Frankenthal
Intensivmedizin: Abrechnung seit Juli wieder möglich
Die intensivmedizinische Komplexbehandlung ist ein zentraler Punkt, der die Klinik seit Bekanntwerden der sogenannten Stadtklinik-Affäre im September vor mehr als drei Jahren beschäftigt: Nach Darstellung der Verwaltung und der von ihr beauftragten Berater und Gutachter sind über Jahre hinweg Fallpauschalen des Codes OPS 8-980 abgerechnet worden, obwohl das nicht hätte passieren dürfen. In diesem Zusammenhang ermittelt nach wie vor die Staatsanwaltschaft, ob strafrechtlich relevante Verstöße vorliegen.
Weil zusätzliche Ärzte eingestellt worden sind und der Medizinische Dienst der Krankenkasse grünes Licht gegeben hat, darf die Stadtklinik seit Juli wieder abrechnen – ein halbes Jahr früher als gedacht. In rund 70 Fällen ist das inzwischen passiert, erläuterte die Kaufmännische Direktorin Monika Röther dem Krankenhausausschuss vergangene Woche. Das hat zwar rund 965.000 Euro mehr Erlös in die Kasse gespült, dem stehen aber auch höhere Personalkosten gegenüber. Unterm Strich blieben bei der Klinik aber nur rund 200.000 Euro hängen.
Weniger geplante Operationen
Für Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste) warf das die Frage auf, ob der Ausbau dieser Leistung überhaupt noch sinnvoll und gewollt sei. „Das war doch früher einmal eine lukrative Angelegenheit“, wunderte er sich. Die knappe Antwort von Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) lautete: „Die Landschaft hat sich verändert.“
Was das konkret bedeutet, erläuterte Frank Schulz, seit Januar Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin in der Stadtklinik, anhand der Praxis. Alle Krankenhäuser in der Region hätten währen der Corona-Pandemie damit zu kämpfen, dass weniger geplante Operationen stattfänden. Man habe in der Vergangenheit häufiger Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen aus anderen Häusern übernommen. „Das findet in dieser Menge nicht mehr statt“, sagte Schulz.
Ein anderes Problem: Die volle Kapazität von zwölf Intensivbetten sei in diesem Jahr „nur an einer Handvoll Tage“ vorhanden gewesen. Im Schnitt hätten neun Plätze zur Verfügung gestanden, die dann für eigene Patienten der Stadtklinik gebraucht wurden, erklärte der Chefarzt. Dass die intensivmedizinische Komplexbehandlung einen leichten Überschuss bringe, sei gut. Wichtig sei aber, dass die für ihre Abrechnung geschaffenen Strukturen und Ressourcen die Qualität im Haus insgesamt verbesserten. Schulz: „Es ist eine Win-Win-Situation.“