Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jahresausblick: „Es ist noch Geld für Bauherren da!“

Dieter Hartmüller
Dieter Hartmüller

In Göllheim steht in nächster Zeit einiges an. Vor allem größere Bauvorhaben sollen auf den Weg gebracht werden. Einfach ist das aber nicht, zumal die Pandemie immer wieder als Bremsklotz wirkt. Anja Hartmetz hat sich mit Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller unterhalten.

Herr Hartmüller, wie stehen die Dinge in Göllheim zu Beginn von Jahr drei der Pandemie?
Die Pandemie beeinflusst im Grunde genommen alles. Das Alltagsleben funktioniert nicht mehr so wie vor der Pandemie. Feste und Veranstaltungen der Vereine finden entweder gar nicht oder nur eingeschränkt statt. Auf diese Weise geht das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen verloren. Uns Bürgermeistern fehlen die Rückmeldungen der Bürger und die Gespräche mit ihnen. Stattdessen müssen wir uns immer wieder mit pandemiebedingten Fragen befassen: Wo kommt der Impfbus hin? Wo wird getestet? Wo geimpft? Wie können wir unsere Ratssitzungen veranstalten? Als Präsenzsitzung? Als Videokonferenz? Halb und halb? Solche Entscheidungen sind sehr schwierig und sehr unangenehm.

Sie haben in Göllheim derzeit einiges an Baumaßnahmen geplant. Wie sieht es da aus?
Das Baugewerbe kommt derzeit mit der Arbeit nicht nach. Diese Situation wird durch Corona noch verschärft. Geplante Baumaßnahmen verzögern sich, Planungsbüros sind völlig überlastet, es sind nicht ausreichend Handwerker zu kriegen, und die Preise gehen in die Höhe.

Wie wirkt sich das konkret aus?
Ein Beispiel: Wie wollen im Ortskern ein Haus abreißen. Das war ursprünglich mit 100.000 Euro veranschlagt, was wir schon als teuer empfanden. Mittlerweile sind aber die Gebote eingegangen, und das günstigste liegt bei 150.000 Euro. Also haben wir die Maßnahme ausgesetzt und wollen sie demnächst nochmal neu ausschreiben – in der Hoffnung, dass die Ausschreibungsergebnisse im Winter etwas besser sind. Wir als Gemeinde wollen auch Privatleute unterstützen, Göllheim ist ja schließlich im Städtebauprogramm, aber private Bauherren haben genau dasselbe Problem. Da gibt es teilweise Rückstaus von bis zu zwei Jahren. Andererseits sind die Zeiten für Private, die im alten Ortskern bauen oder sanieren, gerade sehr günstig, weil wir ihnen aus diesem Städtebauprogramm Zuschüsse anbieten können. Für 2022 haben wir noch mindestens 100.000 Euro zu vergeben. Wer Bedarf hat, sollte sich unbedingt bei der Bauabteilung der VG oder bei mir melden.

Sie haben sich ja, eben weil Sie das Städtebauprogramm umsetzen wollen, das Motto „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ gegeben, richtig?
Genau. Als Gemeinde müssen wir da auch am Ball bleiben. Deswegen würden wir auch gerne das eine oder andere Haus im Ortskern selbst übernehmen. Leider haben wir da im Moment nicht die besten Karten: Wir haben ein Haus, an dem wir Interesse haben, von einem Gutachter schätzen lassen. Er hat als Wert 40.000 Euro ermittelt, auf dem Immobilienmarkt angeboten wird es für mehr als 100.000 Euro. Da müssen wir uns als Gemeinde fragen: Was machen wir? Immerhin, es gibt auch ein paar gute Nachrichten: Wir haben ja den rückwärtigen Bereich des Rewe-Marktes abgerissen. Dort werden die Donnersberger Konzepte Wohnungen bauen. Für den vorderen Bereich hat der Eigentümer, der aktuell einen Pizza-Express im Ort betreibt, einen Bauantrag gestellt. Er will dort eine Pizzeria mit Eiscafé einrichten.

Für den Bereich rund um den neuen Marktplatz ist das doch eine gute Nachricht, oder?
Auf jeden Fall. Wir haben ja eigentlich schon hervorragende Lebensbedingungen im alten Ortskern: Bank, Apotheke, Zahnarzt, Allgemeinmediziner, Bäcker, Metzger. Wenn jetzt noch Gastronomie dazukommt – um so besser! Es gibt nur einen Wermutstropfen: Es kommen keine Einkaufsmärkte in den Ortskern. Die drängt es dahin, wo es bereits welche gibt, also an den Ortseingang Richtung Kreisel.

Stichwort neue Märkte. Wie stehen da die Dinge?
Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Erdarbeiten für den schon lange geplanten Aldi und für einen neuen Kik-Markt. In das jetzige Kik-Gebäude wird dann ein Tedi-Markt einziehen. Aldi möchte zwischen Ostern 2023 und Sommer gerne eröffnen.

Was haben Sie sonst noch in der Planung?
Aktuell laufen endlich die Ausschreibungen für den Kulturhof Behlen. Der soll in diesem Jahr fertig werden. Ebenfalls fertig werden soll der Parkplatz hinter dem ehemaligen Bauhof. Künftig soll es dort auch offiziell Wohnmobilstellplätze geben. Da dieser Parkplatz auch für die Begegnungsstätte und das Uhl’sche Haus gedacht ist, wird der Fußweg zum Uhl’schen Haus mit ausgebaut. Des weiteren haben wir zwei alte Häuser gekauft, in der Bauchgasse und der Judengasse. Die reißen wir ab und bauen Parkplätze – auf dem Gebiet haben wir noch ein Defizit. Schon fertig ist der Mehrgenerationenplatz. Die Seniorengeräte und die Skaterbahn stehen schon, Sitzplätze sollen noch kommen. Die offizielle Übergabe findet demnächst statt. Was uns auch schon eine Weile beschäftigt, ist die Begegnungsstätte im Haus Uhl. Hier wollen wir endlich die Planung abschließen.

Wie steht es mit den Baugebieten?
Wir rechnen damit, dass der Endausbau in Süd VIII im Frühjahr oder Sommer begonnen werden kann. Für Süd X war noch eine Änderung beim Hochwasserschutzkonzept nötig, hier warten wir noch auf die Genehmigung der SGD sowie auf die Ausführungsplanung, dann können wir hoffentlich bis Sommer mit der Erschließung beginnen. Der Quadratmeterpreis wird wohl bei 250 Euro liegen.

Das ist teuer.
Das stimmt. Das ist fast doppelt so viel wie im zuletzt erschlossenen Baugebiet Süd IX. Es liegt allerdings daran, dass die Erschließungskosten stark gestiegen sind und auf den Quadratmeterpreis umgelegt werden müssen. Übrigens ist Süd X wahrscheinlich das letzte Baugebiet mit vielen Einzelbauplätzen. Der Trend geht zu Mehrfamilienhäusern. Das ist auch gut so, weil so der Flächenverbrauch eingegrenzt wird. Übrigens werden wir dieses Jahr für den Straßenausbau auf wiederkehrende Beiträge umstellen, das ist jetzt gesetzlich vorgeschrieben. Davon betroffen sind auch die Baugebiete. Aber auch im Bereich Richtung Friedhof müssen dingend Straßen saniert werden, sonst bekommen wir einen Investitionsstau.

Wie weit ist der neue Kindergarten?
Wir sind aktuell an der Erstellung des Bebauungsplanes und bereiten parallel den Bauplan vor. Wir haben uns im Rat für eine nachhaltige und ökologisch hochwertige Modulbauweise entschieden. Auf diese Weise wissen wir von Anfang an, was das kostet und erleben keine unangenehmen Überraschungen. Außerdem haben wir eine schnellere Bauzeit: Weniger als ein Jahr vom Bauantrag bis zur Übergabe. Zudem ist dann jederzeit ein An- oder Umbau möglich. Wir planen für acht Gruppen, wollen in dem Gebäude alles räumlich entzerren, beispielsweise planen wir zwei Eingänge. Das einzige, was alle gemeinsam haben werden, ist die Küche. Außerdem soll es an dem Standort einen Spielplatz geben, der nicht nur von den Kita-Kindern, sondern auch von der Gemeinde genutzt werden kann.

Was steht noch auf Ihrem Wunschzettel?
Wir hätten gerne einen Radweg von Göllheim nach Dreisen an den Bahnhof. Angesichts der Reaktivierung der Zellertalbahn ist uns das ein wichtiges Anliegen. In diesem Zusammenhang sind weitere Radwege von der VG in Richtung Zellertal und Eistal geplant. Es wäre gut wenn es hier weitere Entwicklungen gäbe.

Anstehendes Großprojekt: die Begegnungsstätte im Uhlschen Haus.
Anstehendes Großprojekt: die Begegnungsstätte im Uhlschen Haus.
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