Winnweiler
Er hat was zu erzählen: Langjähriger Standesamtchef geht in Ruhestand
„Man meint gerade, es würde sich herumsprechen, dass ich gehe“, stellt Thomas Jung augenzwinkernd fest. Nach geschätzt 2000 Eheschließungen während seiner Amtszeit hatte es das letzte „Grün für Trauungen“ in seinem Kalender am 27. Januar gegeben. Besonders freut den Standesbeamten, dass es ein Paar aus Rockenhausen war, seiner Geburtsstadt. Im Laufe seiner 30-jährigen Dienstzeit habe er viele „Rockehäuser“ Paare getraut, die extra seinetwegen in Winnweiler geheiratet hätten, erzählt er erfreut.
Die VG Winnweiler verabschiedet mit Referatsleiter Thomas Jung ein wahres Urgestein ihrer Verwaltung. 1992 stieß der Nordpfälzer zur Verbandsgemeinde, zunächst nicht als Standesbeamter. Dies habe sich nach kurzer Zeit ergeben, entsprechende Lehrgänge hatte er im Nachgang absolviert. Zu seinen vielfältigen Leitungsaufgaben gehörten aber auch das Ordnungs- und Sozialamt. Letzteres sei „nicht immer ein Zuckerschlecken“ gewesen.
Zehn Jahre als Berufssoldat bei der Bundeswehr
Zugute kommt dem energischen 65-jährigen seine Ausbildung bei der Bundeswehr. Nach dem Abitur 1976 verpflichtete er sich für zehn Jahre als Berufssoldat, entschied sich dann für eine zivile Karriere und ein Verwaltungsstudium. Nach mehreren Jahren in der Kreisverwaltung Bad Kreuznach zog es den heimatverbundenen Jung schließlich zurück in den Donnersbergkreis. Über Mundpropaganda hörte er von einer freien Stelle in Winnweiler, wechselte nahtlos in die Pfalz.
Viele seiner 13 Mitarbeiter im Referat begleiteten ihn bereits seit seinem Amtsantritt. Obwohl es anfangs bei dem ein oder anderen Befürchtungen hinsichtlich seines möglichen Führungsstils gegeben habe: „Die hörten nur: Oh, Soldat – und haben einen Befehlston erwartet“, erinnert er sich. Den Vorgesetzten habe er aber nie rausgekehrt; immer auf Kooperation gesetzt. Seine Mitarbeiter richten ihm an seinem letzten offiziellen Arbeitstag daher auch eine Feier aus. Einen großen Abschied gebe es aber auf seinen Wunsch hin nicht.
Trauungen auf Minijob-Basis
Außerdem bleibt er dem Amt erhalten: Auf Minijob-Basis will er weiterhin für Trauungen zur Verfügung stehen. „Das mache ich, bis die Kollegen sagen ,Was macht denn der alte Jung schon wieder hier?’“, lacht er. Auch seinem Nachfolger Dominik Lothschütz will er mit Rat und Tat gerne zur Seite stehen.
Seine privaten Pläne sind vor allem von seiner sportlichen Natur geprägt. Der lebenslang aktive DLRG-Schwimmer will im Sommer täglich schwimmen gehen. „Morgens aber erstmal eine Runde joggen, um in die Pötte zu kommen und mittags dann ab ins Becken“, freut er sich. Stolz blickt er auf eine erfolgreiche Schwimmerlaufbahn zurück: bis vor zehn Jahren hatte er regelmäßig mit seiner DLRG-Mannschaft an der Deutschen Seniorenmeisterschaft teilgenommen; diese fünf Mal gewonnen. Außerdem überlege er, sich erstmals seit langem wieder eine Dauerkarte für den „Betze“ zu besorgen. Im kommenden Sommer steht aber zunächst einmal Urlaub in Ägypten mit seiner Frau auf dem Programm. „Morgens und mittags heißt es dann erstmal 1000 Meter im Pool schwimmen. Und nachmittags dann nur am Strand relaxen und nix machen“, freut er sich schon.
Champagner vom Brautvater
Den Vater dreier Töchter, dem während seiner Dienstzeit auch viel Kurioses begegnet ist, freuen besondere Begegnungen wie im vergangenen Sommer: Der Hardrock-Fan wurde auf einem „Foreigner“-Konzert in Mainz von einem Paar angesprochen, ob er sich nicht an die beiden erinnern würde. Schließlich habe er sie acht Jahre zuvor getraut. Und auch an seine größte Hochzeitsgesellschaft mit rekordverdächtigen 120 Gästen erinnert er sich gerne. Oft bekomme er auch im Nachhinein Fotos der Brautleute zugeschickt. In einem Fall habe sich ein Brautvater sogar mit gleich sechs Flaschen edlem Champagner bedankt.
In die Zukunft geht Jung positiv und hält es mit seinem Namen: „Ich halte mich jung. Passenderweise arbeitet meine Frau in der Kosmetikbranche, da kann ja nichts schiefgehen“, fügt er noch schmunzelt hinzu.