Kaiserslautern
Max Mutzke startet seine Tour im Kulturzentrum Kammgarn
Aus Liebe zur Kammgarn startete Max Mutzke seine „Colors“-Tour 2019 am Samstagabend im gut besuchten Kasino. Im Gepäck hatte der Mann mit dem Hut nicht nur sein neuestes Album „Colors“, er sprach sich auch für ein starkes Europa und eine bunte Gesellschaft aus. 400 Besucher feierten das über zwei Stunden lange Konzert (ohne Pause) frenetisch, und die Stimmung im Saal war so hochkarätig wie Mutzkes Band MonoPunk.
„Ich bin wahnsinnig gern in der Kammgarn. Ich bin verliebt in diesen Laden.“ Mit diesem Bekenntnis hatte Max Mutzke, ganz in Schwarz mit seinem Markenzeichen auf dem Haupt, sein Publikum schon von Beginn an in der Hand. Er verstand es aber auch vorzüglich, die Zuhörer zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Und gleichzeitig schüttete er zusammen mit seiner großartigen Band einen ganzen Eimer von Klangfarben über die Zuhörer.
Ein ganzes Jahr lang habe er sich zusammen mit seiner Band im Tonstudio eingeschlossen, um dieses Album zu produzieren. „Nichts haben wir heruntergeladen, wie es heutzutage üblich ist. Jeder Musiker war physisch anwesend“, versicherte er. Herausgekommen ist handgemachte Musik, die aus dem Bauch kommt. Der Schwarzwälder hat sich musikalisch neu erfunden, und gleichzeitig kehrte mit „Colors“ zu seinen Wurzeln zurück: zum Soul und Funk. Hip-Hop-Größen wie De La Soul, Warren G. Mary J. Blige oder Grandmaster Flash hat er in ein neues Gewand gesteckt, wie er erklärte. Seine Lauscher scheint er dabei weit aufgestellt zu haben. Denn orientiert hat er sich dabei an Soulgrößen wie Al Green, Marvin Gaye, James Brown oder Stevie Wonder.
Diesem Powerplay kann sich das Publikum nicht entziehen
Beispiel: „Augenbling“ von Seeed. Die fünfköpfige Band spielte mit einer fast maschinell anmutenden Präzision der Einsätze und der Dynamik paralleler Phrasen. Diesem Powerplay konnte sich kaum ein Zuhörer entziehen. Alle wippten und klatschten, und in ihren inspiriertesten Momenten konnte die Band den Eindruck kraftvoll vibrierender Geschlossenheit vermitteln. Auf hohem Niveau vereinigte sie essenzielle Elemente aus Soul, Funk und Jazz und mischte sie mit unzähligen musikalischen Effekten. Oft eingebettet in moderne Hip-Hop-Arrangements und Techno-Soul.
In fantastischer Form zeigte sich der 38-jährige Mutzke. Seine soulige Stimme klang wie von Sandpapier geraspelt. Mit hechelnder Blues-Diktion, heiseren Falsetto-Tönen, überschnappenden Nasallauten zu den monotonen Rhythmusketten seiner Kollaborateure und unablässigen Appellen brachte er das Publikum in Fahrt. Dabei schlug seine ungemein flexible Stimme Loopings, und er konnte sie vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum ekstatischen Rock-Crescendo hinaufschrauben, während er auf der Bühne hin und her lief wie ein Leichtgewichtsboxer. Das wirkte wie Dynamit. Vor allem aber brachte er seine Seele in die Musik.
Vera Klimm avancierte im Vorprogramm zum Publikumsliebling
Seine beiden Backgroundsänger Johannes Papilaja und Fontaine Burnett unterstützten ihn dabei gewaltig. Die gewitterhexenhaften Bass- und Drum-Attacken von Danny Samar und Tobias Held und die virtuosen Läufe von Maik Schott an den Keyboards klangen, als seien sie explodiert. Gerade Burnetts Riffs auf der Gitarre klangen wie zersplitterndes Glas. Das brachte die Menge ganz schön in Bewegung, und angestachelt von Mutzke, sangen die Hörer „Ohne dich“ – „bin ich nicht“ im Wechsel mit dem Frontman (aus „Zu dir komm ich heim“) lauthals mit. Diese Mäander waren wie Endlosschleifen und wollten fast gar nicht mehr aufhören. Das musste nicht unbedingt sein. Genau wie die schier endlose, gesungene Vorstellung jedes einzelnen Bandmitglieds in der halbstündigen Zugabe.
In seinem halbstündigen Vorprogramm begeisterte das Multitalent Vera Klimm mit makelloser, engelhafter Stimme. Dazu begleitete sich die Sängerin am E-Piano sowie auf der Gitarre. Mit Liebesliedern wie „Wenn du fliegen willst, dann mach dich leicht“ oder „Mein Herz schlägt für dich“, die sie im Wechsel mit dem Publikum sang, machte sie sich im Handumdrehen zum Publikumsliebling.