Donnersbergkreis
„Fundament“ für guten Katastrophenschutz geschaffen
Während es in vielen Städten und Kreisen großen Personalmangel bei den Feuerwehren gebe, sieht Rossel im Donnersbergkreis den großen Schwachpunkt an anderer Stelle. „Wir müssen zunächst bei den Fahrzeugen aufrüsten, dann schauen wir auf die Gebäude“, so Rossel. Klar sei in beiden Bereichen: Es besteht dringender Handlungsbedarf.
„An Fahrzeugen haben wir nur etwa die Hälfte von dem, was wir wirklich brauchen“, führt er aus. Und das, was da sei, sei vielfach völlig veraltet, sagt der Kreisfeuerwehrinspekteur und gibt ein Beispiel. „Wir haben Fahrzeuge, in denen noch keine Anschnallgurte oder Kopfstützen verbaut sind.“ Fahrzeuge, deren Ersatzteile man im Oldtimermarkt besorgen müsse. „Aber wir fahren mit diesen Fahrzeugen zu Einsätzen“, betont Rossel.
Wechsellader steht in Winnweiler
Allerdings habe man in den letzten Jahren bereits einiges auf den Weg gebracht. Im Jahr 2015 sei ein Fahrzeugkonzept für den Katastrophenschutz erstellt und aufgelistet worden, was gebraucht werde in den kommenden Jahren. „Bei einem Bedarfs- und Entwicklungsplan gehe es darum zu überprüfen, was wir leisten müssen und was wir tatsächlich leisten können“, so Rossel.
Vor etwa zwei Jahren sei mit der Anschaffung eines Wechselladerfahrzeugs, das in Winnweiler stationiert ist, ein wichtiger Schritt gemacht worden. Diese Fahrzeuge können unbegrenzt oft umgebaut werden, sie können also vielfältige Aufgaben übernehmen und beispielsweise als Kipplader oder als Tanklöschfahrzeug genutzt werden. Die Umbauten können innerhalb von wenigen Minuten erfolgen.
„Letztlich werden wir bis zu fünf solcher Fahrzeuge anschaffen müssen“, macht Rossel den Bedarf klar. Jedes kostet zwischen 200- und 300.000 Euro.
Angeschafft werden soll auch ein ELW 2, „das ist ein Einsatzleitfahrzeug mit bis zu drei Funkarbeitsplätzen, von dem aus größere Einsätze geleitet werden.“ Es sei gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Kreis ein solches Fahrzeug besitze. „Wenn wir das jetzt bestellen, wird es etwa zwei Jahre dauern, bis es geliefert wird“, so Rossel.
Nicht mehr auf dem neusten Stand
Auch bei der Ausrüstung der Fahrzeuge gebe es noch großen Handlungsbedarf. „Das Material in unserem ,Gerätewagen Gefahrgut’ ist völlig veraltet und entspricht nicht mehr dem Stand der Technik“, so der Feierwehrinspekteur. „Jeden Handwerker würde man mit so einer Handwerkertasche des Geländes verweisen.“
Die Krux bei diesem Gerätewagen: Ein solches Fahrzeug kostet rund eine halbe Million. Zwei davon wären zu beschaffen im Donnersbergkreis.
Auch bei den Stellplätzen für die Fahrzeuge müsse mittelfristig etwas geschehen. So seien in Rockenhausen die Lagerräume für das Rote Kreuz feucht, es regne hinein. „Da lagern wir hochempfindliches medizinisches Material“, macht Rossel seine Besorgnis deutlich.
Gerade Corona habe deutlich gemacht, wie wichtig gute und belastbare Lagermöglichkeiten für den Katastrophendienst seien. „Wir müssen Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel vorhalten, und dafür bedarf es der geeigneten Räume.“
Einiges ist schon geschehen
Gleichwohl sei in den letzten Jahren bereits einiges geschehen, um die Situation im Katastrophenschutz zu verbessern. „Wir erhalten in den nächsten Wochen einen Gerätewagen Betreuung für die Schnelleinsatzgruppe (SEG) beim DRK Eisenberg, und wir haben vor einigen Wochen einen neuen Gerätewagen Messtechnik für die Gefahrstoffeinheit in Dienst gestellt. Das ist ein kleines fahrendes Labor mit viel Messtechnik für Gefahrguteinsätze, das auch schon zum Einsatz kam“, nennt der Feuerwehrinspekteur Beispiele. Und weiterhin: „Wir bauen gerade für über eine Million Euro einen neuen Katastrophenschutz-Stützpunkt für die SEG in Rockenhausen. Zusätzlich wurden Kleinfahrzeuge und eine mobile Sirenenanlage zur Warnung der Bevölkerung bei Großeinsätzen beschafft.“
Der Bedarfs- und Entwicklungsplan richtet den Blick auch auf die personelle Situation im Katastrophendienst, obwohl hier die Lage laut Rossel noch vergleichsweise gut sein. „Es ist ein Wunder, dass unser Personal so motiviert am Ball bleibt“, so Rossel. Denn es sei bekannt, dass neben der Anerkennung in der Bevölkerung und einer guten Akzeptanz beim Arbeitgeber auch eine vernünftige und moderne Ausstattung ein wichtiger Durchhaltefaktor sei.
Fundament für künftige Entscheidungen
Wir müssen uns wappnen, betonte Landrat Rainer Guth bei der jüngsten Kreistagssitzung die Notwendigkeit, eine langfristige Planung im Katastrophenschutz auf den Weg zu bringen. Dass dieser „Bedarfs- und Entwicklungsplan der überörtlichen Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes“ mit dem Zusatz 1.0 versehen wurde, bringe zum Ausdruck, dass er ständig weiterentwickelt werden soll. „Zum einen ändern sich die Themen immer wieder, zum anderen haben wir Nachholbedarf“, sagte der Landrat. Die Starkregenereignisse der letzten Jahre als Folge des Klimawandels und die jetzige Coronasituation hätten gezeigt, dass man vorbereitet sein müsse. Und: „Die Ausstattung muss so sein, dass wir Ehrenamtler motivieren und leistungsfähige Einsatzkräfte haben. Wir müssen uns so aufstellen, dass wir zukunftsfähig sind“, so der Landrat.
Ziel sei, künftig stärker auf Abrollbehälter zu setzen und die Verbandsgemeinden mit den entsprechenden Trägerfahrzeugen auszurüsten. Fahrzeuge, die selten gebraucht werden, wolle man möglichst gebraucht kaufen. „Wir wollen, dass die Verbandsgemeinden einen Nutzen von dem Plan haben und neue Feuerwehrleute generieren können“, so Guth. Neben der bestehenden und gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen Kreis und Verbandsgemeinden will Guth auch die Zusammenarbeit über die Kreisgrenzen hinaus ausbauen. Er halte es für sinnvoll, Investitionen mit den Nachbarkreisen abzustimmen. Den Bedarfsplan sieht Guth als „breites Fundament“. Er soll künftig jährlich im Kreistag neu bewertet werden.