Sommerinterview
Klinik-Geschäftsführer hofft dank Impfungen auf weniger Intensivpatienten
Herr Förster, bei einem Interview mit dem Krankenhaus-Geschäftsführer kommt man um ein Thema nicht herum: Corona. Wie ist die Lage?
Die Lage ist in der Zwischenzeit schon wieder etwas angespannt. Die Inzidenz außerhalb des Klinikums steigt an, aber auch an der Belegung auf den Covid-19-Stationen erkennen wir leider einen Trend nach oben. Allerdings hat uns Corona nicht ganz so im Griff wie in den zurückliegenden eineinhalb Jahren. Die Belastung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war in dieser Zeit sehr hoch. Da wünscht man sich für alle ein gewisses Durchschnaufen. Auch wegen der Urlaubszeit haben wir das in den vergangenen Wochen leider nicht wirklich geschafft.
Was erwarten Sie denn vom Herbst?
Der Herbst wird dazu führen, dass es in den Krankenhäusern wieder mehr Corona-Patienten gibt. Ich hoffe aber, dass durch das Impfen die Anzahl der Patienten, die auf die Intensivstationen müssen, wesentlich geringer sein wird. Dann können wir das normal abarbeiten. Wir kennen ja auch Grippewellen. Irgendwann müssen wir akzeptieren, dass Corona zu unserem Leben dazugehört. Vor diesem Hintergrund wäre es wichtig, dass wir noch mehr Menschen vom Impfen überzeugen. Sich nicht impfen zu lassen, im schlimmsten Fall aber ein Intensivbett zu belegen, das man für andere braucht, finde ich nicht sozial.
Wie ist die Impfquote im Klinikum?
Das ist schwer zu sagen, weil wir nicht wissen, wer von unseren Mitarbeitern beim Hausarzt oder im Impfzentrum geimpft wurde. Wir wissen nur, was wir verimpft haben. Aber ich denke, dass wir mittlerweile bei einer Quote von 85 Prozent sind.
In anderen Ländern wird eine Impfpflicht für Pflegepersonal diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Das muss der Gesetzgeber beschließen, nicht der Arbeitgeber. Neu ist es aber nicht: Im Krankenhaus darf man beispielsweise nur in der Kinderklinik arbeiten, wenn man gegen Röteln geimpft ist.
Wurde darüber so intensiv diskutiert wie über die Corona-Impfung?
Das ist so lange her, dass ich mich nicht erinnere. Aber Krankheiten wie Masern oder Röteln waren bekannt. Nun haben wir es mit einer neuen Krankheit zu tun, da gibt es natürlich viel mehr Ängste, was die Impfung betrifft. Dazu die Fragen, ob man sich überhaupt infiziert, und falls ja, was dabei herauskommt. Das ist ein Unterschied. Aber was in diesem Zusammenhang interessant ist: In unserer Corona-Taskforce berichten unsere Mediziner, dass die meisten Corona-Patienten, die bei uns stationär behandelt werden, inzwischen Ungeimpfte sind. Auch Geimpfte kann es so treffen, dass sie ins Krankenhaus müssen oder gar auf die Intensivstation, aber die Gefahr ist wesentlich geringer.
Sind Inzidenzen vor diesem Hintergrund noch der richtige Maßstab, um öffentliches Leben einzuschränken?
Ich glaube nicht, dass das noch der richtige Maßstab ist. Das macht man bei der Grippe ja auch nicht. Ein Teil der Entscheidungsgrundlage müssen die Krankenhauseinweisungen sein. Wenn im Krankenhaus nur wenige Corona-Patienten sind und noch viel weniger auf der Intensivstation, sodass es nicht zur Überlastung kommt, dann sollte man relativ viel zulassen, insbesondere bei denen, die nach den „3G“ leben. Wir müssen zurück zu mehr Normalität, bei aller Vorsicht, die ich auch für unser Klinikum präferiere.
Gab es in der Pandemie einen Zeitpunkt, an dem Sie fürchteten, das Patientenaufkommen nicht mehr bewältigen zu können?
Nein, wir hätten sicherlich Wege gefunden. Auf Initiative des Ministeriums hat sich zu Beginn der Pandemie eine Allianz der Kliniken in der Westpfalz geformt, so dass wir die Möglichkeit hatten, Patienten in andere Häuser zu verlegen und umgekehrt. Diesen Verbund der Kliniken begrüße ich nach wie vor ausdrücklich. Das hat dazu geführt, dass es nicht zu einer Überlastung kam. Anfangs wurde mit wenig Sachverstand über Notkrankenhäuser diskutiert. Eine Halle habe ich gleich hingestellt, Geräte vielleicht auch, ich brauche aber Fachpersonal, das die Geräte bedient. Das wäre nicht da gewesen.
Für das Pflegepersonal gab es vor allem Applaus, inzwischen hat sich auch sonst etwas getan. Arbeitsbedingungen und die Bezahlung von Pflegekräften müssen sich aber weiter verbessern, oder?
Natürlich muss sich das weiter verbessern. In den zurückliegenden 20 Jahren war die Devise, im Gesundheitswesen zu sparen. Die Pandemie hat manchem die Augen geöffnet. Man kann aber nicht alles auf einmal ändern. Es hilft nicht, wenn die Politik sagt, ihr könnt so viele Pflegekräfte einstellen, wie ihr braucht. Es gibt dieses Personal ja gar nicht. Das lässt sich nur langfristig ändern. Da hilft es auch nicht, Pflegepersonaluntergrenzen einzuführen, wissend, dass der Markt nichts hergibt. Also muss ich mindestens drei Jahre warten, bis ich weitere Pflegefachkräfte ausgebildet habe. Mehr Personal ist das eine, parallel müssen die Menschen im Gesundheitswesen vergleichbar viel verdienen wie in der freien Wirtschaft. Ich würde mir wünschen, dass man Entscheidungen mit Weitblick trifft und in zehn Jahren diskutiert, ob es die Richtigen waren.
Haben denn Pflegekräfte oder Ärzte wegen der Belastung während der Corona-Zeit das Haus verlassen?
Natürlich gibt es den einen oder anderen, der aufgehört hat. Manche wechseln in Teilzeit oder tatsächlich die Stelle, aber das gibt es das ganze Jahr über. Das mag sich während der Corona-Zeit etwas verstärkt haben. Es fällt dann äußerst schwer, diese Stellen wieder zu besetzen, insbesondere in der Pflege. Wir sprechen hier von Berufsgruppen, die sieben Tage die Woche arbeiten, an Wochenenden, an Feiertagen, auch Nachtschichten. Das ist nicht einfach fürs Familienleben.
Wegen Corona wurden Behandlungen zurückgestellt, um Kapazitäten auf Intensivstationen freizuhalten. Wie wirkt sich das auf die wirtschaftliche Situation des Klinikums aus?
2020 sind Ausgleichszahlungen geflossen. Das hat dazu geführt, dass wir das Jahr mit einem positiven Betriebsergebnis abschließen konnten. Diese Ausgleichszahlungen gibt es aktuell nicht mehr. Im neuen Jahr können wir über den Ganzjahresausgleich mit den Kassen verhandeln, aber das sind eben Verhandlungen. Für 2021 kann ich also noch kein Ergebnis prognostizieren.
Gerade kleine Häuser haben es schwer. Das evangelische Krankenhaus in Zweibrücken hat geschlossen, die Klinik in Rodalben schließt. Sind die kleinen Standorte des Westpfalz-Klinikums auch in Gefahr?
Um solchen Gefahren begegnen zu können, sind die Häuser in den 90er Jahren in den Verbund gegangen. Für kaum ein Haus wird es eine hundertprozentige Gewähr geben, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber wir haben ein Gesamtbudget für die vier Standorte, damit versuchen wir zurecht zukommen. Es wäre nicht opportun, jeden Standort separat zu betrachten. Wir sehen bei Entscheidungen immer den Gesamtkonzern. Aber man muss schauen, welche Bestrebungen es seitens der Politik gibt, die Anzahl der Krankenhäuser weiter zu reduzieren.
Stehen vor diesem Hintergrund Veränderungen an?
Wer im Krankenhausbereich nicht ständig überlegt, wie etwas verbessert werden kann, wird es schwer haben, am Markt zu bestehen. 2017 hatten wir im Masterplan entschieden, in Großgeräte zu investieren, um einen negativen Trend umzukehren. Das war der richtige Weg. Und wenn es die Vorgaben zu Notfallstrukturen erfordern, dass Chirurgie und Innere Medizin in einem Haus vorgehalten werden müssen, dann sind wir gezwungen, die Innere von Rockenhausen nach Kirchheimbolanden zu verlegen, sonst bestünde die Gefahr, dass es bald beide Häuser nicht mehr gibt. Der Beschluss ist gefasst. Wenn die baulichen Voraussetzungen gegeben sind, wird das umgesetzt. Auch bei Chefarztwechseln muss man schauen, wen bekommt man und welche Qualifikationen bringt er mit, mit denen man Marktanteile holen kann.
Sie investieren in den Umbau von Haus 8. Wie ist der Stand der Dinge?
Das Gebäude ist entkernt und befindet sich im Rohbau. Wir haben bereits mit den Installationen begonnen und sind im Prinzip im Zeitplan. Aber bei einem starken Regenschauer vor einigen Wochen ist das Wasser vom Dach bis ins Untergeschoss gelaufen. Im Rohbau war das nicht schlimm. Betroffen war im Untergeschoss aber auch ein fertiggestellter Bereich, der bereits mehr oder weniger bezugsfertig war. Da sind Gipskartonplatten und die Decke in Mitleidenschaft gezogen worden. Was das kosten wird, kann ich aktuell nicht abschätzen. Zu Verzögerungen wird es aber nicht kommen. Ist alles abgeschlossen, hat der Bau rund 27 Millionen Euro gekostet und wir haben schöne Zweibettzimmer mit Nasszelle, wie es für ein Krankenhaus mittlerweile notwendig ist. Inzwischen können wir gedanklich an die Planung von Haus neun gehen, wo das Gleiche umgesetzt wird.
Auch die WLAN-Ausleuchtung der Klinik sollte verbessert werden ...
Das ist abgeschlossen. Die neue Telefonanlage ist an den Außenstandorten schon installiert, in Kaiserslautern haben wir Ende August damit begonnen, das Haus für Haus umzusetzen. Für die Digitalisierung gibt es den Krankenhauszukunftsfonds des Bundes, der für die Häuser enorme Summen zur Verfügung stellt. Dankenswerterweise wird dieser durch das Land ausfinanziert. Nur der Zeitraum, um die Mittel abzurufen und Projekte umzusetzen, ist kurz bemessen. In den vergangenen Monaten waren dazu gar nicht die Firmen da. Wir gehen aber davon aus, in den nächsten drei Jahren 8,7 Millionen Euro in die Digitalisierung investieren zu können. Das Geld wird in Software und neue Geräte fließen.
Was steht sonst gerade an den Außenstandorten an?
In Kirchheimbolanden baut ein Investor ein Gebäude für ein Medizinisches Versorgungszentrum an. Und wir sind mittendrin bei der räumlichen Veränderungen, um perspektivisch die Klinik für Innere Medizin aus Rockenhausen zu verlagern. In Kusel haben wir innerhalb des Hauses die Endoskopie umgestaltet und einen zusätzlichen Magnetresonanztomografen eingebaut, inklusive der Räume. Derzeit läuft dort die Endplanung der Dachsanierung. Die wird rund 1,5 Millionen Euro kosten.
Nicht alle Projekte werden Sie noch zu Ende führen können. Zum 30. September 2022 gehen Sie in Ruhestand. Was wünschen Sie sich bis dahin?
Wünschen würde ich mir, dass wir aus der Pandemie gut herauskommen, dass wir unsere Stellen ohne Probleme nachbesetzen und darüber hinaus weitere Mitarbeiter einstellen können, damit es für unsere Mitarbeiter im Alltag etwas leichter wird. Auch, dass die Baumaßnahmen wie geplant vorankommen. Fertig ist man natürlich nie. Das geht nicht in einem Betrieb, der sich ständig weiterentwickelt.
Während der Pandemie haben viele Menschen neue Hobbys entdeckt: Gärtnern, Kochen, Wandern. Sie auch, vielleicht für den Ruhestand?
Nein, ich habe kein neues Hobby entdeckt. Aber in den nächsten Monaten werden wir umziehen, da ist Gartenarbeit dann tatsächlich etwas, was dazukommen wird. Dazu hatte ich bislang keine Gelegenheit.
Kehren Sie Lautern den Rücken?
Nein, wir ziehen aus der Innenstadt ins Grübentälchen, ein Haus mit Garten. Je nachdem, wie die Baumaßnahmen vorankommen, wird der Umzug im Oktober über die Bühne gehen.