Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Ort könnte Klärschlamm-Zentrale werden

Die Altleininger Kläranlage wurde 1983 in Betrieb genommen.
Die Altleininger Kläranlage wurde 1983 in Betrieb genommen.

Dass es bei den Kläranlagen der Verbandsgemeindewerke einen erheblichen Sanierungsbedarf gibt, ist schon länger bekannt. Fachleute haben jetzt einen genauen Blick auf die Einrichtungen in Altleiningen und Hettenleidelheim geworfen – Kosten und grobe Zeitabläufe berechnet sowie einen Vorschlag zur Optimierung in naher Zukunft gemacht.

Die Sanierung und Modernisierung der Klär- und Wasserwerke gehört zu den Mammutaufgaben der Verbandsgemeinde Leiningerland. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein teils erheblicher Investitionsstau aufgebaut – wegen des gewöhnlichen Verschleißes und weil in manchen Anlagen nur das Allernötigste gemacht wurde, um die Gebühren für die Bürger möglichst niedrig zu halten. In den kommenden Jahrzehnten wird das allerdings zu enormen Kosten führen, weil der dadurch entstandene technische und bauliche Rückstand aufgeholt werden muss.

Welchen groben Preis der Ersatz einzelner Komponenten in den Werken in Altleiningen und Hettenleidelheim haben wird und von welchem ungefähren Zeithorizont auszugehen ist, hat die Ingenieurgesellschaft Dr. Siekmann und Partner aus Thür in der Eifel ermittelt und die Ergebnisse dieser Tage im Werkausschuss vorgestellt. Demnach wird die Sanierung und Modernisierung der Anlagen jeweils mehr als 5 Millionen Euro kosten, nämlich rund 5,4 Millionen in Altleiningen und rund 5,1 Millionen in Hettenleidelheim.

Lebensdauer nach 20 bis 40 Jahren ausgereizt

Für das Hettenleidelheimer Werk, das 2000 in Betrieb ging, steht in den kommenden fünf Jahren unter anderem eine neue Schaltanlage auf dem Plan, Kostenpunkt: 300.000 Euro. Das Werk in Altleiningen ging 1983 in Betrieb, wurde 2000 modernisiert und benötigt in den kommenden zehn Jahren zum Beispiel ein neues Belebungsbecken für 1 Million Euro sowie in den nächsten 20 Jahren ein neues Nachklärbecken für 1,5 Millionen Euro. Lukas Ellerich, der Vertreter des Fachbüros, erklärte, dass alle Anlagenteile eine allgemein angenommene Lebenserwartung haben, die nach 20 bis 40 Jahren überwiegend abgelaufen ist.

Neben der Bestandsaufnahme hatten Ellerich und seine Kollegen den Auftrag, nach Möglichkeiten für Optimierungen zu suchen. Sie setzten sich mit der Frage auseinander, ob durch eine Zusammenlegung einzelner Anlagenteile Einsparpotenziale geschaffen werden könnten. Das mag zunächst nicht naheliegend klingen, da die Klärwerke rund drei Kilometer Luftlinie auseinander stehen. Diese Entfernung sei aber im Grunde sehr gering und lasse sich nur damit erklären, dass sich die Einrichtungen einst in zwei verschiedenen Verbandsgemeinden befanden, erklärte Ellerich: „Unter den heutigen Umständen würde man das so nicht mehr bauen.“

Zentralisierung könnte beim Sparen helfen

Dem Gutachten zufolge müssen einige Anlagenteile in beiden Werken modernisiert werden, um dem neuesten Stand der Technik zu entsprechen. Wie Ellerich ausführte, ist es oft in vielfacher Hinsicht günstiger, eine größere gemeinsame Anlage als mehrere separate kleine zu betreiben. Die Frage, ob eine Zusammenlegung trotz des Abstands und der Höhenverhältnisse zwischen Altleiningen und Hettenleidelheim die günstigere Variante darstellt, bedurfte daher einer genaueren Untersuchung.

Letztlich gelangen die Ingenieure in ihrem Gutachten zu dem Schluss, dass eine Zentralisierung beim Klärschlamm bereits nach kurzer Zeit zur Reduktion der Kosten führen könnte, während beim Abwasser erst auf lange Sicht Vorteile erkennbar sind – unter anderem, weil der Transport des Wassers zwischen Altleiningen und Hettenleidelheim ein Pumpwerk mit hohem Stromverbrauch erforderlich machen würde. Aus dem Grund wurde diese Idee anders als die der zentralisierten Schlammbehandlung zurückgestellt.

Drei bis fünf Lkw pro Woche

Für Letztere müssten laut Ellerich drei bis fünf Lkw pro Woche von Altleiningen nach Hettenleidelheim fahren, das sich als Standort für die Erweiterung anbietet. Um sich die Möglichkeit auf eine Förderung des Vorhabens durch Bund und Land nicht zu verbauen, müsste die Verbandsgemeinde allerdings eine standortbezogene Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Der Werkausschuss erteilte der Verwaltung einstimmig grünes Licht, Angebote zur Erarbeitung einer solchen einzuholen.

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