Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Leben für ausgetrunkene Weinflaschen

Keineswegs zum Trinken: Kerzen in leergetrunkenen Weinflaschen aus der Pfalz.
Keineswegs zum Trinken: Kerzen in leergetrunkenen Weinflaschen aus der Pfalz.

Eine gute Flasche Wein wird meist bei besonderen Anlässen geöffnet. Doch was wird aus der Flasche, wenn sie leer getrunken ist? Für den Glascontainer ist sie viel zu schade, findet Kira Hassert. Die Dürkheimerin, Weinliebhaberin und Kerzenfan, hat sich etwas einfallen lassen.

Bad Dürkheim, San Francisco, New York, London, Bad Dürkheim. Das sind die Stationen von Kira Hassert. Dass die 28-Jährige wieder in der Pfalz ist, hat mit der Pandemie zu tun. Und nun hat sie eine neue Leidenschaft entdeckt. Als Weinliebhaberin ließ sie der Blick auf so manche leergetrunkene Flasche nicht mehr los. Dass sie im Altglas-Container landen, gefiel ihr gar nicht. „Es ist schade, wenn eine Flasche Wein mit einem tollen Etikett direkt entsorgt wird. Dabei hat man doch meist schöne Erinnerungen an den Wein, an die Zusammenkunft mit Freunden, mit denen man die Flasche gemeinsam getrunken hat“, sagt Hassert.

Ihre Idee: die Weinflaschen künstlerisch zu gestalten. „Gerade durch die Kurzarbeit während der Pandemie hatte ich viel Zeit, um meine Kreativität zu entfalten“, verriet Hassert. Sie sammelte Flaschen, schnitt den dünnen Flaschenhals ab, „entschärfte“ die Kanten und goss die Flaschen mit feinstem Rapswachs auf. Die 28-Jährige hat ohnehin ein Faible für Kerzen. In ihrem einstigen Kinderzimmer stehen überall Kerzen und Silikonformen, Wachsplättchen, Dochte und Farbpigmente. Ein richtiges Kerzenlabor.

„Zuerst war es ein Corona-Hobby“, erzählt Hassert. Zunächst hatte sie sich auf XXL-Kerzen spezialisiert, die auch seit der vergangenen Woche im Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin sowie bei Oberpollinger in München erhältlich sind. Aber die junge Frau mit dem Faible „für schöne Dinge im Leben“ suchte auch noch etwas Spezielles, aus der Region. Und da kommen die leeren Weinflaschen ins Spiel.

Geschichten stecken hinter den Flaschen

„Eine ausgetrunkene Flasche 1900er Deidesheimer Kieselberg oder 1932er Forster Ungeheuer von Bassermann-Jordan in der Hand zu halten und diese in eine Kerze zu verwandeln, ist etwas Besonderes. Es ist einfach unglaublich, welche Geschichten hinter diesen Flaschen stecken“, sagt Hassert. Unter denjenigen, die ihr Mut machten, ihre Idee umzusetzen, war auch Philipp Lucas, Juniorchef des Lucashofes in Forst und ein früherer Klassenkamerad Hasserts am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim. Unter dem Namen „Pfalz Romantik“ produziert sie außerdem „Dubbegläser“ in Kerzenversion, in allen Farben und in den Größen 0,25 oder 0,5 Liter.

Dabei lebt die Pfälzerin eigentlich seit drei Jahren in London. Sie ist dort für strategisches Marketing in einer Firma, die Beratung für Experience-Design anbietet, zuständig. Zuvor hat sie in San Francisco und New York gelebt, hat Business Management und Internationales Marketingmanagement studiert. Zurück nach Deutschland ist sie gegangen, als die Lebenssituation in Großbritannien mit dem dortigen Lockdown immer schwieriger wurde. Sie ist nach wie vor für ihren Arbeitgeber in Kurzarbeit tätig.

Nachhaltige Materialien werden verwendet

Ganz wichtig sind der jungen Designerin nachhaltige Materialien. Daher sind ihre Kerzen aus Rapswachs aus Deutschland. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass Kerzen häufig aus Paraffin, einem Abfallprodukt der Erdölindustrie bestünden, sagt sie und verweist darauf, dass Rapswachskerzen viel langsamer und fast rußfrei abbrennen.

Auch bei den Farbpigmenten und den Dochten achtet sie auf Nachhaltigkeit. Das Thema Docht sei eine Wissenschaft für sich, erzählt Hassert. Fast ein halbes Jahr habe sie vieles ausprobiert, und dabei beim Gießprozess und bei den Materialien experimentiert. „Ich könnte ein Buch darüber schreiben“, erzählt sie.

Die Nachfrage nach Weinflaschenkerzen nehme zu. „Es ist für viele, die hier in der Pfalz tolle Weine trinken, ein schönes Andenken, das Stil hat und auch in jedem Raum etwas Schönes darstellt“, sagt sie. In diesen Tagen wird auch das Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim die erste Lieferung erhalten, nachdem Hasssert von dort leergetrunkene Flaschen erhalten hat. Die Weinflaschenkerzen werden exklusiv in den jeweiligen Vinotheken der Weingüter verkauft.

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