Westheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fantasy-Romane beflügeln Fantasie zu eigenem Roman

Mara Leukhardt und Ihr Buch.
Mara Leukhardt und Ihr Buch.

Noch vor dem Abitur veröffentlicht sie ihr erstes eigenes Buch. Seit Jahren liest Mara Leukhardt selbst hunderte Fantasy-Romanen. Seit ihrem 14. Lebensjahr arbeitet sie an einer eigenen Geschichte. Die Entschlossenheit der Westheimerin ist nicht nur aufgrund ihrer Jugend beeindruckend.

„Andere fangen auch früh an zu schreiben, lassen es dann aber in der Schublade“, sagt Mara Leukhardt aus Westheim. „Ich aber war sehr hartnäckig, dass meine Geschichte veröffentlicht wird.“ Drei Jahre lang schrieb die 17-jährige Schülerin an ihrem ersten Fantasy-Roman. Angefangen habe sie in den Sommerferien und schreibe dann immer, wenn ihr etwas einfalle. „In den Pausen, in Freistunden und jetzt immer eine Stunde am Abend.“ Bei Facebook ist sie abends mit anderen Autoren zu regelmäßigen Schreibsessions verabredet, um sich gegenseitig zu stärken und die eigenen Texte fortzuentwickeln. „Da sind fast alle mindestens 30 Jahre älter“, sagt Leuckardt, die nur wenige Autoren in ihrem Alter über die sozialen Medien kennt.

Über die Jahre habe sich ihre Geschichte und ihr Stil des Schreibens dadurch deutlich verändert. „Früher habe ich nach Gefühl geschrieben.“ Nach einigen Schreibblockaden lernte sie in der Diskussion mit anderen Autoren nach einem Konzept zu schreiben. „Ich habe die Geschichte dann auf vier Seiten zusammengefasst.“ Zwischendurch habe sie auch „drei, vier Mal ganz neu angefangen“. Mit anderen diskutiere sie auch manchmal einzelne Szenen, aber „wirklich viel hat niemand gelesen. Ich denke lieber für mich alleine nach“.

„Ich lese ausschließlich Fantasy-Romane“

Ihr erster Roman „Losing Voice“ handelt von Laura, die ihrem besten Freund helfen will, der wegen seiner hohen Stimme gemobbt wird. Laura betet zur griechischen Göttin Hekate, die den Wunsch erfüllt, doch dafür Laura zahlt einen Preis: sie verliert ihre eigene Stimme. Innerhalb der Götterfamilie kommt es über Lauras Selbstlosigkeit zum Streit. „Laura steckt mittendrin im Chaos zwischen Unsterblichen und Sterblichen und muss sich dann darin zurechtfinden“, beschreibt Leukhardt den Fortlauf der Geschichte.

„Griechische Mythologie ist mein Fachgebiet“, sagt die Jungautorin, die in Schulzeiten selbst bis zu fünf Bücher pro Woche liest, in den Ferien noch mehr. Früher habe sie viel vorgelesen bekommen und von ihrer Mutter das Interesse am Lesen mitgenommen. „Ich lese eigentlich ausschließlich Fantasy-Romane“, aus denen sie auch Ideen und Inspiration für ihre eigenen Geschichten aufnimmt. „Ich lese ein Buch und denke, das hätte man auch anders schreiben können. Dann überlege ich mir, wie hätte ich das geschrieben und entwickle neue Ideen.“ Mit Blick auf ihren eigenen Bücherstapel würde ihr der Stoff an fantastischen Romanen nicht so schnell ausgehen. „Da kann ich noch Jahrzehnte dran lesen“, sagt sie lachend. Im Film könne sie sich die Fantasiewelten dagegen nicht anschauen. „Die Fantasy-Filme sind meist Verfilmungen von Büchern, die ich dann schon gelesen habe und die ich meist schlecht umgesetzt finde.“ Das schaue sie lieber Sitcoms.

Erbkrankheit erschwert das Schreiben

Ihre Ausdauer und Beharrlichkeit beweist Leukhardt nicht nur beim Lesen. Sie leidet an einer erblichen Bindegewebserkrankung, die Muskelschwäche und instabile Gelenke zur Folge hat. Ausgerechnet das Schreiben bereitet ihr große Probleme. „Handschriftlich geht gar nicht und auch das Tippen fällt mir schwer“, sagt Leukhardt, die die Hände und Finger nur schwer bewegen kann. Von der Schule hat sie ein Diktierprogramm erhalten, doch für ihre Geschichten beißt sie sich lieber vor dem Schreibprogramm durch. „Beim selbst Tippen, bin ich strukturierter. Wenn ich zwischendurch immer fünf Minuten Pause machen, schaffe ich manchmal bis zu zehn Seiten am Tag.“ Die Krankheit mache auch viele Arztbesuche in weiter Entfernung notwendig. Die Schule sei aber sehr verständnisvoll für ihre vielen Fehlstunden. Als sie dort in ihrem Deutsch-Leistungskurs erzählte, dass sie ein Buch geschrieben habe, seien alle sehr überrascht gewesen, aber hätten sich mit ihr gefreut. „Die Lehrer sagten alle, dass sie das Buch bestellen wollen.“

„Jüngstes Autorenwunder“

Leukhardt nahm auch die Suche nach einem Verlag für ihren ersten Roman selbst in die Hand. „Durch Gespräche mit anderen Autoren und YouTube-Videos habe ich mir angeeignet, wie ich das machen soll.“ Sie schrieb über 20 Verlage an, doch hörte dann über Monate nichts. Die erste Zusage kam dann vom Theil Kinderbuch Verlag. Aus rechtlichen Problemen schreckten einige Verlage vor minderjährigen Autoren zurück, sagt Leukhardt. Die Verlagschefin Virginia Theil ist voll des Lobes über ihr „jüngstes Autorenwunder“, das eine tolle Geschichte eingesandt habe. „Das war ein Bomben-Manuskript, das uns sofort überzeugt hat.“ Durch die Corona-Pandemie habe sich die Produktion zwar verzögert, doch das Buch ist schon vorbestellbar und wird bald in allen Buchhandlungen erhältlich sein. Mit Soft-Feel-Kaschierung, partiellem UV-Lack und Hochprägung verspricht Theil für das Buch ein „haptisches Erlebnis, das Kinder gerne in der Hand halten“.

Derweil arbeitet Leukhardt schon an zwei weiteren Romanprojekten, die sie gerne bis zu ihrem Abitur im kommenden Jahr abschließen will. „Ich brauche immer zwei Projekte gleichzeitig. Zur Abwechslung, wenn ich bei dem anderen mal nicht mehr weiterkomme.“ Das Schreiben soll sie auch weiter begleiten, allerdings nur im Nebenberuf, sagt die junge Autorin. Nach dem Abitur wolle sie sich stärker einem zweiten Interesse widmen: „Ich will Medizin studieren und in die Forschung gehen.“

Lesezeichen

Mara Leukhardt, Losing Voice, Theil Kinderbuch Verlag, ISBN 978-3-96857-010-5, 18 Euro.

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