Eisenberg
„Schulen sind nicht die Hotspots der Ansteckung“
Herr Mahler, sollten Kitas und Schulen aufgrund der Pandemieentwicklung nicht besser geschlossen werden?
Nein, ich plädiere dafür, die Schulen offen zu lassen – sofern sich alle an die Hygieneregeln halten. Zum einen sind die sozialen Kontakte für heranwachsende Menschen essenziell. Auch haben wir im Frühjahrs-Shutdown gesehen, dass die Lernleistung der Schüler dramatisch in den Keller ging. Durch Homeschooling, selbst bei einem Wechsel mit Präsenzunterricht, besteht die Gefahr, gerade den Nachwuchs in den unteren sozialen Schichten abzuhängen. Darüber hinaus ist Homeoffice bei gleichzeitiger Kinderbetreuung für Eltern kaum leistbar. Nach der aktuellen Datenlage sind Schulen nicht die Hotspots der Ansteckung. Infektionen werden in der Regel von außen eingetragen. In Grünstadt hatten wir zum Beispiel eine Familie, deren Kinder nach der Rückkehr von einem großen Fest in Baden-Württemberg das Coronavirus in drei Schulen eingeschleppt haben.
Und dann müssen wieder ganze Klassen zu Hause bleiben, mitunter sogar komplette Schulen schließen.
Inzwischen wird das (in den weiterführenden Schulen, d. Red.) nicht mehr so gehandhabt. In Quarantäne muss nur noch, wer 1,50 Meter oder weniger Abstand zum Erkrankten hatte. Die Lehrer sollen jetzt auch FFP2-Masken erhalten.
Apropos Maske: Ab der fünften Klasse müssen Kinder in der Schule Mund-Nase-Bedeckungen tragen. Ist das jedem Schüler zumutbar?
Ja, bis auf wenige Ausnahmen. Bei mir fragen immer wieder besorgte Eltern an, die meinen, ihr Kind leide unter der Maske. Wenn Lungenfunktionsprüfung und Kreislauftest mit Mund-Nase-Schutz keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme ergeben, stelle ich keine Bescheinigung zur Befreiung von der Maskenpflicht aus, auch für Asthmatiker in der Regel nicht, denn die können gut eingestellt werden, sodass keine Atemproblematik besteht. Bei Entwicklungsstörungen liegt der Fall etwas anders. Menschen mit geistigen Behinderungen können oft nicht verstehen, weshalb Mund und Nase zu bedecken sind. Zudem bedeutet es für diese Schüler eine zu große Einschränkung in der Kommunikation, wenn sie die Mimik des Gegenübers nicht sehen können.
Schützen Masken wirklich in einem vollen Unterrichtssaal, wo man stundenlang ohne ausreichend Abstand zusammensitzt?
Die Alltagsmasken schützen maßgeblich die Mitmenschen, verringern aber tatsächlich auch die Gefahr, selbst schwer zu erkranken. Denn dank der Mund-Nase-Bedeckung atmet man weniger Viruspartikel ein. Der Effekt ist bei FFP2-Masken deutlich ausgeprägter, weshalb ich diese – zugegebenermaßen wenig schicken – auch für Kinder mit chronischen Erkrankungen und Lehrer im Klassensaal empfehle. Zudem muss der Raum konsequent alle 20 Minuten gelüftet werden. Denn je weniger Krankheitserreger aufgenommen werden, desto milder wird in der Regel COVID-19 ablaufen.
Können Sie aus Ihrem Praxisalltag bestätigen, dass junge Menschen meist nur leichte Symptome haben?
Während der ganzen Pandemie hatte ich bisher etwa eine Handvoll positiv getesteter Patienten. Die hatten jeweils leichte Atemwegsprobleme. Eine Jugendliche litt unter Geschmacksverlust. Allerdings wird auch nicht bei jedem Kind mit Durchfall – was durchaus auch ein Symptom sein kann – ein Abstrich gemacht. Ich setze auf eine saubere Anamnese, um die Notwendigkeit eines Tests zu eruieren.
Das Gros der Kinder ist asymptomatisch. Wie ansteckend sind sie? Können besorgte Eltern ihren Sprössling kostenlos auf Corona testen lassen?
Es scheint so zu sein, dass Kinder, die keine Symptome zeigen, nicht so hochgradig ansteckend sind. Eine achtjährige Patientin mit milden Krankheitszeichen hat sich aber als stark infektiös herausgestellt. Ein kostenloser Abstrich ist nur bei hinreichendem Verdacht einer Ansteckung möglich. Ansonsten kann ein Schnelltest für rund 45 Euro Klarheit bringen. Nach 20 bis 30 Minuten liegt das Ergebnis vor. Ist es negativ, kann man sich darauf verlassen. Einem positiven Resultat muss dagegen ein PCR-Test, also ein Abstrich, folgen. Die Auswertung dauert zwar drei Tage, aber dann muss man dafür nichts zahlen.
Können Eltern ihr Kind zur Schule schicken, wenn es leichte Erkältungssymptome hat?
Die Schule wird ein hustendes oder schnupfendes Kind gleich wieder nach Hause schicken. Während der Pandemie sollte man seine Sprösslinge großzügig auch bei banalen Infekten daheim lassen. Halten die Symptome fünf Tage an, ist es möglich, kostenlos einen Abstrich machen zu lassen. Ist der Test negativ, darf das Kind wieder in die Schule.