Hatzenbühl
Jeder Tropfen zählt für die Sämlinge
Auch hier in der Südpfalz hat es der Wald wegen des Klimawandels immer schwerer zu überleben. Stattliche, alte Bäume kommen mit den langen Trockenphasen nicht mehr zurecht, sterben und hinterlassen große Lücken im Wald. Der Waldboden trocknet immer mehr aus, so dass auch Sämlinge es immer schwerer haben, wenn sie überhaupt gekeimt haben, wochenlange Trockenheit zu überstehen und zu wachsen.
Dass es dem Wald schlecht geht, die Menschen ihn gerade jetzt dringend als Helfer gegen noch stärkere Erderwärmung brauchen, veranlasste die Freie Wählergruppe in Hatzenbühl zu einer großen Baumpflanzaktion. Ein rund drei Hektar großes Gelände entlang eines Waldweges zwischen Hatzenbühl und Erlenbach wurde ausgewählt. Als Sponsor für den Zukunftswald wurde die Sparkasse Südpfalz gewonnen.
Gießaktionen notwendig
Im März wurden dann 1400 Bäume während fünf Aktionstagen gepflanzt. Hilfe gab es von älteren Bürgern und an drei Tagen von Schülern der Grundschule Hatzenbühl. Gesetzt wurden jeweils 200 Edelkastanien, Roteichen, Stieleichen, Trojatannen, Winterlinden, Schwarzkiefern und Libanonzedern. Damit sie überhaupt eine Chance haben, in dem trockenen, wenig Wasser speichernden Sandboden müssen die jungen Bäume bei fehlendem Regen regelmäßig mit Hand gegossen werden. Deshalb organisieren Pius Werling und Karl Heinz Schnurr regelmäßige Gießaktionen.
An diesem Morgen fuhren Traktoren mit sechs 1000-Liter-Wassertanks an das Waldstück, wo die Helfer, ausgestattet mit Gießkannen, Eimern und Wasserschläuchen, schon auf die erste Fuhre des wertvollen Nasses warteten. Pius Werling wies die Helfer ein, dann legten die verschiedenen Gruppen los. Der fünfjährige Jannis und seine Mutter Alexandra Fischer füllten ihre tragbaren Behälter aus dem Tank mit Wasser und trugen das Wasser an jeden einzelnen Baum. Andere Gruppen begleitete einen Traktor, der durch Schneisen direkt in den Wald fahren konnte, und wenn die Länge ausreichte, wurde direkt mit dem Wasserschlauch gewässert.
Kermesbeeren bekämpfen
Karl Heinz Schnurr hatte sich mit einer Art kleiner Sichel bewaffnet, denn er wollte den überall wuchernden Kermesbeeren zu Leibe rücken. „Wenn wir die invasiven Pflanzen nicht umschlagen, wachsen sie immer höher, breiter sich immer weiter aus. Und nehmen den jungen Bäume Licht und Wasser“, fluchte Schnurr deutlich. Deutlich war zu erkennen, wo die Kermesbeere bekämpft worden war und wo nicht. Jeder junge Baum wurden beim Pflanzen mit einem hohen Verbissschutz versehen, so dass erst beim Blick von oben in die Röhren zu erkennen war, ob der Sämling angegangen ist oder nicht. „Denn leider sind geschätzte ein Drittel der Pflanzen nicht angewachsen und müssen ersetzt werden“, sagt Werling.
Sobald das Wasser in den Tanks vergossen war, wurde Nachschub im Ort geholt, denn kein Bäumchen sollte an diesem Vormittag leer ausgehen. Und auch für die Helfer, wie den zweijährigen Paul und die dreijährige Emilia, gab es Trinken und Brezeln auf die Hand. Wie Schnurr und Werling erklärten, wird es nicht die letzte Gießaktion in diesem Sommer sein. Und es wäre schön, wenn sich noch viel mehr Bürger daran beteiligen würden. Denn es ist ein Wald für alle, der hier gepflanzt wurde und nur wachsen wird, wenn sich möglichst viele in den ersten drei, vier Jahren intensiv um ihn kümmern.