Frankenthal
OB-Kandidaten wollen Kultur in der Stadt hochhalten
„Kultur muss für alle da sein und als Chefsache ganz oben angedockt werden“, unterstrich Aylin Höppner (SPD). Sie plädierte für „breit aufgestellte Angebote“ und will die freiwilligen Leistungen der Kommune gegenüber der Aufsichtsbehörde verteidigen. Mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten sah Nicolas Meyer (FWG) noch Luft nach oben. Er könne sich ein Forum für Nachwuchskünstler und eine Kreativwerkstatt gut vorstellen. Allerdings sei es nicht so einfach, in vorhandene Strukturen hineinzukommen. Hierzu bedürfe es eines gut vernetzten Kulturmanagers.
„Kultur ist Lebensmittel für die Menschen und Bildung“, formulierte Bernd Knöppel (CDU). In der Kommunikation zwischen den Kulturschaffenden und der Verwaltung müsse einiges verbessert werden. In einem Kulturbeirat könnten die Kräfte gebündelt werden, befand er. Ein zukunftssicherer Standort für das Kulturzentrum Gleis 4 liege ihm am Herzen. Knöppel hielt es für vertretbar, die Förderung kultureller Einrichtungen maßvoll zu erhöhen. Etwas zurückhaltender gab sich Grünen-Kandidat Immanuel Pustlauck. „Wir sollten möglichst viel Kultur mit den vorhandenen Mitteln fördern.“ Er sei froh, dass nach Corona „die Lokomotive wieder in Schwung kommt“. Eine absolute Bereicherung des Angebots sah er in den großen Opernaufführungen im Lux-Kino-Center.
Ideen aus dem Publikum
TAW-Leiter Jürgen Hellmann, der das gut zweistündige Frage-Antwort-Spiel locker und kurzweilig moderierte, ließ auch das Publikum zu Wort kommen. Dass sich die Frankenthaler Vereine das Congress-Forum (CFF) als Veranstaltungsort nicht mehr leisten können, wurde beklagt. Für Nicolas Meyer ebenfalls „ein wunder Punkt“. Dazu merkte Bernd Knöppel an, dass das CFF als GmbH Gewinne erwirtschaften müsse. Als Alternative brachte er die Aula der Gymnasien ins Spiel. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Kultur in der Innenstadt werde völlig vernachlässigt, das Standortmarketing müsse dringend professionalisiert werden. Die Vorschläge, das Frankenthaler Porzellan exponierter ins Licht zu rücken und die Erkenbertruine beispielsweise durch eine Überdachung aufzuwerten, nahmen die OB-Bewerber interessiert zur Kenntnis.
Wie sie in jungen Jahren mit Kultur in Berührung gekommen seien, wollte Jürgen Hellmann von den vier Kommunalpolitikern wissen. Immanuel Pustlauck ist bei einem frühkindlichen Malkurs durch „expressive Farbauswahl“ aufgefallen. Nicolas Meyer hat sich mit Seidenmalerei versucht, zumal Blockflöte nicht so sein Ding gewesen sei. Bernd Knöppel bekam „die volle Breitseite der Klassik“ ab und erinnerte sich an das Kindertheater im alten Feierabendhaus. Und Aylin Höppner hat beim Jugendrotkreuz selbst Theater gespielt – in Pfälzer Mundart.
Kandidaten-Wahlplakate analysiert
Das kleine Quiz, bei dem Begriffe wie Bettsäächer, Schnorres, Kinnerschääs oder Iwwerzwersch ins Hochdeutsche übersetzt werden mussten, war für die SPD-Bewerberin daher ein Kinderspiel. Auch Pustlauck und Knöppel erwiesen sich als sattelfest. Nur der FWG-Mann mit der bajuwarischen Vergangenheit wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Aufschlussreich war auch die fachliche Analyse der Wahlplakate, die die Frankenthaler Künstlerin Uschi Freymeyer beisteuerte. Sie nahm Farbauswahl und Körpersprache der Kandidaten unter die Lupe und kam zu dem nicht ganz überraschenden Ergebnis, dass sich das Quartett sehr authentisch und mit positivem Spirit präsentiere.
Als Gründer der „Gemütlichen Musiker-Zunft“ lockerte Yo Allerdann den Abend mit Mundartsongs („Schiffschaukelbremser vum Holiday Park“) auf. Die von ihm propagierte Entschleunigung muss freilich den OB-Kandidaten nicht unbedingt als Maßstab für die Umsetzung ihrer kulturellen Agenda dienen.