Donnersberger Echo
Drei Ortschefs in kurzer Zeit und viel Ärger bei Fotovoltaik – unsere Wochenendkolumne
Wer die Information nur am Rande wahrnimmt, der könnte mutmaßen, das Dorf sei unregierbar. In Winterborn wird der dritte Ortsbürgermeister für die laufende Legislaturperiode gesucht, hat der zweite Amtsinhaber binnen zwölf Monaten seinen Rückzug angekündigt.
Noch ein wenig Zeit können sich die Winterborner mit der Suche lassen. Denn erst Ende 2023 wird Ortschef Ingo Klein sein Amt aufgeben, weil er dann aus dem Dorf wegzieht. Für Ortsbürgermeister gilt nämlich – anders als für hauptamtliche Bürgermeister – eine Residenzpflicht, sprich: Sie können das Ehrenamt nur in der Gemeinde bekleiden, in der sie wohnen.
Seit 2014 keine Direktwahl mehr
Es handelt sich demnach um einen recht profanen Anlass. Und auch bei Kleins Vorgänger Thomas Mettel waren es keine kommunalpolitischen Gründe, die ihn sein Amt zum Jahresende 2021 hatten niederlegen lassen, sondern gesundheitliche. Ergo liegt es wohl nicht daran, dass der Job als Ortschef in Winterborn um Längen unangenehmer wäre als in den Nachbargemeinden. Zumal Mettel es zehn Jahre lang an der Spitze der Gemeinde ausgehalten hatte, sich zweimal hatte wiederwählen lassen. Alles also machbar.
Das soll nun keine Werbung, keine Stellenausschreibung für das Amt des Winterborner Ortsbürgermeisters sein. Wobei, vielleicht wäre es ja angebracht: Denn einfach war es in jüngerer Vergangenheit nicht gewesen, einen Freiwilligen zu finden. Bei der Kommunalwahl 2014 hatte sich in Thomas Mettel zuletzt ein Direktkandidat der Urwahl gestellt. Fünf Jahre später hatte es keinen Kandidaten gegeben. Mettel hatte gepasst – unter anderem wegen beruflicher Belastung –, sich aber dann doch der Wahl durch den Gemeinderat gestellt. So läuft es grundsätzlich: Wenn es keinen Direktkandidaten gibt, muss der Rat einen neuen Ortsbürgermeister wählen. Findet sich auch dafür kein Bewerber, kann die Aufsichtsbehörde einen sogenannten Fürsorgebeauftragten bestellen, der alle Rechte und Pflichten eines ordnungsgemäß gewählten Ortsbürgermeisters wahrnimmt – in vielen Fällen übernimmt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde diese Position.
Kandidat muss kein Ratsmitglied sein
Auch nach Mettels Rücktritt fand sich Anfang 2022 kein Kandidat für eine Urwahl. Wieder musste hernach der Rat aktiv werden: Ingo Klein stellte sich der Wahl durch das Gremium, „bevor die Gemeinde durch einen Beauftragten von außen verwaltet werden muss“, wie er damals sagte.
Natürlich steht Winterborn nicht exklusiv vor der wiederkehrenden Herausforderung, Kandidaten zu finden. In vielen Gemeinden gab es zuletzt keine Urwahl des Ortsbürgermeisters. Teilweise ist es sogar Tradition, dass niemand antritt und stattdessen der Rat für die Wahl des Ortschefs sorgt.
Und doch darf man nun, da auch Ingo Klein vorzeitig aufhören muss, gespannt sein, ob sich frühzeitig ein Freiwilliger für die Nachfolge findet. Sicherlich würden die Bürger in Winterborn für eine hohe Wahlbeteiligung sorgen, wenn sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Kreuzchen neben einen Ortsbürgermeister-Kandidaten setzen dürften.
Was die Suche nach dem nächsten Ortschef erschwert, ist die pure Statistik: Mit dem neuen Mann oder der neuen Frau wäre dann schon jeder 60. Winterborner Einwohner auch Ortsbürgermeister in der laufenden Legislaturperiode gewesen. Ein wichtiger Hinweis, der zum Gelingen beitragen kann: Der Kandidat muss nicht aus den Reihen des Gemeinderats kommen – auch Klein war bei seiner Wahl kein Ratsmitglied gewesen.
Fotovoltaikanlagen: Es dauert zu lange
Die Energiekrise zwingt uns alle zum Umdenken. Nicht nur die Folgen des Kriegs in der Ukraine, sondern schon der Klimawandel und das Thema Nachhaltigkeit haben in jüngster Vergangenheit zu rasend schnellen Veränderungen geführt – in unserem Denken wie in der Praxis. Wer hätte sich vor Jahren träumen lassen, wie rapide die erneuerbaren Energien an Bedeutung gewinnen, wie private Fotovoltaikanlagen ein Dach nach dem anderen zieren?
Aber Moment ... rasend schnell? Ganz so paradiesisch sieht es dann halt doch nicht aus. Nach unserer Berichterstattung zum Thema haben sich viele Leser auf unserer Facebook-Seite darüber beklagt, dass es aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus zu lange dauere, bis die Anlagen ans Netz angeschlossen und somit nutzbar sind.
Wir haben einige der Beiträge veröffentlicht – und seither weitere Zuschriften erhalten. Zuschriften von Lesern, die ebenfalls unglücklich über die Verzögerungen bei der Inbetriebnahme ihrer Fotovoltaikanlage sind. Es scheint, als habe die Donnersberger Rundschau da in das berühmte Wespennest gestochen. Wir werden weiter über das Thema berichten. Und freuen uns auf weitere Erfahrungsberichte.