Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neun Bürgermeister in sieben Jahrzehnten

 Johannes Nauerz (1945-1946)
Johannes Nauerz (1945-1946)

Für die Grünstadter SPD war der 14. November 1948 ein denkwürdiger Tag: Bei den Wahlen zum Stadtrat erzielten die Sozialdemokraten mit 59,1 Prozent ihr bestes Ergebnis aller Zeiten. Insgesamt stellte die SPD sechs der neun Bürgermeister, die seit 1945 ins Amt kamen.

Zum ersten Bürgermeister nach dem Krieg wurde Johannes Nauerz (1882 – 1951) am 21. März 1945 vom damaligen amerikanischen Ortskommandanten Sinclair eingesetzt. Nauerz, der aus dem westpfälzischen Hohenecken stammte, hatte bislang als Bezirksbauführer gearbeitet und war von den Grünstadter Pfarrern vorgeschlagen worden. Er führte sein Amt in schwerer Zeit „mit Geschick und großer Geduld“, schreibt Stadtchronist Walter Lampert in seinem Buch „Bewegte Jahre“.

Georg Born ist nur ein Jahr im Amt

Nach der Nazidiktatur gab es am 15. September 1946 die ersten demokratischen Wahlen, bei denen die SPD mit 55 Prozent die absolute Mehrheit und elf der 20 Stadtratssitze holte. Die CDU kam auf sieben Mandate, die KPD auf zwei. Die Wahlbeteiligung betrug stolze 92,5 Prozent. Die Wähler konnten schon zu jener Zeit Kandidaten von den Listen streichen und Stimmen kumulieren. Die meisten Stimmen erhielten die Sozialdemokraten Ludwig Maier und Georg Born, den der Stadtrat dann zum Bürgermeister wählte. Sein Vorgänger Nauerz (mittlerweile CDU) wurde Erster Beigeordneter und Maier Zweiter Beigeordneter.

Born (1883 - 1950), von Beruf Kommissionär, übte sein Amt nur rund ein Jahr aus, im Oktober 1947 trat er zurück, weil er gesundheitliche Probleme hatte. Der Sozialdemokrat gehörte zu den Verfolgten im Dritten Reich, war am 16. März 1933 in „Schutzhaft“ genommen und einige Tage später ins Konzentrationslager Neustadt (Haardt) eingeliefert worden, wo er bis zum 12. April blieb, danach kam er ins Landgerichtsgefängnis Frankenthal. Zu jener Zeit wurden auch weitere Grünstadter Sozialdemokraten, wie zum Beispiel Ludwig Maier, und Kommunisten verhaftet.

Ludwig Maier ist bis 1951 Bürgermeister

Schreinermeister Ludwig Maier (1885 - 1951), der aus dem Landkreis Heilbronn stammte und schon vor der Nazizeit Mitglied im Stadtrat war, wurde am 1. Dezember 1947 mit 17 Ja-Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod am 9. Februar 1951 aus. In seiner Zeit fand im November 1948 die erste Leistungsschau statt, wurde die Volksschule (Oberhof) modernisiert und der Wohnungsbau vorangetrieben.

Als Nachfolger wählte der Stadtrat den Sozialdemokraten Philipp Kranz (1900 – 1959). Der Grünstadter Kaufmann hatte schon von 1930 bis 1933 dem Ratsgremium angehört und war seit 1947 Mitglied im Stadtvorstand, erst als Zweiter und dann als Erster Beigeordneter. Ihm gelang es, das US-Depot anzusiedeln, das 1953 seinen Betrieb aufnahm und lange Zeit größter Arbeitgeber in Grünstadt war. Kranz war der letzte ehrenamtliche Bürgermeister von Grünstadt, denn 1952 beschloss der Rat, einen hauptamtlichen Stadtchef anzustellen. Bei den Wahlen in jenem Jahr hatten die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit verloren, kamen nur auf 42,1 Prozent und neun von 19 Sitzen. Es gab jetzt eine „bürgerliche“ Mehrheit mit zehn Mandaten: Die neue Wählergruppe Schlipp/Mann hatte sechs Sitze und die CDU vier geholt.

Karl Walter übt das Amt am längsten aus

So entschied sich das Ratsgremium für den parteilosen Bewerber Karl Walter (1908 – 1975). Der Jurist aus Leistadt hatte in der Nazizeit in verschiedenen Verwaltungen gearbeitet und es bis zum Regierungsrat gebracht. Nach dem Krieg führte er eine Kanzlei in Bad Dürkheim. Walter war 20 Jahre lang, von 1953 bis 1973, Bürgermeister und damit der Stadtchef mit der längsten Amtszeit im 19. und 20. Jahrhundert. In seiner Zeit, der Wirtschaftswunder-Ära, wurden Baugebiete erschlossen sowie Schulen, Sportplätze, Stadtwerke und Stadthalle gebaut.

In der Amtszeit von Walter, 1963 wieder gewählt, erholte sich die SPD von ihrem 1952er-Tief und steigerte kontinuierlich ihren Stimmenanteil. Bei den Ratswahlen von 1964 und 1969 gewann sie wieder die absolute Mehrheit mit 54,2 beziehungsweise 51,2 Prozent. So war klar, dass der Nachfolger von Walter ein Sozialdemokrat wird.

Herbert Gustavus ist 19 Jahre lang Bürgermeister

Im September 1972 wurde der 45-jährige Herbert Gustavus (1927 – 2014) mit 17 Stimmen bei acht Enthaltungen gewählt. Der Stadtrat hatte seit der Eingemeindung von Asselheim und Sausenheim nun 25 Mitglieder. Gustavus, in Freinsheim geboren, war in Grünstadt aufgewachsen, hatte Mechaniker gelernt und in seinem Geburtsort einen Betrieb für Landmaschinen geführt. Als er im Mai 1973 sein Amt antrat, galt er schon als versierter Kommunalpolitiker: Mitglied im Stadtrat seit 1964, im Kreistag ab 1969 und im Landtag seit 1971. Zudem war er bei der Feuerwehr engagiert, seit 1966 Wehrleiter in Grünstadt und ab 1970 Kreisfeuerwehrinspekteur. In seiner Zeit im Rathaus wurde die Hauptstraße zur Fußgängerzone und nach dem Konkurs des Bauunternehmens Stocké das Gewerbegebiet entwickelt. Im Mai 1983 wurde er im Amt bestätigt, ging 1992 nach 19 Jahren als Bürgermeister in den Ruhestand. 1989 belohnten die Bürger seine Arbeit bei den Wahlen zum Stadtrat mit 54,9 Prozent für die SPD. Die Stadt ließ sich Zeit, bis sie den verdienten Politiker ehrte: Am 3. Juli 2014 wurde Gustavus zum Ehrenbürger ernannt, gut drei Monate später, am 15. Oktober, ist er gestorben.

Ludwig Weber tritt sein Amt 1992 an

Die Nachfolge trat am 1. März 1992 der bisherige Erste Beigeordnete Ludwig Weber (SPD) an, den der Stadtrat mit 16 von insgesamt 27 Stimmen gewählt hatte. Weber, Jahrgang 1939, kam aus Wilgartswiesen 1964 nach Grünstadt, hatte Bankkaufmann gelernt und arbeitete zuletzt als Abteilungsleiter bei der Kreissparkasse. Er war seit 1979 Ratsmitglied und lange Zeit Fraktionssprecher. Bei den Ratswahlen 1994 holte die SPD zum letzten Mal mit 53,2 Prozent mehr als die Hälfte der Stimmen. In Webers Zeit, er amtierte bis Ende 2001, wurde die Stadthalle an einen Investor verkauft, abgerissen und auf dem Areal das Weinstraßencenter erbaut. Sausenheim erhielt wieder eine Grundschule, und die Stadtwerke wurden in eine GmbH umgewandelt, rund 20 Prozent der Anteile an Contigas (heute Thüga) verkauft.

Hans Jäger wird direkt gewählt

Nun bestimmten die Wähler direkt, wer Rathauschef wurde. Der erste Grünstadter Bürgermeister, der nach dem Krieg von den Bürgern gewählt wurde, war Hans Jäger (1943 – 2020). Der Sonderschullehrer, in Landau geboren und in Grünstadt aufgewachsen, schaffte im Mai 2001 schon im ersten Wahlgang mit 50,3 Prozent die absolute Mehrheit – gegen drei Mitbewerber. In den Stadtrat war der Sozialdemokrat schon 1979 gewählt worden und hatte seit 1992 dem Stadtvorstand als Erster Beigeordneter angehört. In seiner achtjährigen Amtszeit wurden die Dekan-Ernst-Schule saniert, die Fußgängerzone erneuert und der Luitpoldplatz umgestaltet. Im Juni ist Jäger im Alter von 76 Jahren gestorben.

Klaus Wagner ist der erste Christdemokrat im Rathaus

Der erste CDU-Mann, der ins Rathaus einzog, ist der amtierende Bürgermeister Klaus Wagner. Bei der Direktwahl durch die Bürger musste der gebürtige Grünstadter, der seit 1999 dem Stadtrat angehörte, 2009 in die Stichwahl, die er knapp mit 226 Stimmen Vorsprung gegen Michael Wiegand (FWG) gewann, in Prozenten 52,2 zu 47,8. Bei seiner erneuten Kandidatur 2017 schaffte es der studierte Diplomkaufmann, Jahrgang 1961, auf Anhieb mit 52,3 Prozent. Die Mitbewerber Martina Hauenstein (SPD) und Pirmin Magez (Grüne) kamen auf 43,4 beziehungsweise 4,3 Prozent. Projekte aus der bisherigen Amtszeit, die sicherlich in Erinnerung bleiben, sind der Bau des Cabriobades Leiningerland und die jetzt laufende Sanierung des Oberhofes.

Quellen

Stadtverwaltung, RHEINPFALZ-Archiv, Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt und „1100 Jahre Grünstadt“ von Walter Lampert. Mehrere Fotos von ehemaligen Bürgermeistern sind aus dem Buch von Walter Lampert.

Georg Born (1946-1947)
Georg Born (1946-1947)
Ludwig Maier (1947-1951)
Ludwig Maier (1947-1951)
Philipp Kranz (1951-1953)
Philipp Kranz (1951-1953)
Karl Walter (1953-1973)
Karl Walter (1953-1973)
Herbert Gustavus (1973-1992)
Herbert Gustavus (1973-1992)
Ludwig Weber (1992-2001)
Ludwig Weber (1992-2001)
Hans Jäger (2001-2009)
Hans Jäger (2001-2009)
Klaus Wagner (seit 2009)
Klaus Wagner (seit 2009)
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