Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Thyssen-Krupp schließt Metallcenter und zieht um

Bald Geschichte: Das Thyssen-Krupp-Metallcenter schließt Anfang 2023.
Bald Geschichte: Das Thyssen-Krupp-Metallcenter schließt Anfang 2023.

Das größte Aluminium-Metallcenter in Europa wird Anfang 2023 geschlossen. Vor 14 Jahren war Thyssen-Krupp aus Karlsruhe nach Wörth gezogen. Die verbleibenden 60 Mitarbeiter müssen künftig deutlich weiter fahren.

Mehr Platz und eine bessere Verkehrsanbindung: Weil es im Karlsruher Stadtteil Hagsfeld eng wurde, verlegte Thyssen-Krupp 2008 den Metallcenter nach Wörth. Außerdem ließ in Karlsruhe der versprochene Autobahnanschluss Nord auf sich warten. Die Möglichkeit, im Wörther Hafen Ware zu verschiffen, war damals ein weiteres Argument.

Der Center kauft bei den Herstellern aufgerollte Aluminiumbleche und schneidet sie für die Abnehmer zu. Auch Messing-, Kupfer- und Bronzebleche werden verarbeitet. Die Kunden stammen vor allem aus der Automobil- und Baubranche, beliefert werden Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Süddeutschland, Österreich, Frankreich sowie in der Schweiz und in der Türkei.

Beschäftigt waren anfangs 120 Mitarbeiter, davon etwa 90 fest angestellt. Im Jahre 2021 waren am Standort Wörth noch 90 Mitarbeitende beschäftigt, darunter auch Zeitarbeitskräfte. „Aufgrund von Austritten und Renteneintritten hat sich die Zahl bis heute auf rund 60 Mitarbeitende reduziert, die nun von der Schließung des Standortes betroffen sind“, so ein Sprecher von Thyssen-Krupp Material Services.

Geschäft am Standort Mannheim konzentrieren

Mit der Schließung will der Konzern das Geschäft an seinem Standort in Mannheim konzentrieren. Dort böten sich zwei wesentliche Vorteile, so der Thyssen-Krupp-Sprecher:

– der Anlagenpark sei hochmodern und automatisiert;

– mit zusätzlichen Transportwegen per Bahn und Schiff könne in Mannheim die Logistik deutlich klimafreundlicher gestaltet werden.

Allen Mitarbeitern solle ein Arbeitsplatz in Mannheim angeboten werden, so der Thyssen-Krupp-Sprecher. Vor dem Umzug von Karlsruhe nach Wörth hieß es noch aus dem Unternehmen, dass ein neuer Standort weiter weg nicht in Frage gekommen wäre, weil die Mitarbeiter gehalten werden müssten: Anlagenführer mit notwendigen Spezialkenntnissen beispielsweise gebe es auf dem Arbeitsmarkt nicht, sie qualifizieren sich erst durch die Arbeit im Betrieb.

„Unternehmen will alle Mitarbeiter mitnehmen“

„Das Unternehmen will alle Mitarbeiter mitnehmen“, bestätigt Harald Lange, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Landau. Dahinter stehe auch ein entsprechender Arbeitskräfte-Bedarf, vor allem im gewerblich-technischen Bereich. Der Haken: „Die meisten Mitarbeiter fahren bisher etwa 20 Kilometer einfach zum Arbeitsplatz, nach Mannheim werden es 70, 80 Kilometer sein.“

Die zusätzliche Belastung wiegt im technischen Bereich besonders schwer, denn an den Anlagen wird im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet: „Das bedeutet nach dem Feierabend um 6 Uhr muss jemand noch eine bis eineinhalb Stunden fahren“, so Lange. Vor diesem Hintergrund verhandelt die IG Metall seit dem Frühjahr 2021 mit Thyssen-Krupp unter anderem darüber, welche Fahrzeiten zumutbar sind.

Themen der Verhandlungen waren laut Lange neben dem Ausgleich für die höheren Fahrtkosten außerdem Abfindungen für Mitarbeiter, die lieber ausscheiden, Umzugshilfen und ein Ausgleich für die höheren Kosten im Ballungsraum Mannheim/Ludwigshafen.

Welche Fahrzeiten sind zumutbar?

Zu den zumutbaren Fahrzeiten – für sie müsste ein Ausgleich nicht unbedingt erfolgen – gibt es eine Festlegung der Agentur für Arbeit: Arbeitswege bis zu 75 Kilometer und eine einfache Fahrzeit von eineinhalb Stunden sind danach in Ordnung. „Wir haben uns auf 60 Kilometer geeinigt“, so Lange zu den Verhandlungen mit Thyssen-Krupp. Es sei ein „mühsamer Annäherungsprozess“ gewesen, aber mittlerweile konnten „die Eckpunkte geklärt werden“.

Wenn der Sozialplan unter Dach und Fach ist, könnte ab Sommer die Verwaltung des Metallcenters von Wörth nach Mannheim umziehen, schätzt Lange. Der Wechsel bringe für die Mitarbeiter auch einige Vorteile: Weil sie von Rheinland-Pfalz nach Baden-Württemberg gehen, müssen sie künftig weniger arbeiten: Nur 35 statt bisher 37,5 Stunden in der Woche. Zudem sind im Nachbarland die Bruttolöhne höher.

Die Südpfalz verliere unterdessen einen Industriebetrieb mit in der Spitze bis zu 120 Arbeitsplätzen, sagte Lange. Wie es auf dem Grundstück im Wörther Gewerbegebiet „Oberwald“ weitergeht, scheint unklar. Die Stadt Wörth habe zwar bei Thyssen-Krupp zwar nachgefragt, aber bisher nichts Genaues erfahren, so Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD). Er plädiert deshalb dafür, Gewerbegrundstücke im Erbbaurecht zu vergeben: „Dann könnten wir jetzt mitreden.“

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