Donnersberger Begegnung
Luise Busch: Eine Frau für alle Fälle
Sie sei keine Hausfrau, sondern eine „Aus-Frau“. Das hatte ein Nachbar einmal augenzwinkernd über Luise Busch gesagt. Eine Anspielung darauf, dass sich die heute 82-Jährige nur selten ausschließlich Haus und Hof widmete, ihre Aufgabe immer darin sah, ihr Lebensumfeld zu gestalten, anzupacken und auf unzähligen Ebenen meinungsstark und wo nötig auch konfliktbereit mitzumischen. Als SPD-Frau im Stadtrat Rockenhausen und im Kreistag, im Arbeitskreis „Aktiv gegen rechts“, bei der „Tafel“, in der Flüchtlingsarbeit und nicht zuletzt als Lehrerin und Leiterin der Grundschule Winnweiler – wo immer es wichtig war, ließ Luise Busch sich für die Sache einspannen – , und wo immer es nötig war, übernahm sie Verantwortung.
Kreis als Gesamtheit gesehen
Aus der Kommunalpolitik hat sich Luise Busch nach der letzten Kommunalwahl zurückgezogen. „Ich habe das sehr gerne gemacht, aber irgendwann war es dann auch genug“, sagt sie. Antrieb sei für sie gewesen, den Kreis als Gesamtheit zu stärken. „Natürlich haben sich die Dinge auf beiden Seiten des Donnersberges unterschiedlich entwickelt, dafür hat ja schon alleine die Autobahn gesorgt“, so Busch. „Aber ich habe immer dafür gekämpft, dass der Westkreis nicht geschwächt wird“. Das herausragende kulturelle Angebot in Rockenhausen gilt es ihrer Auffassung nach deshalb unbedingt zu erhalten. „Das ist das Alleinstellungsmerkmal von Rockenhausen. Darauf kann man stolz sein, und ich hoffe sehr, dass es nicht irgendwann aus Kostengründen eingespart wird.“
In ihre Zeit als Stadträtin in Rockenhausen fiel auch die Gründung des Arbeitskreises Kahnweilerhaus. Von ihr als einstiger Stadtbeigeordneten mit dem Schwerpunkt Kultur ins Leben gerufen, wird er ehrenamtlich betrieben. Luise Busch will noch so lange wie möglich aktiv mitwirken.
Immer und überall die Frauen im Blick
Angetrieben von dem Wunsch, sich aus den Zwängen einer Männergesellschaft zu befreien, war die „Frauenarbeit“ für Luise Busch in all ihren Ämtern und Wirkungsstätten herausragender selbstgewählter Auftrag. „Ich habe auch im privaten Umfeld immer wieder Frauen ermutigt, sich in der Politik einzubringen, mitzumischen, ihre Meinung zu sagen und sich endlich auch etwas zuzutrauen“, so Busch. Die Frauenquote in Politik und Wirtschaft ist darum bis heute eine Herzensangelegenheit für sie.
Weitreichender Schritt in ihrer „Frauenbewegtheit“ war für Busch die Gründung des Frauenhauses im Jahr 1989, die sie gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreiterinnen erreichte. Sie schlossen sich zu dem Verein „Frauen helfen Frauen“ zusammen, der seither Träger des Frauenhauses ist, und dessen Vorsitz Luise Busch bis zu diesem Sommer inne hatte. Ihnen verdanken heute, 30 Jahre später, mehr als 1000 misshandelte Frauen und Kinder eine erste Zuflucht vor ihren prügelnden Männern, die für viele schließlich zum ersten Schritt in ein neues Leben wurde.
Auch Gegenwind ausgehalten
„Ohne eine gehörige Portion Blauäugigkeit hätten wir das sicher nicht geschafft“, sagt Luise Busch rückblickend. Doch der Zeitgeist war ansteckend. „Frauenrechtlerinnen verschafften sich verstärkt Gehör, es wurden endlich Tabus gebrochen, endlich ließen sich die Frauen nicht mehr den Mund verbieten und wehrten sich gegen Ungerechtigkeiten“, erinnert sie sich. Doch ohne Gegenwind ging es natürlich nicht. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, es herrschte der Irrglaube, dass es Gewalt gegen Frauen im ländlichen Raum nicht gäbe“ – was durch Fallzahlen und Statistiken von Polizei und Anwälten allerdings schnell zu widerlegen war.
Als der formale Akt geschafft und der männerdominierte Kreistag dem Projekt zugestimmt hatte – „die wenigen Frauen in der Politik standen unserem Anliegen skeptisch gegenüber“ –, als diese Hürden genommen waren, musste ein passendes Haus gefunden werden. „Wir bauten ein kleines, gemütliches Nest “, erinnert sich Busch. „Dass viele dieser Frauen schon ihr ganzes Leben lang mit Aggression und Misshandlung zu tun hatten und dieses Verhalten manchmal auch mitbrachten, darauf waren wir zunächst nicht vorbereitet.“
An Heiligabend ging es los
Noch heute erinnert sich Luise Busch gut an die erste Aufnahme in dem Haus an Heiligabend im Jahr 1989. Damals kam eine junge Frau mit ihrem kleinen Jungen. An einem solchen Tag sein Zuhause zu verlieren, schien Luise Busch ein Alptraum. „Doch dann habe ich erfahren, dass die Erleichterung, von dem prügelnden Mann wegzukommen, für diese Frau viel größer war als jedes Heimweh“, so Busch.
Die Arbeit wurde mit den Jahren zu einem wichtigen Teil ihres Lebens. In diesem Sommer aber zog Luise Busch einen Schlussstrich und kandidierte nicht mehr für den Vorsitz im Verein. „Ich bin zwar fit, aber immerhin 82 Jahre alt, da muss man auch damit rechnen, dass es mal nicht mehr so geht“, sagt sie nüchtern.
Sie habe mit Marion Baumrucker eine sehr gute Nachfolgerin, die bereits seit Jahren aktiv im Vorstand ist. „Das ist eine Eingeweihte“. Auf die Jahre als Vorsitzende blickt sie mit großer Dankbarkeit zurück: „Ich hatte immer große Unterstützung von dem Team der aktiven Frauen und der Mitarbeiterinnen im Frauenhaus.“
Immer eine Zettelwirtschaft
Wie sie das alles geschafft habe in all den Jahren, das werde sie immer wieder gefragt, und frage sich auch manchmal selbst. „Ohne meinen Mann hätte das nicht geklappt“, gibt sie unumwunden zu. „Bei uns daheim gab es immer eine Zettelwirtschaft“, schmunzelt sie. Denn in Vor-Handy-Zeiten war ihr Mann es, der die zahlreichen Anrufe entgegennahm, während Luise Busch an abendlichen Sitzungen teilnahm.
Dass bei ihrem vielfältigen Engagement das Familienleben etwas unkonventioneller verlief, auch dazu steht Luise Busch. „Solange unsere Tochter daheim war, habe ich Wert darauf gelegt, dass wir einmal am Tag zusammen essen“, sagt sie. Allerdings war das nicht immer um die gleiche Uhrzeit.
Zu einem Stubenhocker, soviel ist sicher, wird Luise Busch aber auch in Zukunft nicht werden. Noch engagiert sie sich im Arbeitskreis Kahnweilerhaus, in der Flüchtlingshilfe und bei der Tafel. Und wenn tatsächlich mal nichts im Terminkalender steht, dann genießt sie auch das – und widmet sich manchmal voll und ganz Haus und Hof. „Unser Garten war in diesem Sommer so schön wie noch nie“, schmunzelt sie.