (FWG) bedankt sich bei anschließendem Kaffee und standesgemäßem Gelleriebekuche bei Monika Sittler mit dem Wunsch: „Es wäre schön, wenn diese Führung noch öfter stattfinden würde.“