Lingenfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger wollen Dorfbewohner aufs Fahrrad bringen

Sie fordern bessere Bedingungen für Verkehrsteilnehmer ohne Auto: die Lingenfelder Dorfradler.
Sie fordern bessere Bedingungen für Verkehrsteilnehmer ohne Auto: die Lingenfelder Dorfradler.

Mehr als 10.000 Autos fahren täglich nach Lingenfeld hinein. Deutlich zu viel, sagen die Menschen, die dort wohnen. An die 150 Personen sind deshalb am Sonntagnachmittag dem Aufruf der Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Lingenfeld“ gefolgt und haben für die Verkehrswende geworben.

Der alte Kerweplatz war als Treffpunkt für die Freunde des Fahrrads ausgesucht worden. Die gibt es in jedem Alter in der Gemeinde, von Kindern bis zu Senioren. Alle haben ein Ziel: den Autoverkehr zu reduzieren. Bürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) bringt es in einem Satz auf den Punkt: „Wir Lingenfelder haben einiges satt.“

Die Ortsgemeinde arbeitet gut mit der BI zusammen. Gemeinsam versuchen sie, etwas zu bewegen. „Wir wollen den Quellverkehr aus Lingenfeld herausbringen“, sagt Kropfreiter. „Wir wollen eine positive Spirale anstoßen“, sagt BI-Sprecher Steffen Deubig. Seit einem Jahr gibt es die Initiative. Sie will kein konkretes Projekt verfolgen, sondern immer wieder Akzente setzen. „Wir picken uns Aktionen raus“, informiert Deubig. Das Dorfradeln ist so eine Aktion.

Zwei Radtouren zur Auswahl

Positiv überrascht sind der Koordinator und sein Team über die Resonanz. Alle Teilnehmer werden in Listen vermerkt – ein Muss in Corona-Zeiten. Gemeinsam wird gestartet. In Schwegenheim trennen sich einige Wege. „Die Kinder fahren die kleine Tour von 15 Kilometern, die Erwachsenen die große von 24 Kilometern“, sagt Deubig. Die längere Strecke führt weiter über Freisbach, Weingarten, Lustadt und Westheim zurück nach Lingenfeld.

Wer mitmacht, gehört zu den überzeugten Radlern im Ort. So wie Steffen Vogt. Der 48-Jährige ist Sportvorstand des TSV und sich seiner Vorbildfunktion bewusst. Aber nicht nur deshalb tritt er in die Pedale. Um Verkehrsberuhigung im Ort zu erreichen, ist er gerne am Sonntagnachmittag mit von der Partie. „Voraussetzungen wie in Holland werden wir hier nicht kriegen, aber man kann immer etwas verbessern“, meint Vogt zur Situation für Radfahrer in seiner Heimatgemeinde.

„Die Angst fährt immer mit“

Das sei auch notwendig, findet Ulrike Schwabenland-Wurm. „In der Hauptstraße fährt die Angst immer mit. Die Autofahrer sind dort meist mit unangemessen schnellem Tempo unterwegs“, erzählt sie der RHEINPFALZ und ergänzt: „Ich bin immer froh, wenn ich durch bin.“ Die Verschwenkung an der Schwegenheimer Straße, in der sie mit ihrem Mann wohnt, habe nicht viel gebracht. Aus dem Ort heraus werde nach wie vor gerast. Thomas Wurm ergänzt: „Wenn wir für Lingenfeld Verkehrsberuhigung wollen, müssen wir mit dem Rad dafür werben.“

Die Aktion wird Früchte tragen, da ist sich Jürgen Strantz sicher. Der stellvertretende Landesvorsitzende des ADFC-Landesverbands Rheinland-Pfalz wohnt in Westheim und ist überzeugt, dass kleine Anstöße große Kreise ziehen. „Man hat keinem anderen Ding so viel Platz eingeräumt wie dem Auto“, kritisiert Strantz die Entwicklung der Vergangenheit. Wie oft der Motor angeworfen wird, statt zu strampeln, stößt bei Deubig auf Unverständnis. Mit dem Auto zur Singstunde oder zum Handballtraining – das geht für ihn gar nicht.

Bürgerinitiative sendet klare Botschaft

Berthold Gschwind, ehemaliger Vorsitzender des RFV Viktoria 05, weiß, dass das Dorfradeln als Gemeinschaft gelebt werden muss, um Erfolge zu erzielen. „Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist durchaus da, aber es ist wichtig, sich für das gemeinsame Ziel zusammenzuraffen“, meint er.

Die Radtour soll auch dabei helfen, Brennpunkte zu erkennen, sagt Deubig. Die wiederum werden mit der Gemeinde, dem Kreis und dem Landesbetrieb Mobilität besprochen. Kropfreiter kündigt an, dass in Kürze Banner aufgehängt werden sollen. Die Aufschrift: „11.000 Autos sind zu viel“. Eine deutliche Botschaft der Lingenfelder Dorfradler.

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