Frankenthal
Worms: Abend mit Ursula Strauss lässt Besucher mit komischem Gefühl zurück
Dass Ursula Strauss nach Worms zurückgekommen ist, ist verständlich: Der großartigen Schauspielerin hat es in der Domstadt sehr gut gefallen, als sie im vergangenen Jahr als Brunhilde auf der Bühne der Nibelungen-Festspiele stand. Den Sommerabend mit ihr in der Remise des Herrnsheimer Schlosses am Donnerstag verließ der eine oder andere Zuschauer dennoch mit einem komischen Gefühl.
Zwei Filme hatte Ursula Strauss ins Schloss Herrnsheim mitgebracht. Beide befassen sich mit schwierigen und diskussionswürdigen Themen: „Es wird besser“ ist ein Kurzfilm von Adi Wojacek (Buch und Regie). Im Film geht es um Cybermobbing. Eine Mutter bekommt nur langsam mit, dass ihr Kind in der Schule systematisch belästigt und gedemütigt wird. Der zweite Streifen, in Spielfilmlänge, heißt „Meine fremde Freundin“ (Buch: Katrin Bühlig, Daniel Nocke, Regie: Stefan Krohmer) und lief erstmals im Oktober 2017 in der ARD. Darin geht es scheinbar um eine Vergewaltigung, tatsächlich jedoch um Glaubwürdigkeit, Vorurteile und Vertrauen.
Unfall und Beziehung bleiben privat
Dann hat Strauss ein Buch geschrieben, das vorgestellt werden sollte. Das ist grundsätzlich in Ordnung – brachte aber den Abend in ein Ungleichgewicht. Soweit der Buchvorstellung und dem Gespräch mit Petra Simon, der künstlerischen und technischen Betriebsdirektorin, zu entnehmen war, ist das Buch eine Sammlung von Geschichten. Entstanden sind sie, nachdem Strauss in ihrer privaten Fotokiste gestöbert hat. Aufgezeichnet hat die Erzählungen für „Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte“ dann Doris Priesching. Es sei keine Autobiografie, erklärt Strauss den Zuhörern. „Ich bin 45, ich hoffe doch sehr, dass da noch was kommt.“ Die Geschichten seien persönlich und aus ihrer Sicht wahr. Aber es habe auch Kritik gegeben. Manche Leser hätten sich mehr Privates erhofft und seien enttäuscht zurückgeblieben. „Der Unfall, meine Beziehung“, das bleibt weiterhin privat, sagte sie. Bekannt ist nur, dass sie 2014 als Beifahrerin in einen schweren Unfall verwickelt war. Nicht bekannt ist bis heute die Identität ihres Ehemanns.
Aus dem Gespräch erfahren wir, dass einige Buchkapitel in Worms entstanden sind und auch die Nibelungen-Festspiele darin vorkommen. Dass Strauss gelernte Kindergärtnerin ist, wie sie zur Schauspielerei kam und dass ihr Lieblingshendl im Hühnerhof der Familie Kunigunde hieß, steht ebenfalls darin. Wir hören Erinnerungen von der ersten Beichte und der Erstkommunion.
Hinterher bei YouTube recherchiert
Im vorher gezeigten Film „Es wird besser“ spielt Strauss eine Mutter, die lange nicht mitbekommt, was ihr Sohn erleiden muss. Das Internet, in dem sich die Schüler bewegen, ist der Mutter fremd – und den Zuschauern geht es wohl ähnlich. Es hätte sich sicher gelohnt, über Entstehung und Umsetzung des Films zu sprechen: Wie kommt es, dass eine renommierte Schauspielerin bei einer vergleichsweise kleinen Produktion mitmacht? So muss man das zu Hause auf dem YouTube-Kanal der Produktionsfirma nachschauen. In Worms fühlte man sich mit dem aufwühlenden Film etwas alleingelassen.
Ähnlich war es mit dem Film „Meine fremde Freundin“. Dem schmierigen Kollegen Lehmann (gespielt von Hannes Jaenicke) traut man die Vergewaltigung zu. Und sicher hat der eine oder andere Zuschauer gedacht, ihm geschehe die Verurteilung nur zu recht. Doch im Verlauf des Films stellt sich heraus, dass das vermeintliche Opfer (exzellent dargestellt von Strauss) eine pathologische Lügnerin ist. Sie ist psychisch schwer gestört. Der Film mahnt eindringlich, wie wichtig die sorgfältige Untersuchung von Beschuldigungen ist – auch wenn sie noch so plausibel erscheinen. Ein bisschen Hintergrund wäre für die Zuschauer sicher interessant gewesen. Zumal der Film sich sehr stark an einem realen Fall orientiert.
In beiden Filmen haben die Zuschauer Ursula Strauss als eine äußerst eindrucksvolle Schauspielerin erlebt. Auch ihr Auftreten im Gespräch war sympathisch, sie hat die Zuschauer für sich gewinnen können. Trotzdem blieb nach den emotional erschütternden Filmen ein komisches Gefühl.