Frankenthal
Testzentren: Hilfsorganisationen kritisieren schwarze Schafe
Zwölf Euro können die Betreiber der Stationen pro Test mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) abrechnen. Und noch einmal sechs Euro, wenn das dafür notwendige Material selbst besorgt wird. Der KV gegenüber wird nur die Anzahl der durchgeführten Abstriche angegeben. Weitere Daten werden nicht übermittelt. Dieses vergleichsweise simple Konzept haben andernorts Anbieter offenbar zu ihrem Vorteil schamlos ausgenutzt.
Alle in Frankenthal beim großen Testen tätigen Hilfsorganisationen – Johanniter Unfallhilfe, Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft, Arbeiter Samariterbund und Malteser Hilfsdienst – beziehen, wie sie gegenüber der RHEINPFALZ betonen, ihre Testkits zentral von der Stadt. Das bedeutet: Sie stellen dafür keine Kosten in Rechnung. Und: Die Anzahl der erledigten Tests bleibt anhand der Bestellungen nachvollziehbar. Der kommerzielle Anbieter für Corona-Schnelltests, Ecocare, der eine Station auf dem Lidl-Parkplatz in der Wormser Straße betreibt, hat auf eine Anfrage diesbezüglich bisher nicht reagiert.
Zentren melden Zahlen
Die Organisationen melden nach jedem Tag für ihre jeweiligen Zentren am Festplatz Benderstraße, im City-Center und in der Seniorenbegegnungsstätte Villa Malta die aktuellen Zahlen an die Stadt. Die von den Getesteten auszufüllenden Anmeldezettel müssten bis 2024 aufbewahrt werden. Einmal im Monat werde dann mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet.
Dass es Betrügern durch die bislang fehlenden beziehungsweise laxen Kontrollen leicht gemacht werde, diese Befürchtung habe man recht früh gehabt, erklärt Clarissa Fath, Ortsbeauftragte der Johanniter Ludwigshafen. „Wir sind die Leidtragenden“, meint Sascha Günther vom Arbeiter Samariterbund. Und Winfried König, Vorstandsmitglied der DLRG Frankenthal, findet es ärgerlich, dass schwarze Schafe alles kaputtmachten. „Wir versuchen, professionell zu handeln, und arbeiten mit den anderen Hilfsorganisationen in der Stadt zusammen“, betont König. Die Resonanz aus der Bevölkerung sei sehr positiv.
Michael Baumann, Stadtbeauftragter der Malteser, sieht das Bemühen der Politik, möglichst schnell möglichst viele Stationen aufzubauen, durchaus positiv. Es sei ja ein oft gehörter Vorwurf, dass in Deutschland die Bürokratie zu sehr im Vordergrund und schnellem Handeln damit oft im Wege stehe. Nun sei es anders gelaufen. „Der gute Ansatz wurde leider ausgenutzt. Das ärgert mich als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, das ärgert mich aber auch als Bürger und Steuerzahler“, betont Baumann.
Fünf Seiten vom Land
Der mögliche Abrechnungsbetrug sei ja aber nur ein Vorwurf, meint der Stadtbeauftragte. Im Raum stehe außerdem, dass Schnelltests nicht ordnungsgemäß gemacht worden sein sollen. „Hier wäre mit der Gesundheit des Einzelnen und des Kollektivs gespielt worden.“ Da dies massive Auswirkungen hätte, fände er es sehr negativ, wenn es so wäre, sagt Baumann.
Kontrolleure haben sich weder bei ihm noch bei den anderen Befragten bisher angemeldet. „Tiefenentspannt“ würden sie einem möglichen Besuch in ihren Zentren entgegensehen, sagen Baumann und DLRG-Vertreter König unisono. Sie freue sich, dass mehr Kontrollen stattfinden sollen, meint Clarissa Fath von den Johannitern. Beim ASB laufe alles transparent, sagt Günther. Alle Organisationen haben für den Fall der Fälle schon ein fünfseitiges Schreiben vom Land erhalten, was bei einer Kontrolle alles bereitgehalten werden muss. Nicht alles sei dabei aber durchdacht, meint Clarissa Fath. Unterlagen zu positiven Meldungen etwa wolle sie nicht im Gebäude am Festplatz aufbewahren. Das sei nicht sicher genug.
Ausgleich für Verluste
Die Johanniter Unfallhilfe war die erste Organisation, die auf dem Festplatz eine Teststation in Kooperation mit der Stadt eröffnet hat. Bis Ende Mai wurden dort rund 6500 Tests bearbeitet – darunter um die 40 mit positivem Ergebnis. Davon Betroffene habe man bisher zu Ärzten geschickt, um das Ergebnis mittels eines im Labor ausgewerteten PCR-Tests zu überprüfen. Fath zufolge ist das bei positivem Schnelltest-Ergebnis ab sofort auch vor Ort möglich. Aber: „Wir machen keine PCR-Tests beispielsweise für anstehende Urlaubsreisen“, betont Fath.
Rund 6000 Tests hat die DLRG am Festplatz laut Dieter König erledigt. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft super“, lobt er. Natürlich bleibe etwas in der Kasse der Lebensretter hängen. Damit ließen sich Verluste in anderen Bereichen ausgleichen, aber auch Anschaffungen tätigen. „Wir konnten ein ganzes Jahr nichts am Wasser machen.“ Für die Tauchausbildung seien beispielsweise Kommunikationsgeräte gekauft worden „Wir sind gemeinnützig und müssen das Geld zeitnah wieder für Vereinszwecke ausgeben. Das kommt der Allgemeinheit zugute“, sagt König.
Check für Verwaltungsleute
Auch die anderen Hilfsorganisationen machen nach eigenen Angaben Verluste aufgrund der Corona-Pandemie, beispielsweise bei den Sanitätsdiensten. Alle greifen auf eigenes Personal zurück. „Wir sind nicht nur Wasserplanscher. Wir haben gut ausgebildete Leute“, betont DLRG-Mann König. Laufende Kosten, beispielsweise die Miete der Villa Malta in der August-Bebel-Straße, könnten mit dem Erlös finanziert, die festangestellten Mitarbeiter der Malteser so gut eingesetzt werden, meint Michael Baumann.
4500 Bürgertests hat der ASB laut Sascha Günther in der Teststation im City-Center bisher gemacht. Hinzu kommen die Tests für Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Dafür stelle die Stadt aber eigene Tests. Die Positivquote insgesamt: 0,8 Prozent. Bei den Maltesern wurden in der Villa Malta bis Mittwoch 982 Personen getestet. Die Anzahl steige täglich. Alleine am Dienstag waren es nach Baumanns Auskunft 148. Stressig werden könnte es, wenn weiter getestet wird und das „normale Leben“ wieder anläuft, glaubt Sascha Günther. Dann müssten zusätzlich die Sanitätsdienste wieder organisiert werden.