Kaiserslautern
Lego: Weltrekord in Günzburg aufgestellt
Martin Schild ist seit neuestem Bürgermeister. Die Stelle teilt er sich mit Timo Will aus Hamburg. Gemeinsam stehen sie einer Stadt vor, die es bis vor kurzem noch gar nicht gab: Einer Lego-Stadt im Minifigurenmaßstab. Sie steht im Legoland im bayerischen Günzburg und erstreckt sich auf einer Fläche von 130 Quadratmetern.
Gebaut haben sie Lego-Freunde aus ganz Deutschland sowie Besucher des Legolandes. Ganz vorne mit dabei: Die Mitglieder des Vereins Lauter Steine aus Kaiserslautern. „Wir haben durch unsere Dauerausstellung in der Gartenschau viel Erfahrung mit großen Projekten“, sagt Schild, der dem Verein vorsteht. Als dann vor fünf Monaten bei einem Stammtisch mit Lego-Deutschland davon berichtet worden sei, dass das Legoland einen Weltrekordversuch unternehmen wolle, haben die Lego-Freunde aus Kaiserslautern ihre Hilfe zugesagt.
Drei Monate Organisation
Der Zeitraum sei knapp bemessen gewesen. Innerhalb von drei Monaten haben die Kaiserslauterer gemeinsam mit der Stein Hanse, einem Lego-Verein aus Hamburg, dessen Vorsitz Timo Will innehat, das Projekt organisiert und konzipiert. „Wir brauchten ein einheitliches Straßensystem“, nennt Schild eine der Herausforderungen bei der Planung der weltgrößten Lego-Stadt im Freien. 1200 Lego-Pakete allein für die Straßen, 2000 Grundplatten und über eine Million Lego-Steine – die Zahlen des Projekts sind gewaltig. Eine der Vorgaben für den Weltrekord war, dass Aufbau und Ausstattung der Miniaturstadt einer realen Stadt ähneln müssen. Ein Supermarkt, eine Tankstelle, eine Schule und öffentliche Gebäude waren daher Pflicht. Die Kaiserslauterer, die in den vergangenen Jahren etliche Gebäude der Innenstadt für ihre Ausstellung nachgebaut haben, brachten hier nicht nur einiges an praktischem Können, sondern auch an Lauterer Exponaten mit, wie Schild berichtet. So steuerten sie unter anderem die Modelle der Lauterer Kerwe, des Lebenshilfeprojekts p300 mit Tankstelle und Supermarkt, Windräder sowie einen Bahnhof zur Stadt bei. Rund 500.000 Steine seien von der Pfalz nach Günzburg gereist.
Häuser, Landschaften und Grünflächen
Sieben Erwachsene, vier Kinder und zwei Ukrainer, die derzeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Kaiserslautern untergebracht sind, haben sich aus der Barbarossastadt beteiligt. Eine besondere Herausforderung wartete direkt zu Beginn: Eigentlich habe das Legoland die Fläche vorbereiten wollen, doch die bestellten Teile seien nicht geliefert worden. Also haben die Lauterer mit 200 Euro-Paletten den Untergrund gebaut, damit die geplante Stadt darauf entstehen konnte, wie Schild berichtet. Anschließend bauten sie noch 70 Häuser, dazu Landschaften und Grünflächen. „Da waren Gertrud Janneck und ihr Team am Werk, unser Grünflächenamt“, erzählt der stolze Bürgermeister.
Nicht nur das Verbauen, auch das Auspacken des Materials sei Schwerstarbeit gewesen. Vor allem bei den Temperaturen, die beim Start des Projekts Ende August herrschten. Die Hitze habe regelmäßig ihren Tribut gefordert. So verzogen sich Grundplatten über Tag und bereits verbaute Teile lösten sich wieder. „Aber wir haben in der Hitzeschlacht eine super Teamleistung erbracht“, sagt Schild. Bei der ganzen Aktion wurden die Lego-Bauer von einem Kamerateam des Senders Kabel eins begleitet. Voraussichtlich am 25. September wird die Sendung im Format „Abenteuer Leben“ zu sehen sein, weiß Schild.
Neben den Lego-Freunden aus Kaiserslautern unterstützten weitere Lego-Vereine aus ganz Deutschland das Projekt. Sie alle sind Mitglieder der AFOL Community, der Adult Fans of Lego, was auf deutsch so viel bedeutet wie „erwachsene Fans von Lego“. Etwa 100 von ihnen aus acht Communities aus Deutschland und Österreich haben den Park nach dessen Angaben beim Weltrekordversuch unterstützt.
Zudem durften auch die Besucher des Legolandes selbst Hand anlegen. Zwei Wochen lang konnte jeder, der das Legoland besuchte, an der Stadt mitbauen und Wohnhäuser oder Gärten erschaffen.
Der Weltrekord ...
Am Samstag, 10. September, hat das Rekord-Institut für Deutschland den Weltrekord, den es so bisher noch nicht gab, offiziell abgenommen. „Wir haben es locker geschafft“, sagt Schild, der natürlich nach Günzburg gereist war. Zielvorgabe waren 500 Häuser, geworden sind es 1566. Laut Legoland sind rund 1,8 Millionen Steine verbaut worden. Schild hofft, dass für die nächste Ausstellung auf der Gartenschau einige der für den Weltrekord gebauten Exponate als Leihgabe dabei sein werden. Für den Verein sei die Aktion eine tolle Erfahrung gewesen: „Wir sind über unsere Grenzen hinausgegangen, aber gestärkt daraus hervorgegangen“, fassten es die Vereinsmitglieder zusammen.