Imsweiler
Der Rat findet: Rettungshubschrauber kann kommen
Erst zehn Tage zuvor habe sich herauskristallisiert, dass Imsweiler nun doch Standort für den Rettungshubschrauber der Westpfalz werden könnte, berichtete Landrat Rainer Guth in der Imsweilerer Gemeinschaftshalle. Auf dem Flugplatz könnte der Helikopter sowohl ab Anfang 2021 während des verlängerten Interimsbetriebs als auch – nach einer weiteren Ausschreibung – bei der Dauerlösung stationiert werden.
Dass die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd Eßweiler als den bisherigen Standort des Probebetriebs aus „Artenschutz und Naturschutzgründen kritisch bewertet“, war erst am Dienstag nach einer RHEINPFALZ-Anfrage öffentlich bekannt geworden. Damit kommen jetzt andere Standorte wieder in die genauere Prüfung. Darunter auch Imsweiler, das lange Zeit schon aus dem Rennen schien.
Lärmbelästigung großes Thema
Rüdiger Neu, Pilot und ADAC-Flugbetriebsleiter Süd-West, stellte sich am Donnerstag nicht nur den Fragen des Rates, sondern auch der Bürger. Viele dieser Fragen drehten sich um das Thema Lärmbelastung. Neu zog zum Vergleich einen Traktor heran: Der sei lauter als das „hochmoderne und sehr leise“ Modell H145, das mit weniger als 85 Dezibel gemessen werde.
Ein Bürger regte sich darüber auf, dass man in Imsweiler gerade jetzt einen Hubschrauber stationieren wolle, wo die Umgehung bald für eine Entlastung beim Durchgangsverkehr sorgen werde. Für diese Haltung hatte ein anderer Ratsbesucher allerdings kein Verständnis. Wie man sich gegen einen Rettungshubschrauber stellen könne, der nur wenige Male am Tag starte und lande – und das, um Menschenleben zu retten.
Auch Gemeinderätin Daniela Lenhard ließ die Lärmbelastung als Argument gegen eine Stationierung nicht gelten. In einem Ort, in dem es Durchgangsverkehr und auch Lärmbelastung durch Landwirtschaft gebe, sollten die wenigen Minuten, die der Hubschrauber für Start und Landung brauche, keine Rolle spielen, meinte sie. Neu berichtete, in Eßweiler habe es in knapp einem Jahr Flugbetrieb lediglich eine einzige Beschwerde wegen des Lärms gegeben – aus dem Nachbarort Rothselberg.
Keine Nachtflüge im Probebetrieb
Man fliege von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, hatte Neu zuvor erläutert, folglich seien die Flugzeiten im Winter deutlich kürzer. Bei Start und Landung sollen Imsweiler und die angrenzenden Ortschaften Dörnbach und Gundersweiler nicht überflogen werden – das sei auch nicht nötig, erklärte Neu auf Nachfrage. „Und wenn es einer der Piloten doch tun sollte, dann sagen Sie mir Bescheid, dann stellen wir das ab.“ Nicht damit gemeint seien allerdings die Flüge ab einer Flughöhe von rund 1000 Metern. „Wenn wir weit genug oben sind, dann nehmen wir immer den schnellsten Weg zu unserem Einsatz. Denn da geht es um Leben, da zählt jede Minute“, sagte Neu.
Dass es irgendwann bei einer Dauerstationierung auch Nachtflüge geben werde, das könne er nicht ausschließen, erläuterte der ADAC-Vertreter. Das aber sei eine Entscheidung des Landes, das dafür dann einen Auftrag erteilen müsse. „Ich gehe davon aus, dass die Luftrettung in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, denn die Versorgung am Boden durch Notärzte wird angesichts des Ärztemangels immer schwerer.“ Wann das allerdings der Fall sein könnte, das sei nicht abzusehen. Sicher sei nur, dass es während des Interimsbetriebs nicht dazu kommen werde. Apropos Interimsbetrieb: Der könnte sich nach Einschätzung Neus noch um eine ganze Zeit verlängern. Das Genehmigungs- und Vergabeverfahren für den Dauerbetrieb könne „eineinhalb bis drei Jahre dauern“, schätzt der ADAC-Flugbetriebsleiter.
Alle 14 Tage kommt der Tankwagen
1410 Einsätze habe der Rettungshubschrauber im laufenden Jahr hinter sich gebracht. Gelandet wird manchmal auch bei Dunkelheit, wenn der Einsatz bereits vor Sonnenuntergang startete. Ein Anflug dauere rund anderthalb Minuten. Betankt werden muss der Hubschrauber etwa alle 14 Tage, dann fährt ein Tankwagen durch den Ort.
Man habe sich zu Beginn des Probebetriebs für Eßweiler entschieden, weil es dort eine passende Bebauung gab und auch ein Flugplatz vorhanden war. Nach der Bewertung der SGD Süd müsse man nun dafür sorgen, dass der Flugbetrieb in der Westpfalz nicht unterbrochen werde. Den Standort Imsweiler halte der ADAC für geeignet, es seien aber auch noch andere Standorte in der Prüfung.
Nicht zum letzten Mal Ratsthema
Die Räte stimmten mit neun Stimmen für die Übergangsstationierung, es gab eine Enthaltung. Jürgen Christmann hatte zuvor ein Statement verlesen, in dem er die geplante Stationierung als Schildbürgerstreich bezeichnete und die Frage stellte, warum der Hubschrauber nicht weiterhin in Eßweiler fliege könne. An der Bewertungspraxis der SGD übte er allgemeine Kritik.
Auch einer dauerhaften Stationierung stimmte der Rat bei einer Enthaltung zu. Für diese müssten allerdings weitere umfangreiche baurechtliche Verfahren in Gang gesetzt werden, das Thema werde also ohnehin weitere Male im Rat zur Sprache kommen. Auch die Frage, ob es bis dahin zu Beschwerden aus der Bevölkerung gekommen ist, soll dann ein weiteres Mal auf die Tagesordnung.
Kommentar: Das Ja war wichtig und richtig
Von Jutta Glaser-Heuser
Die Imsweilerer haben Ja gesagt. Natürlich gab es kritische Nachfragen, das ist auch richtig so, denn immerhin hat kaum jemand Erfahrung mit einem Flugplatz für Rettungshubschrauber. Und immerhin hat Imsweiler in Sachen Lärmbelastung schon einiges wegstecken müssen. Trotzdem war das Ja wichtig. Es ist ein Bekenntnis zum Standort Westpfalz, den nach jahrelanger Überzeugungsarbeit endlich auch das Land als notwendig erachtet. Die Imsweilerer übernehmen damit ihren Teil an Verantwortung dafür, dass es auch im Interimsbetrieb keine Versorgungslücke geben wird, denn das könnte das ganze Projekt gefährden. In der Hinterhand haben sie auch noch die Möglichkeit, nach der Probephase die endgültige Stationierung abzulehnen. In Eßweiler waren die Luftretter hochwillkommen und haben sich nach eigenem Bekunden sehr wohl gefühlt. Wenn die Imsweilerer die Stationierung bereits in der Übergangsphase abgelehnt hätten, wäre das zu einem peinlichen Statement gegenüber den Luftrettern geraten.