Kaffeeklatsch
Die Kaffeerösterei Bebensee entstand aus Liebe zu gutem Kaffee
Stephanie und Christian Bebensee hatten ein Architekturbüro und zwei Kinder im Teenager-Alter, als der Wunsch nach einer beruflichen Umorientierung erwachte. „Wir haben schon immer Kaffee geliebt“, erzählt der 61-Jährige, seine 58 Jahre alte Frau Stephanie hatte schon in ihrer Jugend in einem Café gearbeitet. Und als sie entdeckten „es gibt auch guten Kaffee“, war die Neugier geweckt. Sie kauften sich eine klitzekleine Röstmaschine, die nur ein Kilo fasst, stellten sie in ihrem Büro auf. Nachdem ein Rohkaffee-Importeur in Bremen gefunden war, wurden erste Versuche gestartet, sogenannte spezielle Kaffees zu rösten. Das ging ganz autodidaktisch, denn eine Ausbildung für Röster, die habe es damals noch nicht gegeben, erinnert sich Christian Bebensee. Als studierte Ingenieure seien sie einfach analytisch vorgegangen.
An Ostern ging es los
Die ersten kleinen Proben habe man an Freunde und Bekannte verschenkt, gespannt auf das Feedback. Auch habe man Kontakt mit anderen Röstern aufgenommen. „Wir wollten kein Café eröffnen“, betont Stephanie Bebensee. In der Steinstraße wurden leerstehende Geschäftsräume gemietet, um eine neue, viel größere Röstmaschine unterzubringen. Im Oktober 2012 starteten sie mit dem Verkauf von selbst geröstetem Kaffee. Kunden hätten gefragt, ob sie in dem Geschäft mit den großen Fenstern denn nicht auch ein Café eröffnen könnten. „Wir wurden mehr oder weniger überredet“, schildern die Bebensees. Und so starteten sie an Ostern 2013 mit ihrem Café – und wurden am ersten Tag quasi überrannt.
Die originelle, gemütliche und unkonventionelle Einrichtung wurde zwar im Laufe der Jahre etwas verändert, ist aber im Grundsatz gleich geblieben. Die Möbelstücke wurden zusammengetragen, teils von Gästen gespendet. Etliches wurde auch selbst gebaut: „Ich habe mich mit Akkuschrauber und Stichsäge verwirklicht“, sagt der Architekt mit einem Lachen. Und so gelang es ihnen, eine besondere Atmosphäre in der Kaffeerösterei zu schaffen. Heute bietet das Café Platz für 100 Gäste, ein paar Stufen führen hinauf ins „Nebenzimmer“, wo man quasi direkt neben der Röstmaschine sitzt. Auch ein echter Kaffeebaum schmückt die Rösterei, bietet häufig Gesprächsstoff.
Frühstück bis 14 Uhr
Doch der Mensch lebt nicht von Kaffee allein, ein ordentliches Stück Kuchen oder eine Schneckennudel gehört für viele auch dazu. Eine Besonderheit sind die veganen Kuchen der Kaffeerösterei, die eine Mitarbeiterin backt. Stephanie Bebensee erzählt, dass die junge Frau in der Corona-Zeit damit angefangen habe, was sehr gut angekommen sei. Die restlichen Kuchen und Croissants werden von einem lokalen Bäcker bezogen.
Da die Kunden verstärkt nach Frühstück verlangten, habe man vor fünf, sechs Jahren angefangen, bis 14 Uhr welches anzubieten. Die Auswahl reicht von vegan über französisch bis zu traditionell. „Und es ist immer ganz frisch“, betont die Chefin: „Salat und Kräuter kaufen wir auf dem Markt ein.“ Die Nachfrage nach Frühstück habe nach der Pandemie stark angezogen: „Die Leute wollen sich was Gutes tun.“ Das Publikum in der Kaffeerösterei sei gemischt – von den Schülern aus der Umgebung bis zu älteren Leuten, auch Studenten kämen mittlerweile, von Anfang an viele Amerikaner. Auch Kultur hat ihren Platz in der Kaffeerösterei. Es fanden Kunstausstellungen statt. An die Veranstaltung „One hour, one play“ mit Pfalztheater-Schauspielern erinnert sich Christian Bebensee besonders gerne. In diesem Jahr will das Café auch bei der Langen Nacht der Kultur mit von der Partie sein.
16 Sorten
Im Laufe der Zeit haben sich die Aufgaben der beiden Café-Gründer verändert. Anfangs war Christian Bebensee für die Rösterei zuständig, seine Frau Stephanie für das Café, die anfangs noch halbwüchsigen Kinder halfen tatkräftig mit. Seit dem vergangenen Jahr ist die 28-jährige Tochter Marlene dritte Gesellschafterin. Sie sei heute das Gesicht des Cafés. Die Eltern verbringen mittlerweile mehr Zeit im Büro, kümmern sich um die Administration.
Seit knapp sechs Jahren gibt es auch einen Röstmeister: Ovidiu Pop. Geröstet werden 16 verschiedene Sorten – „wir probieren immer mal wieder etwas aus“, sagt Christian Bebensee. Verkauft – und ausgeschenkt – werden die Kaffees nicht nur im Geschäft in der Steinstraße, es gibt auch einen Online-Shop. Neben Kaffee und Espresso sind auch ausgewählte Maschinen und Zubehör erhältlich. Und es gibt ein Kaffee-Angebot für Firmen und Büros mit Mehrwegbehältern im Tauschverfahren.
Mit Chef-Barista
Die Bebensees schwärmen von ihrem „tollen, kaffeeverrückten Team“. Es umfasst insgesamt 25 Leute, darunter vier feste Mitarbeiter, Teilzeitkräfte und Mini-Jobber. Paulina Urbaniak beispielsweise sei der Profi im Service. Thomas Burckhardt ist Chef-Barista. Da es während der Corona-Zeit eine große Nachfrage nach Siebträgermaschinen für den Hausgebrauch gab, kam dieser auf die Idee, Barista-Kurse bei den Kunden zu Hause anzubieten. Daraus ist ein individuelles Angebot entstanden. Auch einen Kurs für Fortgeschrittene gibt es mittlerweile.
„Es kann noch ein paar Neuigkeiten der Kaffeerösterei geben in diesem Jahr“, verspricht der Chef. Wichtig ist dem Leitungsteam aber: „Es muss uns gefallen und schmecken.“ Um immer auf dem Laufenden zu sein, habe man auch schon sogenannte Cuppings, also professionelle Kaffeeverkostungen, durchgeführt. Dabei wurden Spezialitäten-Kaffees von unterschiedlichen Importeuren verglichen, die von der Specialty Coffee Association (SCA) als sehr gut bewertet werden.
Regelrecht philosophisch wird der 61-Jährige, wenn er von seinem internationalen Team spricht, zu dem Asiaten ebenso gehören wie eine Ukrainerin und ein Rumäne: „Wir sind das Labor der Idealgesellschaft.“
Info
Geöffnet ist die Kaffeerösterei von Montag bis Samstag, 9 bis 18 Uhr, Sonntag ist geschlossen. Internet: www-kaffeeroesterei-kaiserslautern.de.