Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel In der Krise wird das Geld knapp

Viele Firmen im Kreis haben Kurzarbeit beantragt.
Viele Firmen im Kreis haben Kurzarbeit beantragt.

Zahlreiche Arbeitnehmer im Landkreis Germersheim leiden derzeit finanziell unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das liegt nicht nur an der Kurzarbeit in vielen Branchen, sondern auch an strukturellen Besonderheiten in der Südpfalz.

Schon Mitte April hatte gut ein Drittel der Betriebe in Deutschland Kurzarbeit angemeldet. Im Landkreis Germersheim waren alleine von Blockpause und Kurzarbeit im Daimler-Lastwagenwerk Wörth gut 10.300 Mitarbeiter betroffen. Das Werk fährt inzwischen wieder hoch, befindet sich aber weiter in Kurzarbeit. Ähnlich sieht es in vielen kleineren Unternehmen im Landkreis aus.

Anfang 2017 wurde Schaidt Innovations (früher Radio Becker) von der Webasto-Gruppe übernommen. Dort befindet sich laut dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Neustadt, Ralf Köhler, derzeit noch ein Teil der etwa 190 Mitarbeiter in Kurzarbeit. In einer Betriebsvereinbarung sei eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes geregelt worden, so Köhler. In der Belegschaft gebe es viele „Grenzgänger“, die aus dem Elsass zur Arbeit in die Pfalz pendeln. Für sie seien wegen der Grenzschließung auch die emotionalen Belastungen erheblich gewesen.

Kurzarbeit wegen Nähe zu Automobilbranche

Bei DBK in Rülzheim arbeitet ein Teil der knapp 200 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Dabei geht es laut Köhler um die Abteilungen, die eng mit der Automobilbranche verknüpft sind. Thyssenkrupp in Wörth hat etwa 100 Mitarbeiter und seine Kunden vor allem vorwiegend in der Automobil-, Bau- und Elektroindustrie. Ende April hieß es, man bereite sich auf Kurzarbeit vor.

Doch nicht nur die Kurzarbeit wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie ist ein Problem. In der Südpfalz gebe es einen erheblichen Anteil an Beschäftigten unter Facharbeiterniveau, sagt Köhler. Viele Menschen seien deshalb noch auf einen Nebenerwerb angewiesen, zum Beispiel in der Gastronomie oder in Werkstätten. Doch gerade diese Branchen seien derzeit besonders eingeschränkt. Bei den Facharbeitern hingegen mache sich das unterschiedliche Entgeltniveau in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bemerkbar - Facharbeiter verdienen auf der anderen Seite des Rheins etwa 400 Euro mehr. Diese beiden Faktoren verstärkten den Druck, sagt Köhler.

Probleme mit der Mietzahlung

Die von der Bundesregierung beschlossene Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ändert daran wohl kurzfristig nichts. Ende April hatte die Große Koalition beschlossen, das Kurzarbeitergeld anzuheben, auf bis zu 87 Prozent für Eltern. Die Erhöhung ist abhängig von der Dauer des Bezugs und dem Ausmaß des Arbeitsausfalls. „Das geht in die richtige Richtung, aber das Volumen ist nicht ausreichend“, sagt Köhler kritisch. Auch käme das Geld zu spät, die Erhöhung setzt schließlich erst ab dem vierten Monat Kurzarbeit ein. „Die Menschen haben jetzt ernsthafte Sorgen, das merken wir an den Fragen von Beratungsfällen.“ Viele hätten Probleme, die üblichen Pflichten wie zum Beispiel die Mietzahlung zu bedienen. Das werde vor allem in Haushalten mit mehreren Kindern oder bei Alleinerziehenden deutlich.

Deshalb ringen Gewerkschaften wie die IG Metall noch um etwas anderes: Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet haben, bekommen die Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Sie sollten zumindest den Arbeitnehmeranteil auch an die Arbeitnehmer weitergeben, fordert Köhler. „Das ist eine richtige Größe.“ Dabei knirscht es auch an mancher Stelle im Kreis, wenn zum Beispiel ein Unternehmen diese Weitergabe in einer Betriebsvereinbarung zugesagt hat, diese aber laut IG Metall bisher noch nicht erfolgt ist.

Es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Kardex in Bellheim habe noch keine Kurzarbeit anmelden müssen, so Köhler. Und zum Beispiel bei der August Berger Maschinenfabrik in Berg laufe das Geschäft derzeit gut. Vor allem, seit die etwa 70 Prozent der Belegschaft, die aus dem Elsass kommen, nun wieder leichter über die Grenze fahren können.

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