Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Comedian Alex Schick: Up-Stand statt Stand-Up

Probt in seinem Wintergarten in Kaiserslautern für die erhofften Auftritte: Alex Schick.
Probt in seinem Wintergarten in Kaiserslautern für die erhofften Auftritte: Alex Schick.

Fünf Wörter, eine Ukulele. Alex Schick muss nicht nachdenken, er greift in die Saiten, singt. Und beim Singen entsteht ein Song, in dem die Wörter drin vorkommen, die ihm jemand zugerufen hat. Stand-up-Comedy, das ist die Spezialität des Saarländers, der in der Pfalz gestrandet ist. Seine Auftritte sind weggebrochen, das, was er am liebsten tut, mit dem Publikum interagieren, geht nicht. Dabei spürt er gerade jetzt, wie sehr ihm das fehlt. Aber er hat sich was ausgedacht, was ihm da raushelfen könnte.

Alex Schick ist ein Mann der Widersprüche. Ein Saarländer, der in der Pfalz lebt, mit der Fasenacht groß geworden ist und beim Karneval auftritt. Der in Köln Comedystadtführungen mit dem Bus macht. Auch wenn er für die Kölner kein Einheimischer ist, sondern immer ein „Imi“ bleiben wird, ein Imitierender. Der Saxophon gelernt und gemerkt hat, dass er es nie gut können wird. Und der deswegen beschlossen hat, viele Instrumente zu lernen. Mit dem Ziel, pro Instrument drei Lieder zu können. Das ihn so weit gebracht hat, dass er inzwischen locker einen Auftritt mit 100 Instrumenten bestreiten könnte.

Als Saarländer ein Exot

Und der einen Beruf hat, der systemrelevant ist – er ist Heilerziehungspfleger – und einen, „der im Moment keine Sau interessiert“ – Comedian. Der 49-Jährige versucht trotzdem, das Beste draus zu machen. Schließlich ist er Saarländer und von daher sowieso überall außerhalb seiner Heimat ein Exot.

Aufgewachsen ist er in Hoof, einem Stadtteil von St. Wendel, der keine 1000 Einwohner hat aber die UHG, die Unterhaltungsgruppe Hoof, einen Musikverein. Dort lernte er Saxophon und Klarinette, hatte irgendwann eine Band, die Happy People, sang, spielte Saxophon und stellte eins fest: „Ich werde nie ein guter Saxophonist und nie ein guter Sänger, aber ich habe Spaß am Quatsch machen.“

Mit Band und Dudelsack

Zusammen mit Udo Ritter aus der Band tingelte er im Karneval als Duo durch die Gegend. Als die Band sich auflöste, startete er sein Projekt „so viele Instrumente wie möglich lernen“, begann mit Dudelsack. Über seinen Job in Idar-Oberstein lernte der Hoofer Lars Holfeld kennen, der aus Idar-Oberstein stammt und wie er Heilerziehungspfleger ist. Der war Mitbegründer der Kleinkunstbühne „Das Theaterchen“. Die zwei gründeten das Duo „Chaos Komplott“ und traten zusammen auf. „Das war etwa 98/99“, erinnert sich Schick, der sich auf Comedy mit viel Musik spezialisiert hat und noch einen weiteren Förderer hatte: Ausbilder Schmitt, ebenfalls Mitbegründer vom „Theaterchen“. „Wir waren überall, deutschlandweit unterwegs, sind für ein paar Euro durch die Gegend getingelt.“

Zahlen für den Auftritt

Ums Geld ging es dem Saarländer da nie. „In Aachen mussten wir sogar zahlen, um auftreten zu können“, erinnert er sich. „Es hätte sich erst rentiert, wenn genug zahlende Gäste gekommen wären. Es waren zehn mit unserer Verwandtschaft. Gezahlt haben nur drei, aber wir haben über zwei Stunden am Stück gespielt, und es hat so Spaß gemacht.“

Ansonsten hielt er sich mit Fasnachtsauftritten, Geburtstagen, Hochzeiten über Wasser, entdeckte sein Talent zu improvisieren.

Die Lachexpedition

Vor sechs, sieben Jahren fragte ihn der „Lauterer Bu“ Knacky Deuser, ob er mitmachen würde bei seinem neuen Projekt, der Lachexpedition, einer Comedy-Stadtführung im Bus. Alex Schick sagte ja und war von der ersten Fahrt an mit dabei. Das Konzept, das dahintersteckt: Eine Gruppe Leute, Einzelpersonen, Paare, Gruppen, Firmen kaufen sich Karten für einen Bus, fahren durch Köln, und der Comedian stellt ihnen die Stadt mal ganz anders vor. Im Fall von Alex Schick heißt das, mit viel Improvisation, einer Ukulele und anderen Instrumenten, Gesang und allem, was sonst noch passiert. Der 49-Jährige liebt den Job und dass er nie weiß, was auf ihn zukommt und wie die Busbesatzung so drauf ist.

Rückwärts durch Köln

„Da sind 50 Leute, 25 vom Obst- und Gartenbauverein und 25 Junggesellenabschied“, beschreibt er sein Spontanprogramm. 90 Minuten dauert die Tour, auf der er vorher nie weiß, was passiert. „Wir waren mal 30 Minuten in einer Baustelle gestanden, sind schon auf der Autobahn gelandet.“ Für Schick kein Problem. Es macht ihm nichts aus, dass er Köln nur rückwärts kennt. Und er weiß, wie er angetrunkenes Publikum mit Singen ruhig kriegt.

Anstrengend wie ein Marathon

Die Bustouren gefielen ihm. Er sagte auch für eine zusätzliche Themenführung zu, die Schlagerexpedition, und reduzierte seine Arbeitszeit als Heilerziehungspfleger. „Vor Corona war ich Montag bis Freitag in meinem Job, oft hatte ich auch am Freitag frei, war von vier Wochenenden drei in Köln, hab’ dann vier Touren gemacht. Danach war ich nassgeschwitzt, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Das ist wirklich anstrengend.“

Hart gelandet

Aber eben auch was, was ihm extrem Spaß macht. Nur geht der Plan jetzt nicht mehr auf. Ein Drittel seines Einkommens wollte er durch Comedy reinholen. „Das fällt jetzt komplett weg. Als Heilerziehungspfleger hat man nicht gerade ein stattliches Gehalt, aber ich bin froh, dass ich einen Job habe“, sagt Schick, der weiß, dass es so manchem seiner Kollegen jetzt richtig schlecht geht. „Sie werden sogar gezwungen, ihre Lebensversicherung aufzulösen. Dabei ist das doch ihre Rente.“

Hygieneregeln

Der Saarländer, der vor zehn Jahren in Kaiserslautern hängen geblieben ist, weil ihm die Stadt gefällt, hofft, dass es für ihn irgendwie weitergeht. Er hat seine Zweitwohnung in Köln behalten, auch wenn er weiß, dass das „natürlich Luxus“ ist, aber er ist optimistisch, dass er vielleicht irgendwann wieder in den Bus und auf die Bühne darf. Die Eventagentur entwickelt gerade ein Konzept, wie die Hygieneregeln bei der Stadtrundfahrt eingehalten werden können. „Dann gibt’s das Freikölsch eben draußen mit Maske“, sagt Schick, der gerade in der Zeit festgestellt hat, wie sehr ihm sein Comedyprogramm fehlt. Der Bus, die Auftritte mit Ausbilder Schmitt, der Karneval, die Spontanaktionen. „Es fehlt mir extrem, auf der Bühne zu stehen, das war für mich immer der Ausgleich zum Job“, sinniert er. Gerade in der Coronazeit war und ist der besonders hart. „Statt Therapie zu machen, gehen wir einkaufen für die Bewohner, versuchen sie bei Laune zu halten.“

Das Schlüsselerlebnis

Ein Schlüsselerlebnis war für ihn, als er vor den Balkonen des Heims mal in seine Zweitrolle schlüpfte, sang und Comedy machte und merkte, wie er da aufblühte.

Nach einer Zeit in Quarantäne, in der er Musikinstrumente ausprobierte und seine Stücke ins Netz stellte, reifte in ihm eine Idee, die er inzwischen umgesetzt hat: Er bietet statt Stand-Up eine Up-Stand-Show an, mit Abstand, im Garten, vor dem Balkon, unter Einhaltung der Hygieneregeln. Für Geburtstage, Jubiläen, als Geschenk, zum Dankesagen.

Muttertag draußen

Die ersten Auftritte hatte er schon, zum Muttertag und bei einem 90. Geburtstag. Ideen, was er da alles machen könnte, hat er genug. Seinen Coronasong zum Beispiel, für den er „Rote Lippen“ umgedichtet und Coronaregeln eingebaut hat oder Lieder, die man heutzutage nicht mehr singen darf wie „Geh’n wir mal rüber zum Schmitt seiner Frau“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen sitz’ ich beim Schwager vorn“. Die Idee für die Liste mit den verbotenen Songs hatte er, als ein Bewohner im Heim vom Taxi abgeholt wurde.

Alex Schick hofft, dass er irgendwann wieder spontan mit dem Publikum interagieren und Quatsch machen kann. Dass er einfach wieder fünf Wörter kriegt, einen Song daraus bauen darf, der so intuitiv in seinem Kopf entsteht, dass er danach schon nicht mehr weiß, was er gesungen hat.

Wie Minnesänger, nur anders: Alex Schick bei seinem ersten Auftritt mit der neuen Idee im Innenhof der Bau AG.
Wie Minnesänger, nur anders: Alex Schick bei seinem ersten Auftritt mit der neuen Idee im Innenhof der Bau AG.
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