Donnersbergkreis
Im Würgegriff der Elemente
In dieser Woche hat eine Spezialfirma die Scheinwerferanlage samt komplexer Mikroelektronik überprüft. Eine 2018 vom Förderverein der Freunde des Pfalztheaters finanzierte Übertitelungsanlage ist vermutlich ruiniert. Nur zwei Beispiele für die verheerenden Folgen des Vorfalls.
Die Theaterverwaltung und der Bezirksverband Pfalz – also der Träger des Musentempels – sind seit Wochen mit der Suche nach Ersatzspielstätten und Ausweichterminen beschäftigt. Nicht weniger Arbeit machen Umbuchungen, Gastverträge und Kartenrückgaben.
Die Macher wollen verstärkt die Abstecherorte anfahren – also Neustadt, Frankenthal und Ludwigshafen, außerdem Worms und Landau. Um das Publikum vor Ort weiter bedienen zu können, finden mehr Aufführungen auf der Werkstattbühne im Nebengebäude statt; die Premiere der Verdi-Oper „Macbeth“ ging soeben konzertant in der Lauterer Fruchthalle über die Bühne.
Bühnenboden muss komplett erneuert werden
Derweil laufen in den Proberäumen, auf der Haupt- und der besonders stark beschädigten Seitenbühne die Trocknungsmaschinen. Unter der Bühne hat sich die Dämmung aus Mineralwolle mit Wasser vollgesaugt. Der Boden der 1400 Quadratmeter großen Spielfläche muss wahrscheinlich komplett erneuert werden.
Speziell diese Maßnahme war allerdings ohnehin geplant. Die Stadt Kaiserslautern als Eigentümerin des Gebäudes hatte erst im vergangenen November rund 1,6 Millionen Euro für einen neuen Bühnenboden locker gemacht. Zur Höhe des Gesamtschadens nach dem Fehlalarm machen Bezirksverband, Stadt und Theater derzeit keine exakten Angaben.
Denn die Bestandsaufnahme nach der Löschwasser-Flutung setzt eine weit verzweigte Überprüfung voraus. Es dürfte mit dem Schlimmsten zu rechnen sein, wie ähnliche Fälle zeigen. Spektakulär war ein Wasserschaden an der Deutschen Oper Berlin, der an Heiligabend 2017 mit bis zu fünf Millionen Euro zu Buche schlug – angeblich ausgelöst durch „unbeabsichtigtes Fehlverhalten der Reinigungskräfte“. Seitdem gelangen immer wieder Wasserschäden in Theatergebäuden der Republik in die Schlagzeilen:
−
−
−
−
−
−
−
−
−
−
Der Deutsche Bühnenverein hat vor geraumer Zeit seine Besorgnis öffentlich gemacht, dass „automatische Löschanlagen zu Millionenschäden“ führen könnten. Die „Leipziger Volkszeitung“ unkte Anfang 2018: „In Deutschlands Theatern brennt es nicht mehr, sie werden geflutet.“
„Die sichersten Gebäude Deutschlands“
Gleichwohl ist die Notwendigkeit von Löschanlagen in großen Gebäudekomplexen wie einem Theater unbestritten. Der Großbrand des Wiener Ringstraßentheaters anno 1881, bei dem 384 Menschen getötet wurden, hat die Architektur der Spielstätten nachhaltig beeinflusst.
Nach Einschätzung der „Theatertechnischen Gesellschaft“ haben sich die Schauspiel-, Opern- und Konzerthäuser „seitdem zu den sichersten Gebäuden Deutschlands entwickelt“. Kritisiert wird zuweilen das Alter der Sicherungssysteme. Das Pfalztheater wurde 1995 in Betrieb genommen.
Auch hier hat man eine historische Brandkatastrophe vor Augen. Das erste Lauterer Theatergebäude brannte keine fünf Jahre nach seiner Eröffnung komplett ab. Es stand an der heutigen Ecke Gasstraße/Karl-Marx-Straße, fasste 1200 Zuschauer – und ging im Mai 1867 gänzlich in Flammen auf. Der Finanzier des Gebäudes – der hier ansässige Mühlenunternehmer Andreas Müller – gab sein Geld auch für einen Neubau, der bereits im Herbst des Folgejahrs bezogen werden konnte.
Pfalztheater ist schon zweimal abgebrannt
Das neue Gebäude wurde gleichfalls ein Raub der Flammen: des grässlichsten und zerstörerischsten, nämlich des menschengemachten Feuers. Während der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs brannte das Theater am 14. August 1944 nieder. Wie brennende Schaubühnen aussehen, haben wir zuletzt beim Bombardement des Theaters im ukrainischen Mariupol gesehen. Zum Zeitpunkt des Angriffs hatten dort hunderte Menschen Schutz gesucht vor der Bombardierung ihrer Heimatstadt.