Betze-Geflüster RHEINPFALZ Plus Artikel Heimspiel für Alexander Bugera

Alexander Bugera als Co-Trainer der Profis.
Alexander Bugera als Co-Trainer der Profis.

Er kennt jede Ecke im Stadion. Die Trainerbank, die Arbeitsräume, jeden noch so versteckten Winkel und sogar die Gästekabine – „da habe ich schon mal einen Sieg mit Duisburg gefeiert“, gibt Alexander Bugera verschämt zu und wechselt dann schnell das Thema. Auf dem Fröhnerhof kennt der 41-Jährige jeden Grashalm und jeden Container. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Westkurve einen feiert, der Betze bebt. Und wie gespenstisch es sein kann, wenn das Stadion fast leer ist. Das kennt er aus seiner Zeit als Regionalligaspieler für die U23. Wenn Alexander Bugera als U21-Coach sein Trainerbüro auf dem Fröhnerhof bezieht, er für eine engere Verzahnung zwischen zweiter Mannschaft und Profis sorgen soll, schließt sich ein Kreis, der weit zurück in seiner Vergangenheit gestartet ist.

Bei den Bayern

Der Oberpfälzer als 16-Jähriger zum FC Bayern München. War mit 48 Länderspielen eines der wenigen Toptalente, die eines der begehrten acht Zimmer im Nachwuchsleistungszentrum der Bayern bekamen. David Jarolim und Christian Saba wohnten mit ihm im Internat. Viele Jahre später, nach erfolgreichen Zeiten als Fußballprofi, in denen er mit zwei Vereinen dreimal in die Bundesliga aufgestiegen ist, beendet er seine Karriere und startet als Trainer. Der anderen Trainern einiges voraus hat: Er weiß, wie es sich anfühlt, Profi zu sein und zu werden, wie es ist, von daheim wegzugehen, seinen eigenen Weg zu gehen.

Noch mal Erste Liga

Wie seiner aussieht, wusste „Bugi“. Er spürte, dass er mit 29 Jahren noch mal wechseln, von Duisburg nach Kaiserslautern gehen wollte. „Ich wollte wissen, wie es ist vor 30, 35.000 Zuschauern zu spielen, wollte mit dem Verein aufsteigen, noch mal Erste Liga spielen.“ Sechs Jahre lang schnürte er die Schuhe für die erste Mannschaft des FCK, wechselte dann in die zweite. 2015 beendete er seine Karriere, um als Trainer klein anzufangen. Die C-Lizenz hatte er in der Tasche, weil er sieben Jahre am Stück Profi war. Die B- und A-Lizenz erarbeitete er sich in seiner U23-Zeit. Dann coachte Bugera die U13. Es war „kein einfacher Schritt für einen Profi“, wie er zugibt. Aber er hörte auf Stefan Kuntz, der die Vision hatte, dass der FCK auch junge Trainer ausbilden könnte.

Jahrgang der Talente

„Es war ein sensationelles Jahr. Ich hatte einen super Jahrgang, unseren heutigen U17-/U19-Jahrgang. Ganz viele sind nach Leipzig, nach Stuttgart, Schalke. David Lelle und Luis Klein wurden U-Nationalspieler. Sieben acht Spieler davon sind jetzt noch in der U19 als junger Jahrgang von Oli Schäfer“, schwärmt er heute von einer Zeit, die ihn prägte.

Fünf Spieltage vor Saisonschluss 2015/16 musste „Bugi“ als Retter ran. Er übernahm die U17 in der Bundesliga, rettete Jungs wie Flavius Botiseriu, Torben Müsel, Toni Jonjic und Paul Will durch vier Siege vor dem Abstieg. Gewann unter anderem das Derby gegen die Spitzenmannschaft Mainz 05, wo Lennart Grill im Tor stand.

Herr Bugera

Er trainierte dann den 2000er-Jahrgang. Und nach der U17 übernahm er die U19 von Gunther Metz, den er sehr schätzt. „Weil Feuer in seinem Training war, Leidenschaft, weil er viele Talente rausgebracht hat.“ Bugi trainierte jetzt die Jahrgänge, die er schon von früher kannte. Und erlebte Geschichten, die er nicht vergessen wird. Wie die Fahrt mit der U19 im DFB-Pokal mit dem Linienbus nach Rostock. Seine Schützlinge, die ihn je nach Jahrgang „Alexander“, „Herr Bugera“ oder „Bugi“ nennen dürfen, spüren, dass er sie versteht.

„Mein Vorteil ist, dass ich das alles erlebt habe als Spieler. Ich weiß, wie das ist im Internat, mit Schule, Abholen mit Bussen. Ich hab’ eine Tochter, die auch in dem Alter ist.“

Keine Ambitionen

Als Jeff Strasser Trainer wurde, fragte der Verein an, ob Bugera nicht Co-Trainer bei den Profis werden will. Er wollte erst nicht. „Ich bin eigentlich nicht der, der Co-Trainer sein will. Ich bin Cheftrainer, bin als Person sehr stark, will der Mannschaft was mitgeben.“ Der ehemalige Profi dachte nach, setzte sich auf die Bank, erlebte die Euphorie im Stadion beim 3:0-Sieg gegen Greuther Fürth und unterschrieb als Co-Trainer. Er blieb bei Michael Frontzeck, machte es noch mal für Sascha Hildmann, „Lauterer, Herzblut“. Beim Wechsel auf Boris Schommers erklärte er noch mal, dass er lieber wieder zurück ans Nachwuchsleistungszentrum will, es gut findet, wenn Trainer und Co-Trainer als Team kommen.

Auf Erfahrungskurs

Bugera wurde Jugendcheftrainer, begleitete die Jugendteams und Trainer und gab ihnen Tipps. Drei, vier Wochen U13, 14, 15, 16. Dann übernahm er die U16, weil deren Trainer beruflich zu stark eingespannt war.

Das größte Talent

„Für mich ist es der größte Erfolg, wenn ich Spieler begleitet habe und die ihren Weg gemacht haben. Wenn ich jemanden wie Anas Bakat sehe, den ich in der U16, U17 trainiert habe, dann macht das Spaß.“ Das für ihn größte Talent, das er bisher begleitet hat, war Oliver Batista Meier, den er damals als 15-Jähriger in die U17 holte und der jetzt bei Bayern München spielt. Inzwischen wandern seine U13-Jungs von damals Richtung Profibereich. Mit den jungen Spielern, die nicht im Profikader waren, hat er die letzten Wochen gearbeitet. Am Samstag schaut er seinen Talenten zu. Coronabedingt im Fernsehen. Und freut sich darauf, sie bald wieder zu sehen und vorzubereiten auf die nächsten Schritte, die er selbst schon gegangen ist.

Maria Huber
Maria Huber

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