Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinderat: Palatia Jazz nicht unbedingt willkommen

 Das Tingvall Trio trat 2017 in der Klosterruine Limburg in Bad Dürkheim auf. Solche malerischen Orte sind Teil des Festivalkonz
Das Tingvall Trio trat 2017 in der Klosterruine Limburg in Bad Dürkheim auf. Solche malerischen Orte sind Teil des Festivalkonzepts von Palatia Jazz.

Kehrt der Veranstalter des Musikfestivals Palatia Jazz nach zehnjähriger Pause für ein Konzert nach Dirmstein zurück? Wenn es nach der Firma S.Y.M Kulturmanagement geht, ja. Und zwar am 14. August. Die Mitglieder des Gemeinderats sind darüber nur wenig bis gar nicht begeistert. Und das liegt am Entwurf des Vertrags zwischen Veranstalter und Ortsgemeinde.

Wer am 14. August im Dirmsteiner Schlosspark auftreten soll, steht noch nicht fest. Auf der Internetseite von S.Y.M Kulturmanagement gibt es nur die Pläne für Konzerte bis Ende Juli, so sie denn wegen Corona stattfinden können. Die im vergangenen Sommer in Dirmstein geplante Veranstaltung fiel wegen der Pandemie aus. Davor war der Ort zuletzt 2010 Schauplatz eines Palatia-Jazz-Konzerts unter freiem Himmel gewesen. Danach kehrte die Firma aus Niederkirchen bei Deidesheim Dirmstein den Rücken, weil es bei schlechtem Wetter kein Ausweichquartier gab. Mit der neuen Festhalle am Kellergarten gibt es jetzt wieder eine Alternative zum Schlosspark.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats berichtete der Erste Beigeordnete Hans Scherer (CDU), dass die Festivalplanung trotz Corona vorangingen. Der Veranstalter arbeite an einem Hygienekonzept. Scherer warb dafür, dass die Gemeinde ihre generelle Bereitschaft erklärt, wieder ein Veranstaltungsort in der Konzertreihe zu werden. „Wenn wir absagen, verspielen wir auf lange Zeit die Chance, Gastgeber für Palatia Jazz zu werden“, appellierte Scherer an die Ratsmitglieder.

Festhalle müsste reserviert werden

Doch der vom Veranstalter gewünschte Vertrag, der den Mandatsträgern in der Sitzung vergangene Woche nicht vorlag, aber in Auszügen bekannt war, stieß insbesondere bei den Fraktionen von FWG und SPD auf wenig bis gar keine Gegenliebe. Demnach fordert die Firma 3000 Euro dafür, dass Dirmstein Spielort wird. Hinzu kämen diverse organisatorische Leistungen, beispielsweise die Bereitstellung von Toiletten und das Management der Parkflächen. Die Festhalle müsste zudem kostenfrei für diesen Termin reserviert werden, hieß es in der Sitzung.

Die geforderte feste Summe aufzutreiben wäre möglich. 1500 Euro will laut Hans Scherer die Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland beisteuern, 1500 Euro müsste die Ortsgemeinde tragen, sofern seine Anfrage bei einer Stiftung des Landkreises zur Übernahme dieses Betrags erfolglos sei.

Dass ein privater Veranstalter die Infrastruktur der hoch verschuldeten Gemeinde nutzen will und dafür Geld verlangt, war für Nadine Eberle (FWG) nicht nachvollziehbar. „Unser Ort und unser Gewerbe haben von dieser Veranstaltung nichts“, meinte die FWG-Sprecherin im Rat. Der Veranstalter bringe seine eigenen Caterer mit.

Jokisch: Regionale Kultur kommt zuerst

Vehement gegen eine Unterschrift unter den Vertrag sprach sich Jörg Jokisch (SPD) aus. Sollten nach der Corona-Pandemie Veranstaltungen wieder möglich sein, müssten seiner Meinung nach zuerst lokale oder regionale Kulturschaffende und örtliche Betriebe sowie Vereine davon profitieren. Er könne sich zudem noch gut an die letzten Konzerte von Palatia Jazz in Dirmstein erinnern. „Damals wurden wir von den Veranstaltern von oben herab behandelt“, sagte Jokisch. Sein Appell: Kein Steuergeld für Palatia Jazz.

Scherer machte das Angebot, für die fehlenden 1500 Euro, falls die Stiftung nicht einspringe, eine Patronatserklärung abzugeben, sprich, im Notfall selbst dafür aufzukommen. Auch das sah SPD-Mann Jokisch kritisch, weil ja immerhin noch 1500 Euro von der Verbandsgemeinde (VG) getragen werden müssten. Wolfram Bartz (CDU) sah die Investition als überschaubar an. Er meinte, Palatia Jazz sei eine gute Werbung für Dirmstein, und der Rat solle sich den Vertrag erst einmal genau anschauen. Diesem Vorschlag folgte das Gremium bei vier Gegenstimmen der SPD. Mit Vertretern der VG soll am 14. April über den Vertrag gesprochen werden.

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