Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Einstein-Gymnasium: Elternbeirat will wissen, wo’s klemmt

In den zurückliegenden Monaten hat der Ingenieur Ishak Kurt als Sprecher des Elternbeirats am Albert-Einstein-Gymnasium drei Mei
In den zurückliegenden Monaten hat der Ingenieur Ishak Kurt als Sprecher des Elternbeirats am Albert-Einstein-Gymnasium drei Meinungsumfragen angestoßen und mitbetreut.

Corona stellt Schulelternsprecher zuweilen vor ganz neue Herausforderungen. Ishak Kurt hat in seinem Ehrenamt am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) seit Ausbruch der Pandemie drei Umfragen gestemmt und so mit die Weichen gestellt für bisher unbekannte Unterrichtsmodelle.

Seit vier Jahren engagiert sich Kurt im Schulelternbeirat (SEB) am AEG, seit zwei Jahren leitet er das Gremium. Dass Elternvertreter vor Corona hauptsächlich als Organisatoren von Schulfesten gebraucht wurden und dass sie seit nunmehr fast 14 Monaten als Bindeglied und Puffer zwischen Schule und besorgten Eltern dringend benötigt werden – diese Erfahrung teilt er mit Kollegen an anderen Schulen.

Sehr deutlich erinnert sich Kurt an den Freitag, als am Erweiterungsbau des AEG am Parsevalplatz die geschmückte Richtglocke hochgezogen wurde. Das Richtfest am 13. März 2020 war bereits überschattet von den Schlagzeilen über die Schulschließungen ab dem darauffolgenden Montag, aber die Eltern waren darüber von den Schulen ihrer Kinder noch nicht informiert worden. „Das war ein Krimi“, berichtet Kurt rückblickend. Und setzt hinzu, dass der zähe Informationsfluss aus dem Bildungsministerium Müttern und Vätern auch in den darauffolgenden Monaten sauer aufstieß. Zuletzt mussten sich Familien im April, als in Frankenthal die Inzidenz-Zahlen über 100 lagen, im Laufe eines Wochenendes auf neuerlichen Fernunterricht einstellen.

Gesamtbild statt Beschwerden Einzelner

Den Frust der Eltern bekamen zunächst die Sekretärinnen der mit 1400 Schülern größten Schule Frankenthals zu spüren. „Sie wurden mit Beschwerden förmlich bombardiert.“ Auch bei Kurt und seinem rund 20-köpfigen Beirat landeten per Telefon und Mail die Ängste der Familien. Kurt will sich seit Ausbruch der Pandemie ein Gesamtbild der Nöte von Eltern und Schülern machen. Kritik und Beschwerden Einzelner reichten dafür nicht aus. Der Ingenieur, der bei der BASF in Ludwigshafen arbeitet, startete daher vor den Sommerferien 2020 eine repräsentative Meinungsumfrage.

Den Katalog mit 49 Punkten beantworteten 450 Eltern. „Die Resonanz zeigte mir, wie wichtig die Umfrage war“, betont der 47-jährige vierfache Familienvater. So zeigte sich etwa, dass Jugendliche in der Orientierungsstufe beim Fernunterricht mehr an die Hand genommen werden müssen als Schüler der Mittel- und Oberstufe. Oder dass die Lernplattform Moodle nicht das elektronische Pendant zum herkömmlichen Hausaufgabenheft mit täglich neu eingetragenen Arbeitsaufträgen sein darf. Gewünscht wurde von den Eltern ein Arbeitspensum, das am Anfang jeder Woche auf Moodle erscheint, damit sich die Schüler ihre Zeit einteilen können. Die Ergebnisse der Umfrage flossen im neuen Schuljahr ein in den Leitfaden des AEG zum Distanzunterricht.

Stimmungsbarometer der Schüler

Im Februar initiierte Kurt ein „Stimmungsbarometer zum digitalen Unterricht“, das sich an die Schüler richtete. Hier war ein Wunsch, dass nicht jede Unterrichtsstunde als Videokonferenz abgehalten werden sollte. Die Schüler plädierten für maximal zwei Konferenzen pro Tag, mit Schwerpunkt auf Hauptfächer und Sprachen. Die Lernplattform sollte übersichtlicher werden, außerdem fanden die Mittelstufen das Lernpensum zu hoch, während in der Oberstufe besonders in Leistungskursen mehr Aufgaben gewünscht wurden.

Umfrage Nummer drei war ein Gemeinschaftsprojekt der Schulelternsprecher von Frankenthals weiterführenden Schulen. Sie wollten herauszufinden, ob Verkehrswege und Buslinien besser organisiert und vertaktet werden können. Rund 1200 Schüler lieferten im Dezember Vorschläge dazu. Eine Auswertung der Verkehrsumfrage soll die Stadtverwaltung im Juni erhalten. Was Kurt jetzt schon sagen kann: „Es gibt viel zu tun, um die Verkehrssituation zu verbessern. Wir wollen, dass dies nachhaltig geschieht.“ Die Umfrage sei so konzipiert, dass sie jedes Jahr wiederholt und auf den aktuellen Stand gebracht werden kann. Ein Beispiel: „Es kann gut sein, dass in einem Jahr zwei Busse nötig sind, die Heßheimer Schüler zu Frankenthaler Schulen bringen. Im nächsten Jahr reicht vielleicht ein Bus aus“, sagt Kurt.

Die nächsten Ziele des SEB-Sprechers: Die Homepage des AEG neu gestalten und sich enger mit Schülervertretern, Klassenelternsprechern und Fachschaften vernetzen. „Je mehr Informationsquellen ein Schulelternbeirat hat, umso besser klappt die Zusammenarbeit mit der Schule.“

Serie

Sie sind Sprachrohr der Eltern und zuweilen Prellbock zwischen Lehrern und Familien: Elternvertreter sind gerade in diesen Tagen wichtig. Wir haben an fünf Schulen nachgefragt, was Müttern und Vätern derzeit unter den Nägeln brennt.

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