Sausenheim
Als die TuS-Ü40-AH im Olympiastadion auflief
Wenn Michael Kohl an den Sommer 2011 zurückdenkt, dann wird dem Sausenheimer ganz warm ums Herz. Verständlich. Wann kann ein Fußballer denn mal erzählen, dass er in Berlin um die Deutsche Meisterschaft gespielt hat? In Sausenheim können es jedenfalls einige Kicker. „Das war ein super Erlebnis“, erzählt Kohl und schmunzelt: „Ich glaube, wir waren die erste und bislang einzige Mannschaft, die bei einer Deutschen Meisterschaft Zehnter von neun wurde.“
Die Alten Herren haben beim TuS Sausenheim schon seit Jahren eine große Tradition. „Das Gesellige, das Freundschaftliche stehen bei uns hoch im Kurs. Aber sportlich wollen wir hier bei der TuS-AH auch immer erfolgreich sein“, erklärt Kohl die DNA der Sausenheimer Seniorenkicker. Und erfolgreich waren sie auch im Jahr 2011.
Erst KreispokalsiegerAls damaliger Kreispokalsieger qualifizierte sich die Sausenheimer Ü40 Mannschaft für das Finalturnier des SWFV, die sogenannte Regionalmeisterschaft. Der TuS kam nach Göllheim als Außenseiter und verließ den Platz als Turniersieger. Das erste Gruppenspiel verloren die Sausenheimer zwar gegen die SG Hoppstädten/Weihersbach mit 0:1. Doch die deutschen Fußballtugenden, sich in einem Turnier von Spiel zu Spiel zu steigern, legten die TuS-Akteure in der Folge an den Tag. Mit dem 4:0-Sieg im zweiten Gruppenspiel gegen den SV Großsteinhausen schafften die TuS-Kicker noch den Sprung ins Halbfinale. Dort spielten sie erneut gegen Hoppstädten/Weihersbach – und es gab die Revanche. Sausenheim gewann das Spiel mit 2:0 und stand im Endspiel.
Im Endspiel gegen den TuS Göllheim avancierten Torwart Uwe Schneider-Wallot und Matthias Spettmann zu den Matchwinnern. Letzterer schoss den Ausgleich in der letzten Minute der regulären Spielzeit zum 1:1. Schneider-Wallot parierte im Elfmeterschießen grandios und sicherte den letzlichen 5:2-Erfolg, der den Sausenheimern das Ticket für die Südwestmeisterschaft sicherte.
Und dort trumpfte das Team erneut auf. Gegen den Saarlandmeister FV 09 Schwalbach setzte es zwar in der Dreiergruppe eine 0:3-Niederlage. Doch nach dem 3:2-Sieg gegen den Rheinland-Meister TuS Honigsessen schallte es aus der Sausenheimer Kabine im Schwalbacher Jahnstadion: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“ Als Zweiter der Dreiergruppe durften die TuS-Senioren in die Bundeshauptstadt zum Endturnier um die Deutsche Meisterschaft.
Unter den besten Zehn„Beim DFB-Cup waren es damals zehn Teilnehmer, wir gehörten also zu den zehn besten Teams in Deutschland“, erzählt Michael Kohl stolz. Der Modus war wie folgt: Zwei Gruppen mit fünf Teams. Die Sausenheimer waren bei dem zweitägigen Turnier (17. und 18. September 2011) im Berliner Olympiapark natürlich wieder der krasse Außenseiter.
Doch es fing gut an . Gegen den DSV 04 Lierenfeld schaffte die TuS-Formation im ersten Gruppenspiel ein 0:0. gegen den TSV Lessum verlor Sausenheim dann aber mit 0:3. Es folgten zwei weitere Niederlagen gegen den späteren Meister SC Riesa (1:3) und die Sportfreunde Bühlerzelle (0:4). „Wir waren dennoch mit dem letzten Gruppenplatz zufrieden. Gegen den späteren Meister Riesa hatten wir ja sogar mit 1:0 geführt.“
Doch ganz vorbei war die Geschichte dann noch nicht. „Nach dem Turnier wurde unserer damaliger Betreuer Walter Orfanelli vom Ex-Profi Frank Hartmann angerufen“, erzählt Kohl und erklärt: „Der SC Riesa wurde disqualifiziert.“ Was war passiert? Der SC Riesa hatte im Finale gegen Hannover 96 (2:0) betrogen. Die Sachsen setzten im Endspiel zwei Spieler ein, die zum Zeitpunkt des Turniers in Berlin jünger waren, als es die DFB-Regularien des Ü40-Cups erlaubt hatte. „Als Zweitplatzierter brauchte Hannover 96 damals die Zustimmung aller Teilnehmer, dass sie zum deutschen Meister gekürt werden“, erzählt Kohl. Die Sausenheimer wurden somit zum Meistermacher. „Daraufhin hatten wir auch kurzfristig die Hoffnung, doch nicht Letzter des Turniers geworden zu sein“, sagt Kohl. Aber der Traum platzte. „Die Hoffnung hat leider nicht bewahrheitet und wir wurden quasi Zehnter von neun“, sagt Kohl und lacht: „Das ist bis heute unerreicht!“
Heute AH-SpielgemeinschaftDie AH-Tradition beim TuS ist immer noch am Leben. Auch wenn sich mittlerweile viel geändert hat. 2018 gründete der TuS zusammen mit dem VfR Grünstadt und dem SV Obersülzen die AH-Spielgemeinschaft SG Unterhaardt. „Bereits ein Jahr später wurden wir erneut Kreispokalsieger und Südwestmeister. Bei der anschließenden Regionalmeisterschaft 2019 spielten je zwei Vertreter der drei Verbände gegeneinander. So war außer uns noch die zweitplatzierte Wormatia Worms dabei. Und genau gegen die haben wir damals im ersten Spiel unglücklich mit 1:2 verloren, was uns den Weg nach Berlin verbaut hat“, sagt Kohl und betont: „Hätten wir nur wenigstens Unentschieden gespielt, wären wir anstelle von Worms nach Berlin gefahren. Der Erstplatzierte in der Regionalmeisterschaften wurde die SG Mittelmosel, die später Deutscher Meister in Berlin geworden ist.“
Aufgrund von Corona wurden 2020 und 2021 keine Regionalmeisterschaften gespielt. Somit ist die SG aktuell amtierender Südwestmeister. „Für die Zukunft wird es sicherlich schwierig, noch mal nach Berlin fahren zu können, denn unser Goldene Jahrgang ist mittlerweile etwas in die Jahre gekommen. Insofern rechnen wir uns eher bei der Ü50 Chancen aus, für die es aber auch einen Wettbewerb in Berlin gibt“, sagt Michael Kohl, der im Rückblick auf die Deutschen AH-Meisterschaften 2011 befindet: „Der DFB hat sich damals alle Mühe gegeben, uns die Wertschätzung entgegenzubringen, die wir uns nach dem langen Weg auf der Reise nach Berlin auch verdient hatten.“ Er fügt hinzu: „Insofern war es auch das Opfer wert, im Jahr 2011 auf die Sausenheim Kerwe verzichten zu müssen.“