Bockenheim
Sollen Kita und Grundschule zur Wärmeinsel werden?
Um Menschen, die aufgrund einer Gasmangellage im Winter plötzlich in eiskalten Wohnungen sitzen, eine Möglichkeit zu geben, sich aufzuwärmen, sollen auch in der Verbandsgemeinde Leiningerland sogenannte Wärmeinseln vorgehalten werden. Ziel ist es, solche Anlaufstellen für ein Prozent der Bevölkerung – das sind hier etwa 310 Personen – zu schaffen. Wie schon bei früheren Ratssitzungen festgehalten wurde, gibt es in Bockenheim geeignete Räumlichkeiten dafür: die mit Pelletheizung versehene Sporthalle mit angrenzender Grundschule (und Kita). „Es ist die einzige Einrichtung der VG, wo kein Gas benötigt wird“, bekräftigte Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) im VG-Rat am Donnerstag. Ein Notstromaggregat anzuschaffen und zu installieren, würde brutto 47.000 Euro kosten, wovon etwa 30.000 Euro auf das Gerät entfielen, sagte er.
Weitere Gebäude werden gesucht
Es sei jedoch gelungen, eine Anlage für die Stromerzeugung zu finden, die ausschließlich bei Bedarf angemietet werden könnte. Insofern ließe sich für 17.000 Euro die Wärmeinsel technisch vorbereiten. Mit der Grundsatzentscheidung dafür taten sich die Mitglieder des Gremiums schwer. Valentin Hoffmann (SPD) eröffnete die Diskussion mit dem Hinweis, dass seine Fraktion nicht zustimmen werde, da eine solche Anlaufstelle am nördlichen Ende der VG den Einwohnern von Carlsberg und anderen ähnlich weit entfernten Dörfern nichts nütze. Rüttger sagte, dass die Einrichtung in Bockenheim nur der Anfang sei. „Es läuft gerade eine Abfrage unter den Ortsgemeinden, wo es eventuell weitere Gebäude gibt, in denen solche Inseln entstehen könnten“, erläuterte er. Das könnten auch private Häuser sein.
Hoffmann stellte die grundsätzliche Frage: „Müssen wir wirklich so viel Geld ausgeben? Es gibt doch bestimmt ausreichend Nachbarschaftshilfe.“ Parteifreund Siegfried Sell-Sommerrock machte klar, dass die VG überhaupt nicht zuständig sei. Katastrophenschutz ist Aufgabe von Bund, Land und Kreis. Laut Rüttger brauchen die übergeordneten Ebenen allerdings die Unterstützung der VG. Jörg Jokisch (SPD) sagte, die Sozialdemokraten werden Freiwillige Leistungen in der Höhe nicht befürworten. „Der Kreis soll die Kosten übernehmen“, betonte er. Erich Weyer (FWG), Ortschef von Gerolsheim, meinte: „Wer hat sich die Ein-Prozent-Regel ausgedacht? Soll ich 18 Leute nach Bockenheim schicken und den Rest frieren lassen?“ Außerdem sei die Gefahr eines Blackouts sehr gering, so Weyer.
Rüttger gab ihm recht, verwies aber auf das alte Stromnetz in Deutschland, das Schwankungen durch den Einsatz Erneuerbarer Energien ausgesetzt sei. „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu längeren Stromausfällen kommt“, so der Verwaltungschef. „Nichts ist schlimmer, als wenn der Worst Case eintritt und niemand ist gewappnet.“ Die 17.000 Euro halte er für gut angelegtes Geld. Man solle nicht untätig abwarten, bis der Kreis aktiv wird. Er sehe es als seine Pflicht an, Vorsorge zu betreiben, hob Rüttger hervor. Die VG Lambsheim-Heßheim beispielsweise sei dabei, Wärmeinseln für rund zehn Prozent ihrer Bürger anzulegen. CDU-Mann Klaus Schneider unterstrich: „Wir sollten uns vorbereiten.“ Nachbarschaftshilfe werde nicht die Menschen erreichen, die am Rande der Gesellschaft leben. Axel Mattern (SPD) entgegnete: „Wir sollten nicht in Aktionismus verfallen. Wärmeinseln sehe ich eher im urbanen Bereich. Wie soll ein Sozialschwacher ohne Auto hier auf dem Land nach Bockenheim kommen?“
Das ist auch Bockenheims Bürgermeister Gunther Bechtel (SPD) nicht klar. Zudem warf er ein: „Wie soll das Ganze funktionieren? Ich stelle mich nicht an die Schule und sage dem einen, er dürfe hinein und schicke den nächsten weg.“ Rüttger sagte: „Die Fragen sind berechtigt, aber warten wir doch erst einmal die Ergebnisse der Rückmeldungen aus den anderen Gemeinden ab.“
Bernd Eberle (FWG) sprach sich dafür aus, wenigstens schon mal die eine Wärmeinsel zu realisieren. Dass die VG dies auf eigene Kosten tut, wurde denkbar knapp abgelehnt: mit 13 Ja- zu 13 Neinstimmen bei drei Enthaltungen. Man einigte sich darauf, dem Kreis geeignete Räumlichkeiten zu melden, die dieser dann zu Wärmeinseln machen könne.
Um die Kosten ging es auch bei der Entscheidung, ob sämtliche Feuerwehrgerätehäuser mit der Möglichkeit einer Notstromeinspeisung ausgestattet werden sollen. Bei zehn der 16 Gebäude – allesamt diejenigen aus dem Gebiet der ehemaligen VG Grünstadt-Land – fehlt die Technik dafür. Wie die Nachrüstung im Einzelnen auszusehen hat, soll das Schifferstadter Ingenieurbüro Kohl + Frech eruieren. Dabei seien auch die beiden Rathäuser unter die Lupe zu nehmen. Die Planungskosten dafür von rund 28.000 Euro hält die SPD-Fraktion für viel zu hoch und entbehrlich. Jokisch sagte, man solle doch einfach die Elektrofirmen mit dem technischen Umbau beauftragen, zumal man aufgrund des nahenden Winters keine Zeit zu verlieren habe. Die Handwerker könnten doch selbst beurteilen, wie sie das am besten machen.
Feuerwehr für Stromausfall gerüstet
Rüttger argumentierte, dass ein Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung zu erstellen sei. Vonseiten der Genossen wurde gefragt, weshalb man denn alle zehn Häuser als Paket betrachten müsse. Sie ließen sich doch nacheinander nachrüsten. Bauamtsleiter Dennis Zimmermann erläuterte, dass es sich bei den Gerätehäusern um völlig unterschiedliche Objekte handele. „Bei einigen kleineren Gebäuden könnten tatsächlich gleich die Elektriker beauftragt werden. Für die umfangreiche Installation bei den größeren Immobilien wäre es sinnvoll, die Ingenieure einzuschalten“, schlug er vor. Die Planungskosten würden sich dadurch reduzieren. Die Idee fand breite Zustimmung. Letztendlich wurde aber doch bei zwölf Gegenstimmen mehrheitlich beschlossen, das Büro Kohl + Frech soll alle Objekte fachtechnisch beurteilen.
Grünes Licht gab es außerdem für die Anschaffung von jeweils vier Satellitentelefonen à 1600 Euro für die Werke und die Verwaltung, sodass bei Stromausfall eine minimale Kommunikationsmöglichkeit gewährleistet bleibt.