Nachgehakt
Saugbagger trotzen Corona-Krise
Am frühen Donnerstagmorgen haben die Geschäftsführer Alfons Braun und Frank Walther sowie Dominik Hurm den 1000. Saugbagger an einen Kunden übergeben. Das blaue Fahrzeug, ein Rechtslenker, „geht nach Großbritannien, zu einem unserer größten Kunden“, wie Frank Walther sagt. Rund 40 Fahrzeuge hat der dortige Unternehmer bereits abgenommen. Es handele sich dabei um einen Dienstleister, der die Fahrzeuge meist mit Fahrer vermiete. „Etwa 430.000 Euro hat der Saugbagger mit seiner mittleren Ausstattung gekostet“, sagt Walther, der für den Verkauf zuständig ist.
Seit 1998 ist das von Alfons Braun und Frank Walther gegründete Unternehmen am Markt. „1999 haben wir das erste Fahrzeug ausgeliefert“, blickt Walther zurück. Damals habe die Firma aus vier Angestellten bestanden. „Heute sind es 170 Leute“, sagt Dominic Hurm. „Und wir sind weiter auf Suche nach Schlossern, Mechatronikern und einem Leiter für die Konstruktion“, zählt Hurm nur einen Teil der offenen Stellen auf. Denn das Unternehmen will weiter wachsen. „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren 400 der 1000 Fahrzeuge ausgeliefert“, zeigt Walther das Wachstum auf.
Auftragsbücher sind voll
Noch Anfang April waren rund 150 Mitarbeiter in Kurzarbeit wegen des landesweiten Lockdowns. Die Auftragsbücher waren und sind voll. „Derzeit haben wir 200 Aufträge“, sagt Walther. Bis zu zwölf Monaten müssen Kunden auf ihr Fahrzeug warten. Doch das liege nicht an MTS, sondern an den Fahrzeugbauern. Denn die fahren ihre Produktion teilweise nur mit einer Auslastung von 30 Prozent. Alle Zulieferer aus Italien, Rumänien und anderen Ländern können Hurm zufolge auf MTS reagieren. Die wichtigsten Absatzländer sind Walther zufolge Großbritannien und Deutschland, „Frankreich ist gerade wieder am Anlaufen“. 16 Fahrzeuge werden momentan jeden Monat ausgeliefert, auf 20 will MTS erhöhen.
Begrenzend wirkt hier neben fehlender Fahrzeugen die Kapazitäten der Lackierer. Aus dem Grund werde momentan mit einem neuen Unternehmen in Zweibrücken zusammengearbeitet, aber auch in Germersheim will MTS mit einem Vertragslackierer eine Lackiererei aufbauen, in der nach Hurms Angaben bis zu zehn Fahrzeugen pro Monat lackiert werden können.
Schulungscenter fehlt noch
Weiter würde MTS gerne in direkter Nähe zum Werk in der Siegfried-Jantzer-Straße in der Wörthspitze ein Customer-Center bauen. Dort könnten die Schulungen für die Kunden angeboten und die fertigen Saugbagger übergeben werden. Doch sei das städtische Gelände, für das sich MTS interessiert, derzeit langfristig verpachtet. Philippsburg habe zudem ein attraktives Angebot unterbreitet. Insgesamt rechnet die Geschäftsführung damit, dass der Umsatz wie im Vorjahr auch bei rund 40 Millionen Euro liegen wird. Von 2018 auf 2019 sei das Unternehmen 30 Prozent gewachsen, dies sollte dieses Jahr übertroffen werden. Durch Corona rechnet Walther mit einem Wachstum wie im vergangenen Jahr.
Kommentar: Erfolgsgeschichte
Germersheim kann auf den Erfolg der Firma stolz sein. Denn das mittelständische Unternehmen schafft Arbeitsplätze.
Was vier Mitarbeiter auf den Weg brachten, hat sich inzwischen zu einem florierenden Unternehmen gemausert. Mobile Tiefbau Saugsysteme (MTS) sind aus dem Gewerbegebiet nicht mehr wegzudenken. Die Firma benötigt immer mehr Platz – und der wird in der Stadt immer weniger. Die Stadtverwaltung wäre gut beraten, bei der Suche nach geeigneten Flächen zu helfen, denn das Unternehmen schafft Arbeitsplätze. Bei einem Umsatz von 40 Millionen Euro dürfte die Gewerbesteuer nicht gering sein. Es wäre schade, wenn ein Teil davon Philippsburg bekäme.