Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Pläne für alten Grenzübergang

Der Zollpavillon wurde 1956 errichtet. Heute beherbergt er ein kleines Museum und ein Restaurant.
Der Zollpavillon wurde 1956 errichtet. Heute beherbergt er ein kleines Museum und ein Restaurant.

Der Zollpavillon bei Berg-Neulauterburg ist ein geschichtsträchtiger Ort. Deshalb soll er erhalten bleiben. Aber wie kann man den Grenzübergang zukunftsfähig machen, ohne die Bedürfnisse von Autofahrern und Radlern zu vernachlässigen. Eine schwierige Aufgabe für die kleine Gemeinde.

Das Tor zu den französischen Nachbarn freundlich und ansprechend gestalten, dabei an den früheren bedeuteten Grenzübergang erinnern, den Verkehr intelligent lenken, dabei die Radwege sicher umbauen, neue Bauflächen für Wohnen und Gemeinschaftseinrichtungen schaffen. Diese große Aufgabe muss in Berg-Neulauterburg seit Jahren angepackt werden. Bereits vor etwa 20 Jahren wurden für den Ortsteil Planungen „Kreisverkehrsplatz und Europäisches Quartier“ erstellt, die unter anderem die Verkehrslenkung und Erhalt des alten Zollpavillons beinhaltete. Diese Planung wurde nicht weiterverfolgt, erinnerte Altbürgermeister Günther Roitsch bei der Sitzung des Gemeinderates, so sind auch die Probleme geblieben, der alte Zollpavillon als kostenträchtige Einrichtung und die ungünstige Verkehrssituation.

„Das war die damalige Europa-Euphorie“, beschreiben einige Berger Bürger. Inzwischen hat erneut ein Arbeitskreis unter fachkundiger Leitung von Melanie Kantz (Bauabteilung Verbandsgemeinde) Ziele und Wünsche zur zukünftigen „städtebaulichen Gestaltung“ formuliert, für das nun ein Planungsbüro zwei Vorschläge dem Gemeinderat Berg unterbreitete.

Der LBM spricht ein gewichtiges Wort mit

„Wir wollten unsere Bedürfnisse und Wünsche zur städtebaulichen Seite im Voraus formulieren“, äußerte Miriam Kühnel (Grüne), zumal die Gemeinde Berg Eigentümer einiger Flächen in diesem Bereich ist, die Wohnbebauung, auch Mehrgenerationenwohnen ermöglichen könnten.

Allerdings ist allen Räten klar, dass bisherige gute städtebauliche Vorschläge auch an der verkehrstechnischen Umsetzung scheiterten. Hierfür ist in erster Linie der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zuständig, der sich demnächst der Verkehrslenkung annehmen wird, wie Verbandsbürgermeisterin Iris Fleisch andeutete.

Mehr Sicherheit für Radfahrer

Die Planungsvarianten sehen eine Kappung der Kandeler Straße vor. Der Verkehr vom Langenberg würde hauptsächlich über den Grenzübergang Bienwald gelenkt beziehungsweise über das Gewerbegebiet Mühläcker und den Kreisel zur Hagenbacher Straße geführt. So entstehe anstelle dieser großen Straßenkreuzung mehr Platzatmosphäre mit Ruhe und vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Verschiedene Zonen bieten Sitzbereiche. Spielplatz und Wochenmarkt wären denkbar. Ein „Baumtor“ könnte den Grenzübergang, moderne Baukörper für Wohn- und Geschäftsräume könnten mit neuen Sichtachsen „das Ankommen“ symbolisieren. Für Radfahrer gibt es mehr Sicherheit, da es nach langen Verhandlungen mit Frankreich möglich ist, den Radweg hinter dem Zollpavillon über französisches Gelände zu führen.

In einer der nächsten Sitzungen des Gemeinderates wird über diese Pläne abgestimmt. Doch erst nach den Vorgaben des LBM könnten weitere Schritte, wie die Beantragung von Fördermitteln erfolgen, informierte Ortsbeigeordneter Thomas Worst. „Zweifellos hat die Gestaltung des Grenzbereichs in freundschaftlich respektvoller Nachbarschaft zu Frankreich auch historische und europäische Bedeutung. Es ist erforderlich die kleine und finanzschwache Gemeinde Berg mit diesen Kosten nicht alleine zu belasten“, meint Worst.

Ein Stück Zeitgeschichte

Der Zollpavillon an der östlichen Ecke dieser großen Straßenkreuzung steht seit 1956, hier war in den 60er Jahren zeitweise der größte Warenumschlagplatz in Rheinland Pfalz mit über 60 Zollbeamten auf deutscher Seite. Neben dem Personenverkehr wurden jährlich rund 50 000 Lastkraftwagen abgefertigt. Ab 1985 wurde der Warenverkehr über den neuen Übergang Bienwald bei Scheibenhardt geleitet. Die Grenzaufsicht für den Personenverkehr in Neulauterburg wurde bereits 1991, schon einige Jahre vor Verwirklichung des EG-Binnenmarktes abgeschafft und gilt nur noch in Ausnahmesituationen.

Die Gemeinde Berg wurde Eigentümer des Zollpavillons, doch um den Erhalt und Unterhalt gab es zunächst heftigen Streit. Sein Weiterbestehen macht die Planung eines Kreisverkehrs fast unmöglich, und der Unterhalt ist laut Gemeinde „ein Fass ohne Boden“. Aufgrund der vorhandenen Bausubstanz mussten erhebliche Instandhaltungsarbeiten von der Gemeinde vorgenommen werden, wie Reparaturen am Flachdach, der Heizung und Erneuerung einiger Fenster. Jetzt ist die Erneuerung der großen Fensterfront auf der westlichen Seite, des Heizkessels, der Abwasserleitung, sowie die Dachabdichtung fällig. Der Pavillon hat einen historischen Wert, er bezeugt die frühere Grenzsituation mit einem kleinen Museum, steht jedoch nicht unter Denkmalschutz. Die Gemeinde hat das Gebäude an einen Gastronomen verpachtet.

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