Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kabarett-Premiere im Kulturgarten: Rasanter Auftritt von Philipp Weber und Severin Groebner

Legte auf der Kulturgarten-Bühne der Kammgarn ein immenses Tempo hin: der Kabarettist Philipp Weber.
Legte auf der Kulturgarten-Bühne der Kammgarn ein immenses Tempo hin: der Kabarettist Philipp Weber.

Im Kulturgarten der Kammgarn gibt es nicht nur gute Live-Musik, sondern auch anspruchsvolles Kabarett. Gleich die erste Ausgabe davon präsentierte mit Severin Groebner und Philipp Weber am Freitagabend einen ebenso geistreichen wie unterhaltsamen Doppelpack des Genres.

Um es vorweg zu sagen: Politische Seitenhiebe und die Erwähnung des Corona-Virus blieben weitgehend außen vor. Es gibt noch andere Themen, über die sich trefflich räsonieren lässt. Das (Alltags-)Leben an sich zum Beispiel, das die Kabarettisten auf ihre Weise unter die Lupe genommen und künstlerisch aufbereitet haben.

Dass diese Aufbereitung mehr ergeben kann als bloße Worte, bewies Severin Groebner. Mit Lesungen eigener Texte, wirkungsvoll umgesetzten Solo-Sketchen und dem Vortrag von Eigenkompositionen zur quadratischen E-Gitarre ließ der Österreicher und Wahl-Frankfurter keinen Moment ungenutzt. Stets transportiert mit dem, was man als „Wiener Schmäh“ bezeichnet, widmete sich der in Wien geborene Künstler charmant- augenzwinkernd mit einer Prise schwarzem Humor Auffälligkeiten wie ungewöhnlichen deutschen Ortsnamen (Erkelenz erinnere ihn an etwas zwischen Exzellenz und den Namen einer Krankheit) und „Rentnern auf E-Bikes“ (so ein Liedtitel).

Dazu kamen ein philosophisches Partygespräch zur Frage, ob es wohl im All intelligentes Leben gibt, eine Darbietung über die Vergesslichkeit und das Verlesen eines „noch unfertigen“ humorigen Drehbuchs, in dem etwa in „Fitzcarraldo“-Anlehnung „ein Berg über ein Schiff“ gezogen“ wird.

Nicht zuletzt, als ein Höhepunkt, entlarvte der vielfach mit Kleinkunstpreisen ausgezeichnete Groebner hohle Werbesprüche in mehreren Szenarien: „Taxi-Gutscheine – das passende Geschenke zu allen Gelegenheiten.“ Echt jetzt? Auch als Aufmerksamkeit für die Partnerin nach heißer Liebesnacht? Das Publikum hatte augenscheinlich seinen Spaß und honorierte die kurzweilige Show mit anhaltendem Applaus.

Über Zukunft der Menschheit philosophiert

Auf mindestens gleichem Niveau, aber mit einem Tempo, als hätte er vorm Auftritt mehrere doppelte Espressi konsumiert, gestaltete Philipp Weber einen atemberaubenden Auftritt. Das Thema des aus dem unterfränkischen Amorbach stammenden Kabarettisten drehte sich vor allem um die Zukunft der Menschheit.

Wie wird sie sein? Wie werden wir leben und was ist schon erkennbar? So genau kann das auch der studierte Naturwissenschaftler und ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Kabarettist nicht wissen. Aber er hat da so eine Ahnung, dass Smart Homes, Laubbläser und Grünkohl-Smoothies eine Rolle spielen könnten. Weber thematisierte „intelligente Toiletten“ in Japan und Fortschritte in der Medizin ebenso wie mathematische Formeln, die in autonom fahrenden Autos in kritischen Situationen ethisch „korrekte“ Entscheidungen treffen sollen. Mehr Aktualität geht derzeit wohl kaum.

Mit Publikum stets in Kontakt

Weber tat all das nicht etwa oberflächlich, sondern gerade durch Tempo und Intensität seines Auftritts drang er mit den „ernsteren“ Inhalten tief ins Publikum ein. Dabei hielt er immer Kontakt mit jenen vor der Bühne, sprach auch mal freundlich Personen an. Kabarett hautnah.

Nicht nur inhaltlich, auch sprachlich begab sich Weber auf höheres Niveau. Sein Bühnenprogramm dürfte derzeit wohl das einzige sein, in dem Begriffe wie „QR-Code“ und „Ludditen“ gleichzeitig auftauchen, ohne dass es überladen wirkt.

Das hat auch seinen Grund. Webers kabarettistisches Zukunfts-Programm verhielt sich nämlich nicht so wie jene Ludditen genannten Maschinenstürmer, die einst in England Webstühle aus Angst um Arbeitsplätze zerstörten. Elegant erläuterte er, ganz Akademiker, Zusammenhänge, zitierte Studien, erklärte auch mal einen Fachbegriff, sah vor allem Dingen nicht alles in der Zukunft tiefschwarz. Dafür gab’s einmal mehr reichlich Applaus.

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