Tennis
TC Bolanden: Der Kampf gegen das Verschwinden eines Clubs
Seit 1988 spielte man beim TC Bolanden Tennis. Damals, als Steffi Graf und Boris Becker von Erfolg zu Erfolg eilten. Zwei Plätze wurden, vor allem in Eigenleistung, gebaut, immer noch fließen etliche Stunden Arbeit in die Pflege nach dem Winter und über die Sommermonate hinweg, berichtet Benno Hauck. Bei gleichzeitig immer weniger Helfern. Hauck gehörte zu den Gründungsmitgliedern, schon kurz darauf „hatten wir 48 Mitglieder“. Der Club wuchs, doch viele Spieler haben den Schläger längst dauerhaft aus der Hand gelegt. Von früher einmal 138 Mitgliedern sind noch 16 übrig. „Damals haben wir überlegt, noch einen dritten Platz zu bauen. Zum Glück, muss man heute sagen, haben wir es nicht gemacht“, erzählt Hauck.
Die beiden Tennisplätze, angrenzend an den Fußballplatz des TuS Bolanden, hält er mit wenigen Helfern in Schuss. Denn einmal pro Woche trifft sich in den Sommermonaten eine kleine Gruppe zum freien Spiel. „Es sind nur noch sieben Leute, die spielen. Diejenigen, die jetzt noch im Verein sind, das sind die Enthusiasten.“ Auch ein kleines Vereinsheim mit Duschen und Küchenzeile ist auf dem Gelände in Nähe zu den zwei Courts errichtet worden. Zwei Plätze, genau so viele benötigt es laut Vorgabe des Tennisverbandes Pfalz, um mit einer Mannschaft am Spielbetrieb teilnehmen zu können. Doch die Medenrunde in Bolanden ist bereits Geschichte. „Wir hatten immer eine Frauen- und eine Männermannschaft, haben bis vor etwa zehn Jahren an der Medenrunde teilgenommen“, erzählt Hauck. Dann war Schluss.
Zu viele Spieler hören auf
Die Tennislandkarte weist bereits einige weiße Flecken im Umkreis auf, Stetten hatte einst einen eigenen Club, auch in Marnheim, Alsenz oder Börrstadt wurde gespielt. „Bei vielen ist schon seit zehn Jahren nichts mehr“, sagt Benno Hauck, der sich noch an die Plätze in Stetten erinnert. „Die waren auch am Fußballplatz, heute sind dort Parkplätze“, sagt er. Er erkennt einen allgemeinen Trend. Nach dem großen Tennis-Boom sei das Interesse zunehmend geringer geworden, viele Spieler hörten auf, aus der Jugend kamen immer weniger nach. Dabei gab es lange Zeit Nachwuchstraining beim TC Bolanden, vier Trainer hatte der Verein. „Die meisten Spieler haben dann irgendwann komplett aufgehört“, erzählt Hauck. Die Ganztagsschule, veränderte Arbeits- und Freizeitgewohnheiten sieht er auch als Ursachen dafür, dass viele Vereine zu kämpfen haben. Viele Jugendliche und auch Erwachsene haben „zu viel“, da bleibe zwangsläufig etwas auf der Strecke. „Wir haben alles versucht, haben teilweise kostenloses Jugendtraining angeboten oder es sogar damit probiert, dass man eine Saison bei uns kostenlos spielen konnte“, sagt Hauck. Doch nachhaltig habe keine Maßnahme wieder mehr Leute in den Verein gebracht.
Gespräche mit dem TuS
Doch Hauck will auf keinen Fall, dass das Kapitel Tennis in Bolanden vollständig endet. „Wir haben den TuS deshalb gefragt, ob sie uns aufnehmen würden. Die Idee ist es, dass diejenigen Fußballer, die irgendwann mal aufhören zu spielen, dann auf den Plätzen Tennis spielen können“, erklärt Hauck. Das sei vielleicht wieder eine Möglichkeit, mehr Menschen für den Sport zu begeistern, die Plätze nicht brachliegen zu lassen. „Der Vorstand des TuS und wir haben uns schon geeinigt. Das Gelände gehört der Gemeinde, die daher zustimmen musste“, sagt Hauck. Bei einer Ratssitzung in Bolanden Ende August fassten die Mitglieder den Beschluss einstimmig. Auch Oliver Rech, Vorsitzender des TuS Bolanden, bestätigt auf RHEINPFALZ-Nachfrage „die Bereitschaft, den Tennisverein als Abteilung dazuzunehmen“. Der TuS ist ein Mehrspartenverein, bietet Tischtennis und Kinderturnen an, die Fußballer spielen in der B-Klasse.
„Wir setzen uns jetzt mit dem TuS zusammen und besprechen die Übernahme des Geländes. Auch unser Vereinsvermögen geht dann an den TuS. Die Integration soll Ende des Jahres abgeschlossen sein“, berichtet Hauck von den nächsten Schritten, um das Tennispflänzchen weiter am Leben zu halten. Denn: „In drei Jahren würde man den Platz nicht mehr sehen, der wächst ganz schnell zu, wenn man nichts macht.“ Für Hauck selbst wäre es nur allzu traurig, würde auch sein Club endgültig von der Tennislandkarte verschwinden.
Zur Sache: Austritte und aktuelle Tennisvereine im Donnersbergkreis
Der TC Bolanden ist kein Einzelfall. Der Tennisverband Pfalz hat in den vergangenen Jahren einige Austritte von Vereinen aus dem Donnersbergkreis registriert, wie er auf Anfrage mitteilt: AGTSV TA Ramsen (2015), TC Albisheim (2016), TC 1989 Marnheim (2011), TuS TA Stetten (2008), TuS 1894/1919 TA Alsenz (2009), SV TA Börrstadt (vor 2003), TC „Kleine Kalmit“ Ilbesheim (2021) und eben auch den TC Bolanden (2018), der sich vom Spielbetrieb abgemeldet hat. Zu den aktuell noch beim Verband registrierten lokalen Vereinen zählen laut TVP der TC Eisenberg, die SG 1910 TA Violental Bubenheim, der TC 1988 Dreisen, TC Göllheim, TC 1986 Ottersheim, TC BW Zellertal, TC Kirchheimbolanden, TC 1986 Morschheim, TC 1990 Gundersweiler, TuS Landsberg, TA Obermoschel, TC 1964 Rockenhausen, TC Winnweiler und TC 1989 Dannenfels.