Frankenthal
Schnelltests: „Betrüger haben leichtes Spiel“ – Interview
Es ist geplant, dass PCR-Tests priorisiert werden sollen – und damit nicht mehr jedem zur Verfügung stehen. Verunsichert das Leute, die sich bei Ihnen testen lassen?
Die Leute sind grundsätzlich verunsichert. Vielen ist nicht klar, wer sich wann testen lassen darf.
Und: Wer darf?
Zuerst mal bekommen bei uns alle diejenigen einen PCR-Test, die einen positiven Schnelltest mitbringen. Außerdem Ärzte, Pfleger, Mitarbeiter in Arztpraxen, Krankenhauspersonal und alle anderen Berufsgruppen, die systemrelevant sind. Sie sollten auch einen PCR-Test zum Freitesten aus der Quarantäne in Anspruch nehmen.
Dafür wäre aber auch ein Schnelltest ausreichend, oder?
Genau. Grundsätzlich reicht der PoC-Antigen-Test aus. Den PCR-Test empfehlen wir deshalb nur denen, die mit vielen Menschen und mit Risikogruppen Kontakt haben. Neben medizinischem Personal sind das beispielsweise Lehrer.
Wie ist es mit Kontaktpersonen?
Da bevorzugen wir Schnelltests, da die Labore ohnehin schon überlastet sind. Wir empfehlen im Fall eines Kontakts mit einer infizierten Person, fünf Tage lang täglich einen Schnelltest zu machen. So lange dauert etwa die Inkubationszeit. Auch wenn die Corona-Warn-App rot ist, dürfte man einen PCR-Test bekommen. Auch hier empfehlen wir aufgrund der Laborsituation, lieber drei bis fünf Tage lang einen Schnelltest zu machen.
Wenn die PCR-Tests priorisiert werden, was hieße das für Ihr Angebot?
Zu uns kommen hauptsächlich Familien mit Kindern oder Menschen, die sehr engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten. Die würden meines Wissens alle wegfallen. Ob sich der Aufwand, je nachdem ob und wie sich die Testverordnung ändert, dann noch lohnt, muss man abwarten.
Wie viele Tests macht die DLRG so im Schnitt pro Öffnungstag?
Etwa 40 bis 50 PCR- und 20 bis 30 PoC-Tests.
Merken Sie, dass Laborkapazitäten knapp und Rücklaufzeiten länger werden?
Ganz selten kam das Ergebnis mal nicht an den folgenden ein bis zwei Tagen, sondern erst drei Tage später. Aber das ist eher die Ausnahme. In der Regel liefern die Labore schnell die Ergebnisse.
Gegen Ende des Jahres war die Stimmung bei den Testzentren sehr angespannt, Nutzer waren ungeduldig und gereizt. Hat sich das geändert?
Definitiv. Es gibt inzwischen ja enorm viele Möglichkeiten, sich testen zu lassen. Zu Beginn haben in Frankenthal nur Hilfsorganisationen und kommunale Einrichtungen Corona-Tests angeboten.
Ist es gut oder schlecht, dass inzwischen an jeder Ecke ein Abstrich gemacht wird?
Prinzipiell ist es gut, dass das Angebot größer ist. Allerdings nutzen einige die Situation aus, um schnell und einfach viel Geld zu machen. Das Problem: Es gibt viel zu wenig Personal, das die Testzentren prüft. Ob die Zahlen dann alle so stimmen? Ich weiß es nicht.
Wie kann man denn in dem Bereich betrügen?
Den Teststellenbetreibern wird es leider viel zu einfach gemacht. Jeder, der ein kleines Gewerbe hat, und auch jeder Verein kann ein Testzentrum anmelden. Die Testzahlen werden am Monatsende über ein Onlineportal übermittelt, anschließend wird das Geld auf das hinterlegte Konto überwiesen. Im Falle einer Prüfung würde die Anzahl der gemeldeten Tests mit der Anzahl der unterschriebenen Einverständniserklärungen der Testpersonen verglichen, die vier Jahre lang aufbewahrt werden müssen. Aber ob so eine Prüfung je stattfindet? Betrüger haben aus meiner Sicht hier leichtes Spiel.
Sie arbeiten bei der DLRG mit Ehrenamtlichen. Welche Kosten, welche Einnahmen haben Sie?
Aktuell bekommen wir acht Euro pro Test. Wenn man das Material selbst besorgt, gibt es nochmal 4,50 Euro pro Test dazu. Wir beziehen unsere Abstriche über die Stadt. Was wir selbst kaufen, sind Kleinigkeiten wie Desinfektionsmittel. Das Geld, das wir für das Testangebot bekommen, investieren wir in Absprache mit den Mitgliedern in unseren Verein. Wir haben zum Beispiel für die Schwimmausbildung Bretter und Tauchringe gekauft und Ausrüstung für Wasserrettungseinsätze beschafft. Letztlich kommt das Geld also auch der Allgemeinheit zugute, weil wir durch neues Material eine bessere Ausbildung gewährleisten können und in Notfällen die nötigen, modernen Rettungsmittel haben.
Ihre Prognose: Wie lange werden wir überhaupt noch Tests benötigen?
Solange die Infektionszahlen hoch bleiben oder immer noch weiter ansteigen, erwarte ich hier keine Änderung. Interview: Sonja Weiher
Zur Person
Max Leppla, ist als Leiter Einsatz mitverantwortlich für das Testangebot der DLRG-Ortsgruppe Frankenthal. Der 30-Jährige ist seit seiner Geburt Mitglied bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, seit etwa acht Jahren engagiert er sich aktiv. Leppla arbeitet als Softwareingenieur beim Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB.
Kontakt
Das Testzentrum der DLRG in der Mörscher Straße 93 ist montags, 16 bis 19 Uhr, mittwochs, 16 bis 19 Uhr, freitags, 16 bis 19 Uhr, und sonntags, 10 bis 12 Uhr geöffnet. Wer sich testen lassen will, muss sich auf der Webseite https://testzentrum-frankenthal.de anmelden.
