Karlsruhe / Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Ärger über „Pfälzer Bahnhof“

So ganz rund läuft es am frische sanierten Gleis noch nicht.
So ganz rund läuft es am frische sanierten Gleis noch nicht.

Auf Gleis 101 kommen traditionell viele Züge aus der Südpfalz an. Es wurde für 6,3 Millionen Euro saniert, wird aber derzeit kaum genutzt.

Proper sieht es aus, das neue Gleis 101. Lang genug, damit auch mehrgliedrige Züge daran halten können. Die Bahnsteigkante ist höhengleich zur Ausstiegsebene der Züge, also barrierefrei zugänglich. Für sehbehinderte oder blinde Passagiere wurde ein taktiles Leitsystem am Bahnsteig eingelassen, das Bahnsteigdach erneuert und verlängert. Und: eine neue Beleuchtung sorgt für angenehmes Licht in den Abendstunden.

Aber all das ist derzeit noch nicht nutzbar. RHEINPFALZ-Leser Harald Poth aus Kandel hatte sich schon länger angewohnt, wenn er auf den Zug nach Stuttgart umsteigen muss, schon einen Zug früher zu fahren: weil er nach Ankunft an Gleis 102 in aller Eile quer durch den Hauptbahnhof spurten muss – bis zum entfernt liegenden Gleis 14. Wenn in der „Rushhour“ Massen die Unterführung fluten, wird es schon mal eng. Mit Beginn der Umbauarbeiten wurden zahlreiche Züge von den Gleisen 101 und 102 auf das benachbarte Durchgangsgleis 1 verlegt. Der Bereich in der Unterführung zwischen den Gleisen 101 und 102, auf der einen und Nachbargleis 1 auf der anderen Seite, ist ziemlich eng und wird teilweise versperrt von Fahrkartenautomaten. Zudem, so sagt Poth, sei an der schmalen Treppe von 101/102 oft kein Durchkommen. Für ihn ist überhaupt „unverständlich, dass die Feuerwehr das einst in der Form genehmigt hat.“

Fahrplanwechsel bei der Bahn war am 11. Dezember – erst zeitlich versetzt wurde das frisch sanierte Gleis 101 fertig. Fakt ist: auch nach Fertigstellung des neuen Gleises verkehren 33 von 35 Zügen vorerst eben nicht dort. Derzeit fahren werktäglich 35 Züge ab Karlsruhe Hauptbahnhof in Richtung Landau, davon 19 von Gleis 1, zwei von Gleis 101 und 14 von Gleis 102. Liegt das frisch sanierte Gleis also erst mal brach? So kann man es nennen: weil die Modernisierung des Bahnsteigs 101 erst nach dem Fahrplanwechsel fertig wurde, gilt für den Jahresfahrplan 2023 zunächst die Situation nach Stand wie im letzten halben Jahr.

Eine Bahnsprecherin konkretisiert: „Ziel ist es nun, den modernisierten Bahnsteig an Gleis 101 verstärkt zu nutzen und den Fahrplan dahingehend zu ändern“. Was heißt das? Es werde derzeit eine „Fahrplanänderung“ geprüft. Mit Beachtung von „Vorlauffristen für die Kommunikation und die Darstellung in den betrieblichen Systemen“ werde das dann zeitnah umgesetzt. Einen genauen Zeitpunkt nennt die Sprecherin nicht. Es wird dann wohl in den ersten Wochen des neuen Jahres 2023 soweit sein, so dass dann auch Gleis 101 „vermehrt genutzt wird“. Die Bahnsprecherin verbreitet Hoffnung: „Der kleine Fahrplanwechsel (Anm.d. Red.: im Juni müsse für eine solche Änderung aber nicht abgewartet werden“, sagt sie.

Bleibt der Ärger von Harald Poth bezüglich der Treppe, als Zugang zu den abseits gelegenen Gleisen 101 und 102. Viel zu eng sei diese. Und dazu komme in der Unterführung, dass Fußwege versperrt wären von Fahrkartenautomaten, sagt Poth. Das hat vor allem folgende Bewandtnis: jede Woche gebe es kurzfristige Verlegungen von Gleis 1 auf das benachbarte Pfalz-Gleis 102. Das sei dann für Leute, die nicht gut zu Fuß sind, immer eine hektische Angelegenheit, meint der Kandeler. Oft sehe er das erst, wenn er oben an Gleis 1 stehe. „Man fährt die Rolltreppe hoch und kann gleich wieder umkehren“, klagt Poth. Die Wegeführung hin zu den Gleisen 101 und 102 gleicht in Teilen eher „einer schmalen Schleuse“.

Die Stuttgarter Bahnsprecherin beschwichtigt bei diesem Punkt: „Wir sehen hier keinen Grund zur Veränderung. Eine Verbreiterung der Treppe zur Bahnhofshalle ist baulich nicht möglich“, sagt sie. Auch bezüglich der Treppe zu den Gleisen 101/102 weist sie Kritik zurück. Es seien der Bahn keine Behinderungen durch vor den Automaten anstehende Kunden bekannt. Aber sie verkündet dann noch einen weiteren Hoffnungsschimmer: Auch der Bahnsteig am Gleis 102 solle langfristig modernisiert werden, konkrete Pläne dafür gebt es aber derzeit noch nicht. Die Sanierung von Gleis 102 ist dann hoffentlich kein neuen Schildbürgerstreich. Das wird aber wohl erst dann spruchreif, wenn die direkt angrenzende Großbaustelle mit dem neuen „Intercity-Hotel“ fertig sein wird: dessen Hauptzugang liegt außen und ist nach Norden gerichtet – zum Bahnhofsvorplatz.

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