Karate RHEINPFALZ Plus Artikel Aleksandar Blagojevic kämpft in Kroatien um EM-Medaillen

Traut dem jungen deutschen Team einiges zu: Aleksandar Blagojevic.
Traut dem jungen deutschen Team einiges zu: Aleksandar Blagojevic.

Poreč gilt laut Internet als malerischer Badeort an der Küste der Halbinsel Istrien im Westen von Kroatien. Doch in diesen Tagen ist für einige Gäste des Ortes weniger die malerische Landschaft von Interesse. Die besten Karateka Europas suchen hier ihre Meister. Mit dabei: Aleksandar Blagojevic vom 1. Shotokan Karateclub Frankenthal.

Endlich mal raus: Zum ersten Mal seit rund anderthalb Jahren sehe er jetzt endlich mal was anderes, meint Aleksandar Blagojevic. Es habe sich gut angefühlt, endlich mal wieder im Flieger zu sitzen, als nur zu Hause zu sein. „Das Wetter ist nicht so toll. Aber wir sind ja auch nicht zum Spaß hier“, sagt der 24-Jährige und lacht.

Und doch genießt er die Reise nach Kroatien. „Wir hatten am Dienstag nach dem Wiegen und der Registrierung etwas Freizeit. Man konnte in ein Café gehen, sich an einen Tisch setzen und etwas trinken“, erzählt er. Das sei ein ganz neues Gefühl gewesen. Für den Kopf sei diese etwas entspanntere Atmosphäre gut. Das Meer, die Luft – das alles mache es etwas lockerer.

Corona-Alltag in der Halle

Man merke, dass die Leute in Poreč viel Erfahrung mit Touristen aus Deutschland haben. „Die Lage ist super, direkt am Meer. Fast jeder spricht deutsch. Wir werden überall super empfangen“, erzählt Blagojevic.

Aber so sehr das auch nach Normalität klingt, sobald es an das Thema Sport – in diesem Fall Karate – geht, wird man wieder zurückgeholt in den Corona-Alltag, den man von zu Hause aus kennt. „In die Halle dürfen nur die Athleten, die auch zum Kampf auf die Matte müssen“, berichtet er von den Rahmenbedingungen. Dazu kommen jeden Tag die fast schon obligatorischen Schnelltests, Masken müssen getragen werden. „Das ist wie zu Hause. Und die Corona-Maßnahmen sind ja auch richtig“, bekräftigt Blagojevic. Und neu ist das auch nicht. Beim Trainingslager vor der Europameisterschaft in Duisburg habe er nur Hotel und Trainingshalle gesehen.

Unterstützung von Tribüne fehlt

Keine Unterstützung von den Tribünen – das werde ihm fehlen. „Ich gehe da eher drin auf.“ Immerhin: Blagojevic kämpft in der Kumite-Mannschaft. Das bedeutet, dass die fünf Kämpfer und die Trainer mit dabei sind am Mattenrand. „Das ist wenigstens ein bisschen Motivation“, meint der 24-Jährige.

Kumite, das bedeutet Vollkontakt. Schläge mit der Faust gegen Kopf, Rumpf, Rücken und Beine sind ebenso erlaubt wie Tritte mit dem Fuß. Nicht gestattet seien beispielsweise Schläge mit der offenen Hand, in die Weichteile, in die Augen oder Tritte mit dem Knie. Klar passiere es, dass mal ein Schlag ausrutsche, dann gebe es eine Strafe bis hin zur Disqualifikation. Sich selbst beschreibt Blagojevic als harten Kämpfer. Er arbeite am liebsten mit Würfen oder Faustschlägen zum Kopf.

Auftakt gegen Polen

Sieben Kämpfer gehören zum Team. Fünf gehen dann an den Start, zwei sind die Ersatzleute. Eigentlich sei er gesetzt, sagt Aleksandar Blagojevic. Aber der Trainer könnte auch einem Athleten mal eine Pause geben. Der Auftakt für das deutsche Team ist am Donnerstag gegen Polen. „Ein machbarer Gegner“, sagt Blagojevic, der Verfahrenstechnik in Mannheim studiert.

Ziel sei die Eliminierungsrunde ab Freitag. Am Wochenende geht es dann um die Medaillen. Da könnte die deutsche Mannschaft nach Blagojevics Einschätzung durchaus ein Wörtchen mitreden. Allerdings: Gegner am Freitag könnte schon Frankreich sein. Die Franzosen zählt der Frankenthaler Kämpfer ebenso zum Favoritenkreis wie die Türkei und Aserbaidschan.

„Würde uns nicht abschreiben“

„Wir sind eher eine unscheinbare Mannschaft. Wir haben noch keine großen Namen“, meint Blagojevic. Das Team sei im Umbruch. Zwei Kämpfer, die schon über 30 Jahre alt sind, wollten die Karriere bald beenden. Ziel sei es, eine junge, schlagkräftige Truppe im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Dubai aufzubauen. „Aber ich würde uns nicht abschreiben. Mal abwarten“, meint er vielsagend.

Auch wenn es Mannschaftskampf heißt, am Ende steht jeder alleine auf der Matte. Drei Minuten dauert ein Kampf. „In denen muss man so viele Punkte oder wertbare Techniken holen, wie möglich.“ Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Zum Sieg im Teamkampf braucht man drei Zähler.

„Kämpfe wie Schach“

„Ich vergleiche die Kämpfe immer gerne mit Schach. Man muss den Angriff so aufbauen, dass ihn der Gegner nicht durchschaut“, erläutert Blagojevic die Kampftaktik. Jeder habe selbstverständlich seine Lieblingstechniken. „Die muss man dann so verpacken, dass es ein schönes Päckchen gibt. Aber eins, dass dem Gegner nicht gefällt“, erklärt der Kämpfer.

Die Chemie im Team stimme. „Wir sind alle privat befreundet. Da zeigt dann auch jeder auf der Matte vollen Einsatz.“ Und wenn man doch mal verlöre, seien da ja noch die vier anderen Kämpfer, die das ausgleichen könnten. „Aber man will das Team nicht enttäuschen.“ Am liebsten kämpfe er am Anfang oder in der Mitte. Aber wenn ihn der Trainer auf den hinteren Positionen einsetze, sei das auch kein Problem. Mit dem Druck komme er klar.

Aleksandar Blagojevic ist ein alter Hase, was Europameisterschaften angeht. Allerdings war er bei seinen bisherigen Einsätzen immer im Einzel am Start. Der Teamwettbewerb ist für ihn eine Premiere. Es sei eine Ehre, mit dem Adler auf der Brust das Land zu vertreten. Aufgeregt sei er aber nicht. „Vor dem Gang auf die Matte kommt vielleicht ein kurzes Kribbeln“, meint er.

Wie Aleksandar Blagojevic und Co. abschneiden, kann man im Livestream verfolgen. Den Link gibt es über die Homepage der Europameisterschaften.

Im Netz

  • http://karateporec2021.com/
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