Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerungen an Pfalztheater-Star Werner Wegener

Werner Wegener (1923−2001) war jahrzehntelang ein Liebling des Pfalztheater-Publikums.
Werner Wegener (1923−2001) war jahrzehntelang ein Liebling des Pfalztheater-Publikums.

„Bei einem guten Schauspieler“, so stellte der Aphoristiker Werner Mitsch fest, „spielt die Rolle keine Rolle“. Die Sentenz des produktiven Sprüche-Lieferanten umreißt aufs Beste die Erinnerung des pfälzischen Theaterpublikums an den wunderbaren Werner Wegener. Selbst zwei Jahrzehnte nach seinem Tod ist er im Gedächtnis der Zuschauerinnen und Theaterbesucher präsent wie eh und je. Morgen wäre er 100 Jahre.

Eine derartige Zuneigung erringen ausschließlich die lebensprallen, saft- und kraftvollen Erzkomödianten, die sich auch für Neben- und Episodenrollen nicht zu schade sind. Wegeners Spiel wirkte immer mühelos, wie nebenbei, als sei er zufällig auf die Bühne des Lauterer Pfalztheaters gestolpert. Er war ein unwiderstehlicher Sympathieträger, der sich schnurstracks ins Herz des Auditoriums spielte.

Wenn der schauspielende Sänger an die Rampe trat, schien gänzlich vergessen, wie viel Arbeit und Anstrengung die Bühnenkunst ihren Dienern abverlangt. Die leichte Muse entfaltet ihre erlösende Kraft nur dann, wenn sie von ihren Interpreten nicht auf die leichte Schulter genommen wird. Werner Wegener füllte nicht nur das Fach des Opernsängers mit Verve und Hingabe aus, sondern gefiel auch in Operette und Musical.

Schwerarbeiter im Dienst der leichten Muse

In Worms geboren, kam Werner Wegener 1956 ans Pfalztheater - und gehörte offiziell 27 Jahre zum Ensemble. In dieser Zeit brachte er es auf sage und schreibe 3400 Vorstellungen. Seine erste Solopartie hatte er in der Operette „Pfälzer Wein“ des einstigen Pfalzopern-Kapellmeisters Walter Triebel. Allein als trinkfreudiger Müllkutscher Doolittle in „My fair Lady“ stand er gut 150 Mal auf der Bühne am Fackelrondell.

Er war der korrupte Bürgermeister in Millöckers „Gasparone“, der großspurige Dorfmonarch in Suppés „Banditenstreichen“ und deren kussfreudiger Amtskollege in Abrahams „Viktoria und ihr Husar“. Man sah ihn als Jupiter in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“, geplagten Librettisten in Donizettis „Viva la Mamma“ und alten Baron in „Wie einst im Mai“ von Walter Kollo.

Zwischen Opern-Melodram und Operetten-Tralala

Natürlich waren auch der korrupte Baron Weps im „Vogelhändler“ und der Gesandte Mirko Zeta in der „Lustigen Witwe“ bei ihm bestens aufgehoben. Das sind allesamt Figuren zwischen Skurrilität und Herzlichkeit, die er mit operettengemäßer Grandezza ausstattete. Sein warmer Bariton, zuweilen auch eine beeindruckende Bassstimme gingen ins Ohr und das Pfalztheaterpublikum spendete ihm regelmäßig Szenenapplaus.

Unvergessen sein verliebter Domkapellmeister im „Schwarzwaldmädel“, der Berliner Rentier Pannecke in „Frau Luna“, der Dr. Cajus in den „Lustigen Weibern von Windsor“, der geprellte Ehemann in „Boccaccio“. Ein herrliches Vagabunden-Duo gab er 1976 gemeinsam mit Werner Nesseler in Aubers „Fra Diavolo“. Drei Jahre später gehörte er mit Annelies Mücke zu den genasführten Honoratioren im „Opernball“ von Heiberger. Ein Auftritt als Gefängniswärter Frosch in der „Fledermaus“ kostete den Mimen sogar vier Zähne, weil die Handschellen des inhaftierten Alfred klemmten.

Mundart-Rollen auf der Sprechbühne

Aber da war auch der jüdische Gemüsehändler in „Cabaret“, dem Wegener die ganze Verletzlichkeit des bedrängten kleinen Mannes beigab. Regisseur Axel B. Werner besetzte ihn als nachgerade grotesken Mesner in Puccinis „Tosca“, Intendant Wolfgang Blum ließ ihn den flandrischen Deputierten im „Don Carlos“ spielen. Nicht zu vergessen sein Erbförster Kuno im „Freischütz“.

Weil der Sänger aus Rheinhessen naturgemäß ein bühnenreifes Pfälzisch sprach, wurde er auf der Schauspielbühne vor allem in Mundartstücken eingesetzt. Als Schorsch von Kusel durchmaß er über 90 Mal „Pfälzers Höllen- und Himmelfahrt“ von Paul Münch. In Hansgeorg Baßlers „Jammerlabbe“ gab er einen eingebildeten Kranken ganz im Geiste Molières. Dazu kamen Eugen Damms Wilhelm-Tell-Variante „De Määschderschuss“ und die Pfälzer Fassung von Fitzgerald Kusz’ „Babbel net, Bub“.

Saft- und kraftvoller Erzkomödiant

In der Titelpartie des listigen Erben in der Puccini-Oper „Gianni Schicchi“ nahm Werner Wegener im Juni 1983 seinen Abschied von der Lauterer Bühne – aber nur bis auf Weiteres. Noch Jahre später hatte er einen denkwürdigen Auftritt als einer der drei Strolche Orffs „Geschichte vom König und der klugen Frau“.

2001 ist Werner Wegener 78-jährig gestorben. Sein Fach füllen am Pfalztheater längst andere, nicht einmal schlechtere Künstler aus. Eine schmerzliche Lücke hinterließ er dennoch. Sie klafft bis heute.

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