Bellheim RHEINPFALZ Plus Artikel Berufsleben für den Wald um ein Jahr verlängert

Auf den Stufen des Forstamts zu sitzen, heißt für sie nicht, sich zur Ruhe zu setzen. Ex-Forstamtsleiterin Monika Bub.
Auf den Stufen des Forstamts zu sitzen, heißt für sie nicht, sich zur Ruhe zu setzen. Ex-Forstamtsleiterin Monika Bub.

Eigentlich könnte sie schon seit Februar im Ruhestand sein. Monika Bubs Nachfolger, der neue Leiter des Forstamts Pfälzer Rheinauen, Christopher Skala, ist bereits im Amt. Aber sie ist noch nicht fertig, möchte nach knapp 22 Jahren im Amt noch einiges erledigen, weshalb sie der Forstverwaltung noch ein Jahr erhalten bleiben wird.

„Insbesondere wegen der Hördter Rheinauen.“ Für den Hochwasserreserveraum, der hier geplant ist, sei vor kurzem das Planfeststellungsverfahren eröffnet worden. „Das beschäftigt mich, seit ich hier bin“, sagt Bub beim Gespräch mit der RHEINPFALZ im Bellheimer Forsthaus. „Und wenn man das planerisch abschließen kann, dann ist das doch toll.“

Der neue Chef des Forstamts Pfälzer Rheinauen: Christopher Skala.
Der neue Chef des Forstamts Pfälzer Rheinauen: Christopher Skala.

Es gebe verschiedene Ansätze, zum Beispiel für eine ökologische Flutung, die es mit der Genehmigungsbehörde SGD abzustimmen gelte. Schließlich seien rund 900 Hektar Staatswald betroffen, „eine erkleckliche Summe“ im Hinblick auf die insgesamt etwa 13.000 Hektar, die sich entlang des Rheins zwischen Wörth und Worms erstrecken, Luftlinie etwa 80 Kilometer, und die das Forstamt mit 37 festen Mitarbeitern betreue. Momentan sei auch auf der badischen Rheinseite, im Gebiet Elisabethenwörth, das seit alten Festungszeiten noch zu Germersheim gehöre, ein großer Polder geplant. Auch hier ist laut Bub Staatswald betroffen.

Gut gelaufen ist nach Bubs Ansicht die Ausweisung von rund 930 Hektar Naturwaldreservat, das aus der Bewirtschaftung herausgenommen worden sei.

Herausforderung

Als eine Herausforderung beschreibt Bub das Miteinander von Förstern und Bürgern. So lebten etwa im Raum Ludwigshafen mit seiner Industrie viele Menschen, die den Wald als Erholungsraum nutzen wollten. Auf der anderen Seite stünden die Förster, die den Wald schützen wollten. „Es gab immer wieder Diskussionen, aber es ist nichts aus dem Ruder gelaufen. Es haben sich immer Kompromisse gefunden.“

Sitz des Forstamts Pfälzer Rheinauen: das Forsthaus in Bellheim.
Sitz des Forstamts Pfälzer Rheinauen: das Forsthaus in Bellheim.

Weitere Themen, die Bub beschäftigen sind Windräder, Straßenneubauten und Fotovoltaikanlagen; wobei Letztere nichts mit dem Forstamtsgebiet zu tun hätten. Im Forstamt in Bellheim sei sie ohnedies nicht mehr regelmäßig anzutreffen, erzählt die Haßlocherin. Sie sei nun zu der Stelle zurückgekehrt, wo sie bereits gearbeitet habe, bevor sie die Leitung des Forstamts Pfälzer Rheinauen übernommen hat: zur Zentralstelle öffentliche Planung und hoheitliche Aufgaben in Neustadt. Sie habe quasi mit ihrem Amtsnachfolger Skala die Stelle getauscht. Aufgrund der Nähe zu ihrem Wohnort werde sie öfter auch in Neustadt arbeiten oder im Homeoffice zuhause. „Je nach Bedarf, ich darf da flexibel sein.“

Hauptaufgabengebiete

Als Hauptaufgabengebiete in ihrer Zeit als Forstamtsleiterin nennt Bub den „Hochwasserschutz in Gänze“, schließlich gebe es noch weitere Polderbauprojekte im Forstamtsgebiet, sowie die Ausweisung der Natura 2000- beziehungsweise FFH-Naturschutzgebiete (Flora-Fauna-Habitat). So sei nach der Erhebung der Lebensraumtypen aufgefallen, dass nicht alles korrekt war. Deshalb „mussten wir schauen, was stimmt und einiges korrigieren“. So seien die Natura-Gebiete von externen Fachbüros erfasst worden, nicht von Förstern. Korrekturbedarf habe es in der Folge bei der Baumbestimmung gegeben, die teilweise im Winter anhand des Rindenbildes erfolgt sei, „was schwierig ist“. Das Ganze galt es mit der Oberen und der Obersten Naturschutzbehörde abzustimmen.

Jetzt stehe wegen des Klimawandels eine neue Erfassung an. „Und wenn das so weitergeht, können wir nochmal ganz von vorne anfangen.“ Und, so Bub weiter: „Wir müssen jetzt schauen, wie wir auf den Klimawandel reagieren.“ Denn inzwischen seien viele Kiefern abgestorben. Zwar sei der Grundwasserpegel durch die Regenfälle der vergangenen Monate nun wieder angestiegen, „aber letztes Jahr – puh“. Es werde nun die Arbeit ihrer Kollegen sein, zu sehen, wie der Wald wieder bestückt, er mit welchen Baumarten wieder aufgebaut wird. Dabei gebe es Hilfestellung aus Wissenschaft und Forschung, zum Beispiel von der Forstlichen Versuchsanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Trippstadt.

Faszination Auwald

Was fasziniert Bub so am Wald in den Pfälzer Rheinauen, von dem sie nicht müde wird zu schwärmen? „Ich bin hier quasi in einem Freiluftlaboratorium. Auwald ist schon was ganz besonderes.“ Der Auwald sei durch die Hochwassergänge der Flüsse, insbesondere des Rheins geprägt, was eine variable Waldbewirtschaftung erfordere. „Und man bekommt sofort Rückmeldung, wenn man etwas verkehrt gemacht hat.“ Von wem? „Vom Rhein selbst.“

Um mehr über die Besonderheiten des Auwaldes zu erfahren, steht Bub seit vielen Jahren im Austausch mit Kollegen in anderen Bundesländern, aber auch im Ausland. „Das ist ungemein spannend.“ Schließlich gebe es sonst keinen Auwald in Rheinland-Pfalz. So sei sie seit 2015 Vorsitzende des Internationalen Arbeitskreises Flussauen, der sich einmal pro Jahr zu einer Projektbesichtigung treffe, einem Polder zum Beispiel. Aber auch sonst gebe es regelmäßige Kontakte mit den Mitgliedern, Fachleute von namhaften Institutionen, darunter das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Nicht nur Wald

Über ihr berufliches Engagement für den Wald hinaus ist Bub nach eigenen Angaben seit vielen Jahren im Naturschutz tätig, ist Mitglied beim Naturschutzbund Nabu, und leitet die Greifvogelstation in Haßloch. Als weitere Hobbys nennt die 66-jährige studierte Forstwirtschafterin Literatur, Musik, Malerei und ihren Garten.

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