Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Strippenzieher für die Natur

Ortstermin im Biotop ehemalige Fischteiche Weingarten/Freisbach: Dieter Zeiß, Meike Wagner, Kurt Garrecht, Kurt von Nida (von li
Ortstermin im Biotop ehemalige Fischteiche Weingarten/Freisbach: Dieter Zeiß, Meike Wagner, Kurt Garrecht, Kurt von Nida (von links).
Meike Wagner
Meike Wagner

Aktion Südpfalz Biotope will alle Naturschutzflächen in der Südpfalz gemeinsam fachlich betreuen

Passend zum Vertrag ist gerade die Zusage aus Mainz gekommen, ab Januar zwei hauptamtliche Stellen für die Zentrale der Aktion in Kleinfischlingen zu fördern. Die erste Stelle ist bereits besetzt, es wird einen fliegenden Wechsel geben. Die Umweltwissenschaftlerin Meike Wagner arbeitet bereits seit Sommer für die Aktion und wird bisher von der Stiftung des Naturschutzverbandes Südpfalz (NVS) bezahlt. Offen ist, wer die zweite Stelle besetzen wird. Wagner hat bereits Kontakte zu Kommunen und Kirchen aufgenommen, denn sie besitzen die meisten Flächen, um die es geht. Es sind sogenannte Ausgleichsflächen, die dem Naturschutz zur Verfügung gestellt werden müssen, wenn Städte und Gemeinden Bau- oder Gewerbegebiete planen, Straßen bauen wollen oder auch Windräder aufstellen lassen. Wer keine Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen kann, zahlt dafür. „Diese Ersatzzahlungsgelder hätten wir natürlich auch gerne“, sagt Wagner. „Nicht nur die Flächen.“

Zentrale in Kleinfischlingen

Ob diese Ausgleichsflächen ins Eigentum der Aktion Südpfalz Biotope übergehen oder ob der Aktion nur die naturschutzfachliche Aufsicht darüber überlassen wird, ist für Wagner zweitrangig. „Wir schulen die Mitarbeiter der Gemeinden, die sich um diese Flächen kümmern“, beschreibt die 29-Jährige einen ihrer Tätigkeitsschwerpunkte. Es gehe darum, Wiesen zur richtigen Zeit zu mähen, Streuobst entsprechend zu pflegen, Gehölze zu entfernen, wo sie weg müssen. Die Aktion Südpfalz Biotope wird als Zweckbetrieb innerhalb der NVS-Stiftung geführt, damit sie Geschäfte machen kann, sprich: Flächen kaufen, Arbeits- und Seminarräume betreiben und Mitarbeiter beschäftigen. Vor allem die Seminarräume in der Zentrale in Kleinfischlingen werden oft Arbeitsplatz von Wagner sein. Hier sollen die Schulungen für Gemeindemitarbeiter und ehrenamtliche Naturschützer, aber auch Informationsveranstaltungen für Landwirte, Bürger und Schüler stattfinden. Wagner: „Wir streben Zusammenarbeit mit allen Naturschutz- und Landespflegeverbänden und der Landwirtschaft an.“

Ehrenamtliche Kümmerer gesucht

Diese Zusammenarbeit braucht die Aktion Südpfalz Biotope, denn zwei hauptamtliche Mitarbeiter alleine können die Arbeit nicht stemmen. „Es gibt bereits ehrenamtliche Kümmerer im Naturschutzverband“, sagt Wagner. Die kümmern sich um die Flächen – immerhin 800 – des Verbandes. Solche Kümmerer möchte Wagner in jeder Gemeinde, für jede Fläche, finden und motivieren. „Die Kümmerer vor Ort halten die Zentrale über den Zustand des Biotops auf dem Laufenden. Die Zentrale pflegt alle diese Informationen in eine Datenbank ein, die wiederum Grundlage langfristiger Pflegemaßnahmen sein werden.“ Einen weiteren Vorteil habe diese Datenbank – es geht übrigens um die preisgekrönte Datenbank des NVS. Dort laufen alle fachlichen Informationen und die geografische Lage zusammen. „Das kann die Grundlage für die Vernetzung der Biotope sein“, sagt Wagner. Man könne die Landwirte bitten, ihre Blühstreifen entsprechend anzulegen, oder finde die richtigen Plätze für sogenannte Trittstein-Biotope. Die bieten eine Art Raststätte für Tiere auf dem Weg von einem Biotop zum anderen.

Modell für Rheinland-Pfalz

Kurt von Nida, Vorsitzender der Aktion Südpfalz Biotope, nennt die Finanzierung der beiden hauptamtlichen Stellen einen Meilenstein in der Arbeit für den Naturschutz. Seit von Nida zusammen mit seinem Co-Vorsitzenden Dieter Zeiß und NVS-Chef Kurt Garrecht vor einem Jahr die Werbetour bei den Kommunen begonnen hat, gibt es von dort bereits Anfragen zum Umgang mit Ausgleichsflächen. Dieter Zeiß hebt die breite Aufstellung der Aktion Südpfalz Biotope hervor. Naturschutzverbände, Landwirtschaft, Grundbesitzer, Behörden, Kommunalpolitik und vor allem die Bevölkerung sollen im Interesse von Artenvielfalt und stabilem Ökosystem ins Boot geholt werden. Diese Aufstellung ist modellhaft für Rheinland-Pfalz, was letztlich auch die Unterstützung aus Mainz begründet.