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Mittwoch, 03. Mai 2017 Drucken

Grünstadt: Kultur Regional

Die Tote auf dem Alpaka-Hof

Crime Corner: Dominik Kimyons Geschichte „Stallgeruch“ ist überaus kurzweilig – Verwirrendes Beziehungsgeflecht

Von Rainer Scheer

 

Rainer Scheer ( ARCHIVFoto: jös)

„Ein Krimi vom Land“, das ist der Untertitel des Romans „Stallgeruch“ von Dominik Kimyon. Was nun möglicherweise eher bayerisch-alpenländische oder Allgäuer Assoziationen auslösen mag – falsch! Dieser Regionalkrimi, der sich von seiner Gestaltung her gar nicht so regional gibt, spielt im Eichsfeld.

 

Göttingen ist nicht weit. Als auf einem Hof, der sich der Zucht von Alpakas verschrieben hat, eine junge Frau ermordet aufgefunden wird, sind es zwei Beamten aus eben Göttingen, die die Ermittlungen übernehmen. Kriminalhauptkommissar Christian Heldt ist davon besonders begeistert. Der allein erziehende Vater hatte es sich schon schön zurechtgelegt, was er denn in der Ferienwoche alles mit seinem Sohn anstellen wollte. Doch sein Vorgesetzter hat andere Pläne. Ausgerechnet der Tierarzt, der auch für jenen Alpaka-Hof zuständig ist, drängt, Ermittlungen von Göttingen aus einzuleiten und nicht die Duderstädter Polizei mit dem Fall zu behelligen. Warum?

Der Alpaka-Hof zeigt nach außen ein erfolgreiches Bild, doch scheint es um die Tote Linda Becker Geheimnisse zu geben. Sie ist die Verlobte des Sohns, der irgendwann einmal den Hof und damit die Alpakazucht übernehmen soll. Allerdings gibt es noch einen weiteren Sohn, der auswärts studiert und irgendwann nach Auseinandersetzungen mit den Eltern, vor allem mit dem Vater, die Ferne gesucht hat. Aber auch er taucht plötzlich wieder auf. Schnell wird die Angelegenheit unübersichtlich. Geschickt entwickelt Kimyon Beziehungsgeflechte. Scheinbaren Nebenhandlungen kommt plötzlich Bedeutung zu. Nur wenige haben Alibis, die vielen möglichen Verdächtigten sind glaubhaft involviert und das macht die Geschichte überaus spannend. Zwar kann man nicht wirklich in Meisterdetektiv-Manier mitraten, doch an überraschenden Wendungen fehlt es wahrlich nicht.

Autor Dominik Kimyon wählt als Hintergrund ein durchaus aktuelles Thema, denn Alpakas sind beliebt, ihre Wolle sehr begehrt und warum soll es nicht mal statt eines Kleinwagens ein Alpaka sein? Überaus kurzweilig, liefert „Stallgeruch“ pures Lesevergnügen. Und auch wenn natürlich – das ist sich die gute Reihe des Gmeiner Verlages schuldig – zahlreiche Örtlichkeiten durchaus zum Wiedererkennen einladen, so überzeugt vor allem die der Handlung zugrundeliegende Kriminalgeschichte.

Lesezeichen

Dominik Kimyon: Stallgeruch. Gmeiner Verlag 2017, Broschur, 378 Seiten, 12,99 Euro

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