Fussball
Oberligist Wormatia Worms bastelt am Kader für die neue Saison
Als noch eine Liga mit 21 Mannschaften im Raum stand, war der Wormser Wunsch klar: eine Runde mit allen Teams. Auch da „wäre es natürlich eine Herausforderung“ gewesen, so viele Spieltage zu bestreiten, gesteht der Sportliche Leiter Norbert Hess. Gleichzeitig verweist er aber auf das Frühjahr, in dem auf Kunstrasenplätzen problemlos gespielt werden könne. Und englische Wochen stünden ja grundsätzlich auch zur Verfügung: „Da könnten die Derbys gespielt werden.“
Können sie jetzt auch, aber eben in einer Runde mit zwei Staffeln mit jeweils zwölf Mannschaften. Für die Wormatia ein akzeptabler Kompromiss. Wormatia-Coach Kristjan Glibo erinnert an das auf einer Videokonferenz eingeholte eindeutige Stimmungsbild der Oberligisten aus der Vorsaison, die sich für einen Aufstieg ausschließlich des besten Verbandsliga-Vizemeisters ausgesprochen hatten. Offenbar stimmten einige Klubs aber dann doch anders ab, mutmaßlich wegen neuer Derbys an Mittelrhein, Mosel und Saar. Zudem wollten die Landesverbände Rheinland und Saarland ihre – andernfalls durch den Rost fallenden – Zweitplatzierten pushen und warfen ihre allein nicht mehrheitsfähigen, aber durchaus großen Stimmenblöcke in die Waagschale für das Modell „alle Vizemeister hoch“.
Hess: Nord-Staffel stärker
Und so spielt Wormatia im Süden zusammen mit Lokalrivale TSG Pfeddersheim, den Vorderpfälzern Arminia Ludwigshafen, FC Speyer, TuS Mechtersheim und FV Dudenhofen sowie den sechs Saarländern FSV Jägersburg, FV Eppelborn, SV Elversberg II, Röchling Völklingen, FC Hertha Wiesbach und FV Diefflen. Aus dem Weg geht man zunächst den „Nordlichtern“ 1. FC Kaiserslautern II, SV Gonsenheim, Hassia Bingen, Alemannia Waldalgesheim, FC Karbach, TSV Emmelshausen, FV Engers, Sportfreunde Eisbachtal, SG 2000 Mülheim-Kärlich, TuS Koblenz, FSV Salmrohr und Eintracht Trier.
„Der Norden ist vom Papier her einen Tick stärker, dafür haben wir uns ohne die Top-Gegner wirtschaftlich ein bisschen schlechter gestellt“, skizziert Hess. Er muss auf die zuschauerträchtigen Duelle gegen die Rivalen aus Kaiserslautern, Koblenz und Trier verzichten. Dafür muss die Wormatia aber auch weniger weit fahren.
Fahndung nach Neuzugängen
Vor etwaigen Auswärtsfahrten muss die Wormatia aber erst noch nach ein paar Neuzugängen fahnden. Zwar bleibt ein gewisses Kader-Grundgerüst aus der Vorsaison. Zudem verlängerten der regionalligaerfahrene Offensivmann Luca Graciotti sowie Linksverteidiger Kazuki Kamikawa. Davon abgesehen aber gibt es bis dato weniger Zu- als Abgänge.
Über einen Abgang ärgern sie sich an der Alzeyer Straße besonders. Der regionalligaerfahrene Keeper Niklas Reichel wechselt in die Regionalliga zu Bayern Alzenau. Und das, obwohl Hess nach dem Angebot der Wormaten noch recht optimistisch war.
Auf Torwartposition nachgebessert
Auf der Torhüterposition hat die Wormatia aber mittlerweile nachgebessert: Lukas Mai kommt vom Oberligisten Pforzheim. Der 20-Jährige startete seine Karriere bei der TSG Hoffenheim und wechselte dann zum Karlsruher SC, wo er in der U17- und U19-Bundesliga zum Einsatz kam. Und er soll noch Konkurrenz bekommen. „Wir werden noch einen weiteren Torhüter verpflichten“, kündigt Norbert Hess an.
Im Einvernehmen getrennt hat sich Wormatia dagegen von Perric Afari, der sich erst in der Regional- und dann auch in der Oberliga nicht durchsetzen konnte. Wiederum „gerne behalten“ hätte Hess zwei andere: Einerseits Flügelspieler Filimon Gerezgiher, der im Sommer Trainer Glibo aus Sandhausen gefolgt war und überzeugte. „Fili ist der geplante Umzug nach Worms leider nicht gelungen, er wohnt nach wie vor in Stuttgart. Entsprechend hoch ist für ihn der Trainingsaufwand und für den Verein der finanzielle Mehraufwand. Das ist leider eine schwierige Basis für eine sinnvolle Zusammenarbeit“, erklärt Hess.
Keine Einigung mit Ogorodnik
Auch Andrej Ogorodnik wird nicht mehr das Wormatia-Trikot tragen. Der 22-jährige Innenverteidiger fasste nach langer Verletzungspause wieder Fuß und stand in der abgebrochenen Saison bei 18 seiner 19 Oberligaeinsätze in der Startelf. Nach einem Jahr hat der Saarländer die Wormatia nun wieder verlassen. „Wir konnten uns letztlich nicht einigen“, meint Hess.
Vor diesem Hintergrund suchen die Wormser auch eben nicht nur fertige, sondern gerne auch Kicker mit Perspektive. Zwei davon haben sie in den vergangenen Wochen in Hessen gefunden: Noel Eichinger und Adrian Kireski. Aus der U19 des Zweitliga-Absteigers SV Wehen Wiesbaden kommt der 1,82 Meter große Rechtsfuß Noel Eichinger zur Wormatia. „Noel ist ein 1:1-Spieler, erkennt die Räume, hat Tempo und ein gutes Gesamtpaket“, findet sein Coach.
Kireski kommt von Rot-Weiß Darmstadt
Im Gegensatz zu Eichinger hat der 19 Jahre alte Kireski sein erstes Seniorenjahr schon erfolgreich hinter sich: Bei Verbandsligist Rot-Weiß Darmstadt war er in der Defensive unumstrittener Stammspieler und stand bei allen 20 Einsätzen in der Startelf. Dort hatte der Rechtsfuß auch seine Laufbahn begonnen, ehe er ab der D-Jugend beim aktuellen Zweitligisten SV Darmstadt 98 spielte. „Er kann Innenverteidiger, Rechtsverteidiger oder auf der Sechs spielen. Adrian ist klar im Kopf und robust, hat ein gutes Tempo und eine gute Einstellung.“ Das wird bei der Wormatia mehr denn je wertgeschätzt.
Der dritte Neuzugang aus Hessen wäre Filip Pandza gewesen. Der Vertrag mit dem 20-jährigen Deutsch-Kroaten, der in der vergangenen Spielzeit auf 13 Oberligaeinsätze bei Rot-Weiß Hadamar kam, wurde aber in beiderseitigem Einvernehmen wieder aufgelöst, da es bei dem Stürmer laut Wormatia kurzfristig eine private Veränderung gegeben habe, wegen der er nicht mehr regelmäßig am Training teilnehmen könne.