Kaiserslautern
Primark kündigt an, Kaiserslautern zu verlassen: Mitarbeiter über Schließungspläne informiert
Vor gut acht Jahren ist das „K in Lautern“ eröffnet worden. Das Bekleidungsgeschäft Primark ist dort seitdem der größte Laden – zum Start im März 2015 waren es rund 4700 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die braunen Einkaufstüten mit dem Logo des irischen Unternehmens sind längst fester Bestandteil des Stadtbilds.
In einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung wurde nun über die Schließungspläne informiert: „Heute ist ein schwieriger Tag, denn wir müssen Euch mitteilen, dass eine Anpassung unseres Filialportfolios an die veränderten Marktbedingungen notwendig ist.“ Die Rentabilität in den deutschen Filialen sei auf einem „inakzeptablen Niveau“. Weiter heißt es: „Von dieser geplanten Neuausrichtung des deutschen Standortportfolios sind unsere Stores in Gelsenkirchen, Krefeld, Frankfurt-Nordwestzentrum und Kaiserslautern und damit rund 420 Arbeitsplätze betroffen.“ Am Dienstag habe man die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen über die Schließungspläne aufgenommen.
Nicht alle Fragen können beantwortet werden
„Wir haben das Ziel, die Vereinbarungen, die in den Verhandlungen getroffen werden, so sozialverträglich wie möglich zu gestalten und euch – unsere Mitarbeitenden – dabei bestmöglich zu unterstützen“, schreibt Primark. Während des gesamten Prozesses, so kündigt Primark an, werde man „engen Kontakt zu den Bürgermeister*innen der jeweiligen Standorte sowie den Vermieter*innen der Einzelhandelsflächen halten“.
Abschließend heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter, das von Christiane Wiggers-Voellm, Geschäftsführerin von Primark Deutschland, und Benjamin Weidmann, Head of People and Culture, unterzeichnet wurde: „Wir sind uns bewusst, dass diese Nachricht viele Fragen aufwirft, die wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle beantworten können.“
Mitarbeiter wurden am Dienstagmorgen informiert
Beispielsweise die Frage der RHEINPFALZ an das Unternehmen, wie viele Mitarbeiter in Kaiserslautern aktuell beschäftigt sind. Eine Primark-Sprecherin äußert sich schriftlich: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Informationen zur genauen Anzahl der Mitarbeitenden in Kaiserslautern geben können.“ Im März 2015, zur Eröffnung, war von 240 festen Arbeitsplätzen die Rede, die von saisonalen Aushilfskräften unterstützt würden.
In anderen Primark-Filialen „planen wir die Verkaufsfläche zu optimieren, um den Bedürfnissen unserer Kunden besser gerecht zu werden“. Wo die Verkaufsfläche „optimiert“ wird oder die Größe unverändert bleibt, „planen wir derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen“, so die Mitteilung.
Centermanagerin: Das Aus ist noch nicht besiegelt
Die von der Schließung betroffenen Mitarbeiter sind laut der Unternehmenssprecherin „heute Morgen persönlich im Store informiert worden, nachdem wir den Gesamtbetriebsrat und die lokalen Betriebsräte über die Schließungspläne informiert haben“. Ob den Mitarbeitern Angebote gemacht werden, in anderen Primark-Stores weiterzuarbeiten, und ob es einen Zeitplan gibt, bis wann das Geschäft geschlossen werden soll, könne derzeit nicht beantwortet werden: „Die beiden Fragen werden Bestandteil der Verhandlungen mit den Gremien sein.“
Das Aus der Filiale in Kaiserslautern sei noch nicht besiegelt, sagt die Centermanagerin des „K in Lautern“, Sabine Friedrich, und verweist auf die Social-Media-Kanäle von Primark. Dort ist von einer möglichen Schließung die Rede und es heißt: „Wir möchten betonen, dass es sich derzeit nur um Pläne handelt und noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde.“ Friedrich und ihr Team stünden in engem Austausch mit dem Unternehmen: „In den Gesprächen geht es um die Zukunft im Objekt.“ Mehr will sie derzeit nicht sagen.
Einzelhandelsverband: „Ein Schlag für die Mall“
„Das wäre ein Schlag für die Mall“, sagt Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Mitte. Primark sei mit seinem Angebot an günstiger Kleidung ein Publikumsmagnet für die Mall. Und dazu deren größter Mieter, der sich über drei Ebenen erstreckt. „Das wäre dann ein riesiger Leerstand“, verdeutlicht Scherer einen weiteren Aspekt: „Da müsste man dann schon etwas finden, was hilft, die Mall wieder attraktiv zu gestalten.“ Schon lange im Gespräch sei ein Elektrofachmarkt, ein solches Angebot fehle derzeit in der Innenstadt.
Ziel müsse es sein, alles, was in der Innenstadt an Handel da ist und große Flächen belegt, möglichst zu bewahren, um sie als Einkaufsort interessant zu halten. Scherer: „Innenstädte zu beleben ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Aber bisher nur auf dem Papier.“
Stimmung und Stimmen zur Primark-Schließung aus der Fußgängerzone
Was Menschen in der Fußgängerzone zu den Schließungsplänen der Primark-Filiale sagen:
„Wir kommen oft hierher. Eine Schließung wäre schon schlimm für uns.“
„Ich bin nicht so der Primark-Typ. Dass Primark in Kaiserslautern zu macht, wäre für mich nicht schlimm.“
„Ich komme aus Kusel und wenn ich hier in Kaiserslautern bin, gehe ich auch in den Primark. Ich würde es schade finden, wenn er zu macht. Wenn man sieht, wie groß der Laden ist, sicherlich ein großer Verlust für die Mall.“
„Wir gehen selten in den Primark in Kaiserslautern. Wenn wir eine Filiale aufsuchen, dann in anderen Städten.“
„Eine Schließung fänden wir sehr schade. Wir gehen regelmäßig in den Primark.“„Es wäre traurig, aber kein Weltuntergang.“
„Wir gehen oft in den Primark. Meistens kaufen wir dann auch mehr, als wir eigentlich geplant haben.“
„Dass Primark in Kaiserslautern schließt, wussten wir nicht. Auf jeden Fall sehr traurig.“„In der Regel schauen wir uns im Laden nur um. Kleider kaufen wir meistens aber nicht.“