KAISERSLAUTERN
Fusion: Volksbank Kaiserslautern zieht die Reißleine
„Da für die erfolgreiche Umsetzung einer Verschmelzung ein maximal breiter Konsens von entscheidender Bedeutung ist und sich dieser zum jetzigen Zeitpunkt nicht belastbar abzeichnet, haben die Vorstände und Aufsichtsräte der beiden Institute mit großem Bedauern beschlossen, die Gespräche nicht fortzuführen“, heißt es dazu in der gemeinsamen Erklärung.
Beide Banken setzten ihren erfolgreichen Weg jeweils eigenständig weiter fort und blieben in guter Nachbarschaft verbunden. Die erfolgreiche Kooperation bei Themen wie Nachhaltigkeitszertifizierung, Mitglieder-Programmen oder im Kreditgeschäft werde fortgesetzt beziehungsweise ausgeweitet, so die Verlautbarung.
Was sich zunächst einmal als gemeinsamer Erkenntnisgewinn liest, getragen von den Vorständen und Aufsichtsräten beider Banken, war am Ende eine Entscheidung, die bei der Volksbank Kaiserslautern gefallen ist. Das Vorstandsmitglied der Volksbank Kaiserslautern, Alexander Kostal, bestätigte gegenüber der RHEINPFALZ, dass die Volksbank Kaiserslautern die Reißleine gezogen und die Fusion zu den Akten gelegt hat.
Kostal war zusammen mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Peter Kullmann und Karlheinz Stemler lange Zeit Verfechter der Fusion. Er sah, wie er gestern auch im RHEINPFALZ-Gespräch verdeutlichte, in einem Zusammenschluss der beiden Genossenschaftsbanken auf Dauer einen deutlichen strategischen Mehrwert. Dafür war er bereit, Zugeständnisse gegenüber der VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau zu machen, wie der juristische Sitz in Bad Bergzabern.
Kostal: Zwei Themen entscheidend
Die Verlagerung des juristischen Sitzes in die Kurstadt, ein Schaufensterthema, wie Kostal es gerne nennt, wurde nicht von allen Beteiligten so positiv gesehen, auch nicht innerhalb des fünfköpfigen Vorstands und des Aufsichtsrats der Volksbank Kaiserslautern.
Für Kostal sind zwei Themen entscheidend gewesen, die die Volksbank veranlasst haben, den Kurs zu ändern. Unterschiedliche Philosophien, die sich im Verlauf der Gespräche mit der VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau gezeigt haben und die Frage, wie breit die Zustimmung in der Vertreterversammlung der Volksbank zu der Fusion werden würde. Die Vertreterversammlung sollte ursprünglich am 1. Oktober stattfinden.
RHEINPFALZ-Informationen nach war die VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau in den Gesprächen mehr von Marke, Image und Außenauftritt getrieben, die Volksbank Kaiserslautern dagegen mehr von Effizienz und Kostenbewusstsein. Zwei Philosophien, die sich laut Kostal hätten ergänzen können, aber sich auf dem Weg zur Fusion als Problem herausgestellt haben. Es fehlte laut Kostal auch an Wahrnehmung bei der VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau für die Befindlichkeiten bei der Volksbank Kaiserslautern.
Kostal erwartete bei der Vertreterversammlung zwar eine Zustimmung zu der Fusion in der Größenordnung der nach der Satzung erforderlichen 75 plus x Prozent. Das hätten Abfragen der Volksbank bei den 330 Vertretern gezeigt, die die 33.000 Mitglieder der Genossenschaftsbank repräsentieren. Für eine Transaktion dieser Größenordnung wäre die Quote für ihn aber zu niedrig gewesen. Es hätten schon 95 Prozent plus x an Zustimmung sein müssen.
Ganz überraschend kam offenbar das Ende der Fusion nicht. Kostal berichtete davon, dass graue Wolken über der Fusion bereits vor acht Wochen aufgezogen sind. Bei der Aufsichtsratssitzung der Volksbank Kaiserslautern am Dienstag vergangener Woche, der eine Aufsichtsratssitzung am Tag darauf bei der VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau folgte, fiel das Votum gegen die Fusion einstimmig aus, wie auch im Vorstand der Volksbank.